Gemeinde Wackersdorf schnallt den Gürtel enger – Investitionen werden reduziert

Der Wackersdorfer Gemeinderat hat den Haushalt 2026 mit einem Gesamtvolumen von 39,3 Millionen Euro einstimmig verabschiedet. Sowohl Bürgermeister Thomas Falter (CSU) als auch die Fraktionssprecher verwiesen auf die aktuell herausfordernde Wirtschaftslage, der man sich stellen müsse.
Im Vorbericht informierte Kämmerer Daniel Fendl, dass ich das Haushaltsvolumen gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Millionen Euro verringert habe. Im Verwaltungshaushalt seien die Gewerbesteuer niedriger angesetzt und die Gebührenanpassungen berücksichtigt worden. Im Vermögenshaushalt seien Investitionen in die Kinderhäuser, Gewerbegebiete, Straßensanierungen und Vorbereitungen für die Neugestaltung der Ortsmitte vorgesehen, die in diesem Jahr umgesetzt werden sollen.
Bei derzeit 5401 Einwohnern liege die Steuerkraft bei rund 2705 Euro je Bürger, so Fendl weiter. Die Gemeinde sei schuldenfrei und erhalte aufgrund des Steueraufkommens seit 1994 keine Schlüsselzuweisungen durch den Freistaat. Die Höhe der Rücklagen bezifferte der Kämmerer auf 18,3 Millionen Euro.
Bürgermeister Thomas Falter wies darauf hin, dass man das Investitionsvolumen reduziert habe. Den Zuschussbedarf für die Kindergärten bezifferte er auf knapp 1,4 Millionen Euro, die Personalkosten (ohne Verwaltungspersonal) auf rund 4,8 Millionen Euro. Wichtigste Einnahmequelle sei die Gewerbesteuer, bei der man für heuer rund zehn Millionen Euro einkalkuliert habe. Dazu komme der Einkommensteueranteil von 4,8 Millionen Euro. Nachdem der Umlagesatz gesunken sei, müsse die Gemeinde rund 6,7 Millionen Euro und damit knapp 1,6 Millionen Euro weniger an Kreisumlage entrichten.
Millionen für Gewerbe und Sanierung von Straßen
Größere Projekte sind nach den Worten des Bürgermeisters die Erschließung des Gewerbegebiets Ottostraße II mit 455.0 Euro, die Sanierung der Eichenund der Rauberweiherhauser Straße mit rund 2,6 Millionen Euro sowie Tiefbaumaßnahmen im Gewerbegebiet an der A 93 mit knapp 1,5 Millionen Euro. Sechsstellige Beträge in unterschiedlicher Höhe benötige man auch für die Errichtung von PV-Anlagen, die Vorplanung für das Haus der medizinischen Versorgung, den Glasfaserausbau, Investitionen in die Wasserversorgung und die Ausrüstung der Feuerwehren.
Falters Fazit zum Etat 2026: Wackersdorf habe ein stabiles Fundament, der Wirtschaftsstandort großen Stellenwert. Durch die erfolgreiche Ansiedlung eines Branchenmix’ würden sich weitere Synergien und Chancen ergeben. Die Gemeinde lege Wert auf eine nachhaltige Energiepolitik und betrachte alle Investitionen stets unter wirtschaftlichen Aspekten und hinsichtlich der Fördermöglichkeiten: „Wackersdorf steht auf einem stabilen Fundament, ist gut gerüstet und wird die kommenden Herausforderungen gemeinsam und entschlossen anpacken.“
Für die JU nahm Regina Wirth Stellung zum Etat. Sie stellte fest, dass die finanziellen Spielräume enger würden, Gewerbesteuereinnahmen tendenziell rückläufig seien, weshalb man geplante Investitionen in den nächsten Jahren sorgfältig betrachten müsse. Zu hohe Investitionen in kurzer Zeit würden dazu führen, dass ein erheblicher Teil der Rücklagen aufgebraucht würde. Sie regte den Einsatz von KI und Digitalisierung zur Effizienzsteigerung sowie einen maßvollen Stellenabbau an.
Angst vor Zunahme der Verkehrsbelastung
Bedenken zum geplanten Haus der medizinischen Versorgung äußerte Grünen-Sprecherin Sonja Probst. Das geplante Ärztehaus in der Ortsmitte sei nicht nur ein Gewinn, sondern lasse eine massive Zunahme des Verkehrs erwarten schon jetzt sei die Schulstraße ein Hotspot. Deshalb solle ein Verkehrsgutachten zeigen, wie zusätzliche Bebauung und Verkehrsaufkommen unter einen Hut zu bringen seien. Probst zeigte zwei Themenfelder auf, bei denen man nach ihrer Einschätzung nicht ausreichend vorangekommen ist, und schlug eine kommunale Wohnbaugesellschaft und einen Kunstwettbewerb „Neue Ortsmitte“ vor.
FW-Sprecher Alfred Jäger erinnerte an Betriebsschließungen und Produktionsrückgänge und kam zu dem Ergebnis, „dass die fetten Jahre vorbei zu sein scheinen“. Er forderte eine sparsame Haushaltsführung und kritisierte den „überzogenen Fuhrpark bei der Gemeinde“. Auch bei den Sportanlagen oder dem Mehrgenerationenhaus müsse die Finanzverwaltung die Ausgaben genau prüfen und dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen. Zudem müssten die erheblich gestiegenen Personalkosten auf den Prüfstand gestellt werden, so Jägers Forderung.
Eine Priorisierung der anstehenden Projekte forderte SPD-Sprecher Peter Gaschler. Noch sei das Rücklagekonto gut gefüllt, niemand aber wisse, wie sich die Gewerbesteuer entwickle. Deshalb heiße es weiter auf Sicht fahren, geplante Projekte wie die Achse Schulstraße-Marktplatz und den Hochwasserschutz Schritt für Schritt abzuarbeiten, bevor man neue Investitionen angehe. Das neue Zahlenwerk bezeichnete Gaschler als seriös und gesichert. Trotz gewisser Einschnitte gehe es der Gemeinde verglichen mit anderen Kommunen finanziell weiter gut.
Von der Abhängigkeit zu einem guten Branchenmix
Helmut Kraus (CSU) zeigte sich überzeugt, dass Wackersdorf weit entfernt von Investitionsstaus sei und auch für schlechte Zeiten vorgesorgt habe. Man habe in den vergangenen Jahren viele wichtige Projekte auf den Weg gebracht, so dass man auch mit einigen Jahren, in denen kleinere Brötchen gebacken würden, gut leben könne.
Zu den Gewerbesteuereinnahmen sagte Kraus, dass es vor zehn Jahren eine starke Abhängigkeit von der Autoindustrie gegeben habe, die sich nun allmählich in ein weites Feld an Industriefirmen, Mittelständlern und Handwerksbetrieben wandle. Schwerpunkte des Etats wie die Investitionen in Straßen, Erschließung des Gewerbegebiets am Richtfeld, die Breitbandversorgung und der Kindergartenausbau seien für die CSU wichtige Gradmesser eines richtigen Haushaltsansatzes. Trotz einiger Bedenken und Anregungen stimmte der Gemeinderat am Ende geschlossen für die Annahme des Haushaltsplans.