Millionen-Investition: BMW verlegt Zentrum für Kreislaufwirtschaft in die Oberpfalz

BMW verlagert sein seit über 30 Jahren in Unterschleißheim bei München betriebenes Recycling- und Demontagezentrum in die Oberpfalz. Am historisch bedeutsamen Gelände in Wackersdorf (Landkreis Schwandorf), das einst für eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage vorgesehen war, entsteht ein neues Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft – mit einem zweistelligen Millionenbetrag und mehr als 100 geplanten Arbeitsplätzen, was Kommunalpolitiker und Betriebsrat gleichermaßen begeistert.
Der Autobauer BMW verlagert ein wichtigen Standort für die Aufbereitung von Ressourcen von Unterschleißheim bei München in die Oberpfalz. Das teilte der Konzern der Mediengruppe Bayern mit. Aus dem seit über 30 Jahren bei München existierenden Recycling- und Demontagezentrum (RDZ) soll am neuen Standort in Wackersdorf ein technologisch hochmodernes Competence Center Circularity (CCC) entstehen.
Historisch interessant ist das Areal: Die BMW AG erwarb 1989 einen 55 Hektar großen Teil des Geländes, das in den 1980er Jahren ursprünglich für eine Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) vorgesehen war. Das Werk dort wurde 1990 eröffnet, Ende 1994 beschloss der Konzern, das Gelände zu einem Innovationspark umzuwandeln.
Heute ist auf dem Gelände das BMW Group Werk Wackersdorf angesiedelt, aber auch andere Firmen wie zum Beispiel mit Ascorium ein Unternehmen, das Sprühhaut für die Cockpits fertigt.

Für das neu entstehende Kompetenzzentrum Zirkularität wird BMW einen zweistelligen Millionenbetrag investieren, bestätigte eine Sprecherin des Werks. Wie viele Arbeitsplätze dort entstehen werden, ist noch nicht ganz klar – das werde im Moment noch bewertet, heißt es.
„Fest steht aber, dass das neue Kompetenzzentrum Zirkularität in Wackersdorf langfristig mit einer Belegschaft von mehr als 100 Mitarbeitenden betrieben werden soll“, heißt es von BMW.
Ideallösung für BMW in der Oberpfalz
Aus Sicht der BMW Group ist Wackersdorf eine Ideallösung für den neuen Standort des Kompetenzzentrums für Zirkularität. So steht das BMW Group Werk Wackersdorf seit Jahrzehnten für Flexibilität: Mit der Cockpitfertigung, dem Rolls-Royce Türen- und Klappenzentrum, der Auslandsversorgung für Überseewerke sowie dem Batterietestzentrum verfügt der Standort über eine breit gefächerte Expertise und ist fest im BMW Group Netzwerk verankert.
„Kreislaufwirtschaft ist zentrales Element der BMW Group Unternehmensstrategie“, sagt Jörg Lederbauer, Vice President Kreislaufwirtschaft, Ersatzteilversorgung Hochvoltspeicher und elektrischer Antrieb der BMW Group.
Unser neues Kompetenzzentrum in Wackersdorf wird ein zentraler Baustein unserer zirkulären Wertschöpfung und hilft, die Mobilität der Zukunft ressourcenschonender zu gestalten.Jörg Lederbauer, Vice President Kreislaufwirtschaft, Ersatzteilversorgung Hochvoltspeicher und elektrischer Antrieb der BMW Group
„Unser neues Kompetenzzentrum in Wackersdorf wird ein zentraler Baustein unserer zirkulären Wertschöpfung und hilft, die Mobilität der Zukunft ressourcenschonender zu gestalten. Wir wollen Materialien bestmöglich im Kreislauf halten und damit Ressourcen langfristig und werterhaltend nutzen. Damit senken wir auch unsere Abhängigkeit von Primärrohstoffen. Zudem wird der Einsatz hochwertiger Sekundärmaterialien den CO2-Fußabdruck unserer Fahrzeuge weiter deutlich reduzieren.“
Seit über 30 Jahren werden im BMW Group Recycling- und Demontagezentrum (RDZ) am aktuellen Standort in Unterschleißheim bei München Verfahren entwickelt und in der Praxis erprobt, mit denen wesentliche Fortschritte bei der Wiederverwertung von Teilen und Wertstoffen erzielt werden.

„Bereits in den vergangenen Jahren hat das Unternehmen entscheidende Weichen für die Zukunft des Standorts Wackersdorf gestellt“, sagt Stefan Betz, Leiter des BMW Group Standorts Wackersdorf. Das gesamte Werksteam habe dabei stets Flexibilität bewiesen. „Die Ansiedlung des Kompetenzzentrums für Zirkularität verbreitert das Fundament unseres Standorts. Damit erschließen wir uns ein attraktives, zukunftsorientiertes Handlungsfeld“, so Betz.
„Den erfolgreichen Weg der Transformation setzt das Unternehmen nun konsequent fort“, sagt auch André Mandl, Betriebsratsvorsitzender der BMW Group Werke Regensburg und Wackersdorf. Die Ansiedlung des neuen Competence Center Circularity sei eine wichtige strategische Entscheidung des Unternehmens für den Standort Wackersdorf – „und vor allem für die Beschäftigten. Hierfür haben wir uns auch als Arbeitnehmervertretung eingesetzt“, so Mandl.

Jubel über die Entscheidung für die Oberpfalz gibt es auch aus der Kommunalpolitik. „Das hochmoderne Kompetenzzentrum für Zirkularität wird einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und zur Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft leisten“, sagt Thomas Ebeling, Landrat des Landkreises Schwandorf.
„In Kombination mit dem ebenfalls in Wackersdorf geplanten Technologie-Transfer-Zentrum der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg und der OTH Amberg-Weiden in Wackersdorf ist nun auch eine enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft zum Thema Kreislaufwirtschaft möglich. Damit stärken wir die Region“, so der Landrat.
Neuer Standort soll 2029 in Betrieb gehen
„In Wackersdorf haben wir mit BMW seit vielen Jahrzehnten einen starken Partner an der Seite“, sagt auch Thomas Falter, Bürgermeister der Gemeinde Wackersdorf. Und weiter: „Wir freuen uns, dass die BMW Group mit diesem Schritt erneut ihr Engagement am Standort bekräftigt. Das ist ein starkes Signal für unseren Standort und für nachhaltige Zukunftstechnologien.“
Mit der Standortentscheidung beginnt nun die detaillierte Planungsphase für das Competence Center Circularity. Das bestehende RDZ in Unterschleißheim bleibt bis zur Verlagerung vollumfänglich in Betrieb. Die Inbetriebnahme am neuen Standort ist für 2029 geplant.
Neues Leben für Batterien
BMW recycelt auch seine Batteriezellen – zumindest die, die im Testzentrum Parsdorf bei München produziert wurden. Ende 2025 hat in Salching (Landkreis Straubing-Bogen) das Kompetenzzentrum Batteriezellrecycling (Cell Recycling Competence Center; CRCC) seinen Betrieb aufgenommen, ein Joint Venture von BMW und der Encory GmbH.
Beim Direktrecycling können Reststoffe aus der Batteriezellfertigung bis hin zu ganzen Batteriezellen mechanisch zerlegt werden, nicht bis in ihren Ursprungszustand, sondern so, dass sie direkt wieder in den Kreislauf der Zellfertigung zurückgegeben werden können.
Der Vorteil besteht laut BMW darin, dass dabei eine energieintensive chemische oder thermische Aufbereitung entfällt. Jährlich soll in Salching Batteriezellmaterial im mittleren zweistelligen Tonnenbereich recycelt werden, die dann wieder in der Pilotfertigung von Batteriezellen in Parsdorf eingesetzt werden.
Das Kompetenzzentrum in Salching mit rund 20 Beschäftigten wurde von der Encory GmbH gebaut und betrieben, das geistige Eigentum des Recyclingverfahrens liegt vollständig bei BMW.