Regensburgs BMW-Werksleiter: „Wir bewerben uns mit Qualität für neue Modelle“

Von Christian Eckl · 21. Februar 2026 um 19:00

Der Werksleiter von BMW in Regensburg und Wackersdorf, Armin Ebner, spricht im Interview mit der Mediengruppe Bayern über die chinesische Konkurrenz von XPeng und anderen, die Auslastung der Produktion im Hartinger Werk, wieso er selbst seinen Oldtimer zusammenbaut - und wie es ist, einen elektrischen Rolls Royce zu fahren.

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Herr Ebner, ist die angespannte Lage der Autobranche in Deutschland auch bei Ihnen im BMW-Werk zu spüren?

Armin Ebner: Unsere Modelle X1 und X2 sind sehr gefragt und attraktiv für die Kunden. Deshalb haben wir aktuell die positive Herausforderung, sehr hohe Stückzahlen zu produzieren. Wir fertigen dreischichtig rund um die Uhr, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Rund zwei Drittel unserer Fahrzeuge gehen in den Heimatmarkt Deutschland oder in andere europäische Länder.

Ein Glücksfall?

Ebner: Wir profitieren von der aktuellen Marktlage. Die Herausforderungen, die es derzeit auf dem chinesischen Markt China gibt, betreffen uns als Werk Regensburg kaum. Wir verzeichnen deshalb aktuell sehr stabile, steigende Stückzahlen.

Gibt es für Sie hier im BMW-Werk Regensburg eine Grenze des Wachstums?

Ebner: Die Produktion läuft derzeit 23,5 Stunden am Tag. Letztes Jahr haben wir mit über 356.000 Einheiten so viele Autos gebaut wie noch nie und einen Produktionsrekord aufgestellt. Natürlich ist irgendwann eine systemische Grenze erreicht – aber: Ein bisserl was geht immer.

Das Werk, das vor 40 Jahren eröffnet wurde, steht auf dem heutigen Gebiet der Stadt Regensburg. Im vergangenen Jahr haben Sie aber auch eine Produktionsstätte in Neutraubling eröffnet. Wie das?

Ebner: Prinzipiell schauen wir, dass wir die Prozesse im Werk optimal gestalten. In diesem Fall war die Logistikhalle bereits in unserer Nutzung und hat sich durch ihre Lage nahe am Werk, ihre Größe und Verfügbarkeit perfekt angeboten. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Neutraubling und den Behörden im Landkreis war hervorragend und entscheidend für den Erfolg. Innerhalb von nur zwölf Monaten – von der Entscheidung bis zur ersten Karosse – konnten wir diesen Karosseriebau umsetzen. Seit Produktionsstartwurden dort bereits rund 25.000 Karossen gefertigt.

Regensburg ist als Wirtschaftsstandort vielfältig aufgestellt, aber das BMW-Werk gilt als Anker. Wie eng ist das Werk mit der Region verbunden?

Ebner: Das Werk Regensburg, aber auch der Standort Wackersdorf sind sehr eng mit der Region Ostbayern verwoben. Das merkt man an der hohen Identifikation der Menschen mit BMW. Sie ist ein großer Vorteil – auch bei der Suche nach Mitarbeitenden. Das spiegelt sich auch am großen Einzugsgebiet. Unser Werkbusnetz geht bis Furth im Wald.

Ihre Karriere ist eng mit der Elektromobilität verbunden. Wo schlägt Ihr Herz – beim Verbrenner – beim Hybrid oder beim Elektromotor – höher?

Ebner: Unser Ziel ist es, für jede Antriebsform eine optimale Lösung anzubieten. Der Kunde sollte entscheiden können, was in seiner individuellen Situation am besten passt. Elektromobilität kann übrigens auch am Land sehr gut funktionieren – etwa wenn man ein eigenes Haus hat, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und zu Hause laden kann. Uns ist wichtig, dem Kunden in jedem Segment die passende Lösung zu bieten – sei es ein Plugin-Hybrid, ein Elektrofahrzeug oder einen klassischen Verbrenner.

Was fahren Sie?

Ebner: Wir haben zwei Autos, einen Hybrid und einen elektrischen BMW.

Es gibt immer wieder Kritik, dass die deutschen Autobauer den Anschluss an die Elektromobilität verpasst haben. Stimmt das?

Ebner: Ich sehe die BMW Group da sehr gut aufgestellt. BMW ist ein Pionier der Elektromobilität, und wir haben tolle Elektrofahrzeuge auf dem Markt. In Regensburg haben wir 2022 mit der Produktion von Elektrofahrzeugen begonnen. Im letzten Jahr haben wir über 100 000 reine Elektrofahrzeuge gefertigt und knapp 50 000 Plugin-Hybride. Das ist ein signifikanter Anteil des Werksvolumens und zeigt, dass wir ein starkes Wachstum in diesem Bereich verzeichnen.

Viele Menschen, vor allem ältere, haben Bedenken gegenüber der Elektromobilität. Meine Eltern sagen immer, sie werden sich noch ein neues Auto kaufen – und das wird ein Verbrenner sein. Was sagen Sie?

Ebner: Ein Elektroauto ist genauso einfach zu bedienen wie ein Verbrenner. Man drückt den Startknopf – und los geht’s. Oft ist es nur eine gefühlte Schwelle, weil es etwas Neues und Ungewohntes ist. Jeder, der einmal ein Elektroauto gefahren ist, weiß, wie „cool“ das Fahrgefühl ist.

Der ehemals exklusive BMW-Händler hier ganz in der Nähe hat nun plötzlich Fahrzeuge des chinesischen Herstellers Xpeng auf dem Hof. Blutet Ihnen da das Herz?

Ebner: Uns war schon lange klar, dass auch chinesische Wettbewerber auf den europäischen Markt kommen werden. Wir stellen uns diesem Wettbewerb. BMW hat mit der Neuen Klasse hervorragende Produkte am Start und wir sind überzeugt, dass wir uns behaupten werden.

Ihre Karriere ist stark mit dem Thema Transformation verbunden. Was ist bei dem Thema Wandel zentral?

Ebner: Die Transformation in unserer Branche umfasst nicht nur den Übergang zur Elektromobilität. Wir hatten in den letzten Jahren viele Herausforderungen: Corona, die Halbleiterkrise, geopolitische Rahmenbedingungen – um nur einige Beispiele zu nennen. Auch in Zukunft wird es Herausforderungen geben. Entscheidend ist, ein resilientes System aufzubauen, das stabil und wettbewerbsfähig bleibt, auch unter wechselnden Rahmenbedingungen. Das versuche ich, hier im Werk umzusetzen. Wir haben ein Zukunftsbild mit drei zentralen Wörtern formuliert: Zukunft gestalten füreinander. Das bedeutet, die Zukunft aktiv in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit der Mannschaft zu gestalten.

Wie bleibt das Werk in Regensburg wettbewerbsfähig?

Ebner: Wettbewerbsfähigkeit ist ein zentraler Punkt. Seit 2019 haben wir unsere Kosten pro gebautes Fahrzeug um mehr als ein Viertel gesenkt. Mit unserer Flexibilität, Wandlungsfähigkeit und überzeugenden Ergebnissen haben wir gute Argumente, um uns innerhalb der BMW-Familie auch für künftige Modelle ins Spiel zu bringen.

Ich durfte im Rolls Royce-Werk in Goodwood einen vollelektrischen Spectre fahren. Mit dem Fahrzeug gleiten Sie ruhig dahin. Das ist wirklich luxuriös und einzigartig.Armin Ebner

Zu Ihrem Verantwortungsbereich gehört auch der Standort in Wackersdorf. Dort werden Teile für Rolls Royce produziert. Schonmal einen gefahren?

Ebner: Ja, ich durfte im Rolls Royce-Werk in Goodwood einen vollelektrischen Spectre fahren. Mit dem Fahrzeug gleiten Sie ruhig dahin. Das ist wirklich luxuriös und einzigartig.

Welches Auto fahren Sie am liebsten?

Ebner: Privat bin ich ein großer Fan von Oldtimern. Aktuell restauriere ich einen BMW 3.0 CS. Ich freue mich schon sehr darauf, dieses Fahrzeug bald fahren zu können.

Sie haben Autos selbst gebaut?

Ebner: Nicht viele, bisher waren es drei Stück. Ein 50 Jahre alter BMW 3.0 CS ist natürlich etwas anderes als die Fahrzeuge, die wir heute produzieren. Aber wenn der Reihensechszylindermotor anspringt, ist das schon ein besonderer Moment.

Ich selbst nutze auf der Strecke zwischen München und Regensburg oft den Autobahnassistenten und fahre entspannt mit verschränkten Armen – das hat schon etwasArmin Ebner

Wird autonomes Fahren in den kommenden Jahren den Durchbruch schaffen?

Ebner: Das autonome Fahren wird sich schrittweise entwickeln. Funktionen wie Park- oder Spurhalteassistenten sind bereits heute weit verbreitet und machen das Fahren komfortabler. Ich selbst nutze auf der Strecke zwischen München und Regensburg oft den Autobahnassistenten und fahre entspannt mit verschränkten Armen – das hat schon etwas.

Dieses Jahr feiert das BMW-Werk in Regensburg 40-jähriges Bestehen. Was ist geplant?

Ebner: Vier Jahrzehnte BMW in Regensburg sind eine Erfolgsgeschichte, auf die wir als Werksteam stolz sind. Das Jubiläum möchten wir mit verschiedenen Formaten feiern. Ich freue mich schon jetzt darauf, im Jahresverlauf spannende Momente mit Ihnen zu teilen.

Das Interview führte Christian Eckl.

Infokasten: Der Werksleiter und die Standorte

Herkunft: Armin Ebner wurde 1973 geboren und stammt aus Regen in Niederbayern. 1997 begann Ebners Karriere bei BMW als Entwicklungsingenieur. Er hatte bereits Führungspositionen in den Werken in Dingolfing, Regensburg, Südafrika und in der Konzernzentrale in München hinter sich, als er 2023 zum neuen Werksleiter in Regensburg und Wackersdorf berufen wurde.

Standort: Heuer feiert das Werk in Regensburg-Harting seinen 40. Geburtstag. Zum Werk gehört auch der Innovationspark in Wackersdorf, ein 55 Hektar großes Gelände, auf dem einst die WAA geplant gewesen wäre. Zusammen mit dem Werk in Regensburg beschäftigt BMW 9000 Mitarbeiter. Täglich werden im Werk etwa 1000 Fahrzeuge produziert. Auch Hochvoltbatterien werden vor Ort für die E-Fahrzeuge produziert.