Gegen den Trend: Neunburg hat so viel Gewerbesteuer eingenommen wie noch nie

Von Jan Lange · 29. März 2026 um 15:00

Die Kassenlage der Kommunen im Freistaat ist laut dem Bayerischen Städtetag alarmierend: Sie hatten 2025 ein Defizit von knapp 4,7 Milliarden Euro. Die Stadt Neunburg ist dabei eine Ausnahme. Deren finanzielle Situation spiegelt den negativen Trend nicht wider. Im Vorjahr konnte ein Überschuss von voraussichtlich knapp drei Millionen Euro erzielt werden. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Es sind mehr als positive Zahlen, die Bürgermeister Martin Birner (CSU) jetzt im Hauptverwaltungsausschuss präsentieren konnte. Im Vorjahr hat die Stadt knapp 13,6 Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen. Für Neunburg sei dies ein absoluter Spitzenwert, wie der Rathauschef erklärte. Gerechnet hatte die Verwaltung im Haushalt 2025 mit elf Millionen Euro Gewerbesteuer. Dieser Ansatz wurde also um rund 2,6 Millionen Euro überschritten. Von den rund 1000 in Neunburg gemeldeten Firmen zahlen laut Kämmerei etwa 250 Betriebe Gewerbesteuer.

2021 lagen die Gewerbesteuereinnahmen zuletzt über zehn Millionen Euro

Zuletzt hatte Neunburg im Jahr 2021 mehr als zehn Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen (2021: rund 10,52 Millionen Euro). Die Jahre davor und danach lag die Summe meist deutlich unter der Zehn-Millionen-Marke. Mit dem „absoluten Rekordergebnis“, wie es Bürgermeister Birner bezeichnete, überflügelte Neunburg bei der Gewerbesteuereinnahme auch erstmals die Gemeinde Wackersdorf, die im Vorjahr auf 10,87 Millionen Euro kam und damit ihren Ansatz von elf Millionen Euro leicht verpasste.

Während Wackersdorf heuer mit zehn Millionen Euro Gewerbesteuer rechnet, liegt der Ansatz im aktuellen Neunburger Haushalt bei 13 Millionen Euro. Die Gewerbesteuer ist mit gut 47 Prozent der Einnahmen des gesamten Verwaltungshaushaltes die Haupteinnahmequelle.

Auch schon im Jahr 2024 war die erwartete Summe der Gewerbesteuereinnahmen in Neunburg deutlich überschritten worden. Damals hatte Kämmerer Michael Haßfurter mit rund 8,3 Millionen Euro gerechnet, am Ende waren es mehr als 9,4 Millionen Euro. Meistens planen die Kämmereien für den folgenden Haushalt mit dem Einnahmewert des Vorjahres. Insofern waren die für 2025 geplanten elf Millionen Euro bereits sehr optimistisch gerechnet.

Neunburg konnte auf Aufnahme von neuen Darlehen verzichten

Dass diese Schätzung letztlich noch mal deutlich überschritten wird, verschafft der Stadt Neunburg eine Menge Handlungsspielräume. Dazu tragen zusätzlich eine höhere Einkommenssteuerbeteiligung (rund 144.000 Euro Mehreinnahmen in 2025) und geringere Personalkosten (2025 wurden etwa 92.000 Euro weniger ausgegeben als geplant) bei.

Im Vorjahr konnte Neunburg auf die vorgesehene Darlehensaufnahme in Höhe von 900.000 Euro verzichten. Gleichzeitig wurden die städtischen Schulden um fast 1,2 Millionen Euro reduziert. Mit rund 16 Millionen Euro hatte die Stadt Neunburg Anfang 2025 einen sehr hohen Schuldenstand. Zum Jahresende waren es noch etwas mehr als 14,8 Millionen Euro. Damit sank auch die Pro-Kopf-Verschuldung auf unter 2000 Euro (1828 Euro/pro Einwohner am 30. Juni 2025).

Der vorliegende Haushaltsentwurf 2026 enthält keine genehmigungspflichtigen Bestandteile und braucht deshalb auch keine Genehmigung durch die Rechtsaufsichtsbehörde.Michael Haßfurter, Neunburgs Kämmerer

In diesem Jahr will die Stadt ebenfalls keine neuen Darlehen aufnehmen, wie Haßfurter ankündigte. Vielmehr sollen die Schulden weiter abgebaut werden. Und es soll weiter kräftig investiert werden: Knapp über acht Millionen Euro hat die Kämmerei heuer für Investitionen eingestellt. Die neu aufgelegten Förderprogramme des Bundes und des Freistaates würden die Stadt bei ihrem Eigenanteil an den geplanten Investitionen entlasten, so Haßfurter.

Sanierung der Ortsstraße Rahm ist größtes Bauvorhaben

Zu den größten Vorhaben gehören der Ausbau der Ortsstraße Rahm samt Stützmauer, der bereits 2025 begonnen wurde und heuer noch mit einer Million Euro im Haushalt steht. Auch die Außenanlagen der Grundschule an der Ledererstraße sollen endlich gestaltet werden – 2026 sind dafür 700.000 Euro vorgesehen. Im vergangenen Jahr hatten die Stadträte dieses Vorhaben aufgrund der etwas schlechteren Finanzsituation noch geschoben.

900.000 Euro hat die Stadt für den Neubau des Eisernen Steges eingeplant. Seit dem Auffahrunfall 2020 und der damit einhergehenden schweren Beschädigung gibt es einen provisorischen Übergang von der Altstadt zur Ledererstraße. Obwohl mit dem Unfallverursacher bisher keine Einigung erzielt wurde und kürzlich auch bekannt wurde, dass der Mann einen vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich mit der Stadt Neunburg abgelehnt hatte, soll 2026 der Neubau des Eisernen Steges erfolgen.

Stadt setzt weiter auf Haushaltsdisziplin und gezielte Investitionen

Die Rechtsaufsicht des Landkreises hatte 2025 noch die hohe Schuldenlast der Stadt angemahnt. Zudem sollte aus ihrer Sicht die Zuführung vom Verwaltungs- zum Vermögenshaushalt erhöht werden. Neunburg sollte auch Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ergreifen.

Mit dem nun präsentierten Haushaltsentwurf für 2026 werden laut dem Kämmerer alle Auflagen der Rechtsaufsicht erfüllt. So wurden beispielsweise die Einnahmesituation deutlich verbessert, die Mindestzuführungen an den Vermögenshaushalt übererfüllt, keine neuen Darlehen geplant und Schulden abgebaut. Da der Haushalt 2026 erstmals „keine genehmigungsfähigen Bestandteile“ beinhalte, sei auch keine Genehmigung durch die Rechtsaufsicht erforderlich, erläuterte Haßfurter.

Dennoch setze die Stadt weiterhin auf Haushaltsdisziplin und investiere gezielt, betonte Bürgermeister Birner. Es sollen permanent Einsparmöglichkeiten weiterverfolgt werden. Auch eine weitere Verbesserung der Einnahmesituation werde angestrebt. So hat der Kämmerer beispielsweise höhere Mieteinnahmen eingeplant. Auf Nachfrage erklärte Haßfurter, dass eine bisherige Lagerfläche des Museums geräumt wurde und inzwischen neu vermietet werden konnte.

Das sind die größten Investitionen 2026 (Auswahl)

• Ausbau der Ortsstraße Rahm mit Stützmauer: eine Million Euro

• Erneuerung Eiserner Steg: 900.000 Euro

• Breitbandausbau Gigabitnetz: 800.000 Euro

• Außenanlagen der Grundschule Ledererstraße: 700.000 Euro

• Erneuerung Lüftungsanlage Dreifachturnhalle Mittelschule: 303.000 Euro

• Gemeindeverbindungsstraße Mitterauerbach – Wundsheim: 280.000 Euro

• Sparkassengebäude mit Parkdeck: 250.000 Euro

• Stadtpark-Projekt „Naturerlebnisraum – ein Treffpunkt für alle Generationen“: 200.000 Euro

• Regenrückhaltebecken Katzdorf/Pettendorf: 150.000 Euro

• Dachsanierung Neues Schloss: 100.000 Euro

• Ersatzbeschaffung GW-L1 für FF Neunburg: 94.000 Euro