Krones investiert in Standort Neutraubling und glaubt an deutsche Arbeitskräfte

Von Christian Eckl · 19. Februar 2026 um 16:36

602 Millionen Euro Gewinn ist das Ergebnis der vorläufigen Zahlen: Der Neutraublinger Maschinenbauer ist weiter auf Erfolgskurs. Auf die Frage, ob deutsche Arbeitnehmer mehr arbeiten müssen, hat Krones-Chef Christoph Klenk eine zweigeteilte Antwort. Chinesen arbeiten 50 Wochenstunden und haben elf Tage Urlaub im Jahr. Aber auch deutsche Arbeitnehmer haben etwas in die Waagschale zu werfen.

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„Sie sehen die Kräne, wenn Sie durch Neutraubling fahren“: Krones-Finanzchefin Uta Anders verweist auf die rege Bautätigkeit, wenn man sie fragt, wo investiert wird. Ihr Kollege und Vorstandsvorsitzender Christoph Klenk fügt an: „Natürlich werden wir bei Krones weiter automatisieren müssen, aber das ist auch unsere Chance, wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Krones ist nach wie vor Marktführer für Getränkeanlagen in China. Und auch weltweit setzt sich Krones mit Hauptsitz in Neutraubling durch. Jetzt hat der Konzern die vorläufigen Zahlen für 2025 vorgelegt – und wiederum viele Aktionäre, aber auch Mitarbeiter begeistert.

Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf rund 5,7 Milliarden Euro. Damit bewegte sich das Wachstum zwar nicht im spektakulären Bereich, doch gerade die Kontinuität gilt in der traditionell zyklischen Maschinenbaubranche als Zeichen von Stärke. Dass die Erlöse trotz negativer Währungseffekte dieses Niveau erreichten, zeigt zudem, dass das operative Geschäft solide lief. Wechselkurse beeinflussen die Bilanz, weil internationale Umsätze in Euro umgerechnet werden; fällt eine Fremdwährung, sinkt rechnerisch der Umsatz, ohne dass sich an der tatsächlichen Nachfrage etwas ändert.

Weiterhin stabile Nachfrage auch für 2026

Wie stabil die Nachfrage ist, zeigt der Auftragseingang von rund 5,6 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand belief sich zum Jahresende auf gut 4,2 Milliarden Euro und reicht damit rechnerisch bis weit in das laufende Jahr hinein. Dieser Wert beschreibt die Summe aller bereits unterschriebenen, aber noch nicht abgearbeiteten Projekte und gilt als wichtiger Gradmesser für die künftige Auslastung eines Industriebetriebs. Mit 602 Millionen Euro Ebitda, also Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, hat Krones erneut die Erwartungen voll erfüllt.

Klenk sagte, das sei trotz der schwierigen Rahmenbedingungen geschehen. „Wenn man zurückblickt, dann haben wir im vergangenen Jahr durchaus viele Verwerfungen weltweit gesehen, die uns Kopfschmerzen bereitet haben.“ Der Nahostkonflikt und die Konfrontation zwischen Israel und den USA auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen Seite beispielsweise. „Für uns ist Saudi Arabien ein wichtiges Investitionsland“, sagte Klenk im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Der Blick auf die Region zeige, dass sich viele Länder dort massiv um den Bereich Rüstung kümmern würden. „Wir haben aktuell Projekte in Israel, die wir derzeit abwickeln. Man spürt in der Region durchaus eine große Unsicherheit“, sagte Klenk.

Dennoch waren sowohl Afrika, aber auch der Mittlere Osten eine Wachstumsregion für den Maschinenbauer, was den Rückgang im USA-Geschäft kompensiert habe. „Auch Indien ist ein sehr wichtiger Markt für uns“, so Klenk. Dass Kanzler Friedrich Merz mit dem indischen Ministerpräsidenten Modi kürzlich über den Handel gesprochen habe, sei begrüßenswert. „Ich war selbst kürzlich in Indien. Der Markt dort ist sehr stark auf lokale Wertschöpfung ausgerichtet“, so Klenk. Aber genau das sei auch die Stärke von Krones, eben vor Ort auch stark vertreten zu sein.

Der Krones-CEO machte das auch fest an der Debatte um Mercosur, dem Handelsabkommen der EU mit Südamerika, das auf den letzten Metern vom EU-Parlament noch gestoppt wurde. „Wir haben historische Handelsbeziehungen seit Jahrzehnten, für Krones war Südamerika bereits in den 70er Jahren ein großer Markt, den wir erschlossen haben.“ Die langfristigen Verbindungen mit den Kunden dort gebe es also seit sehr langer Zeit, man werde „dort geschätzt, auch unabhängig von den Auf und Abs beispielsweise bei den Währungen“.

Ich bin nicht der Meinung, dass wir einfach nur mehr arbeiten müssten.Christoph Klenk, CEO von Krones

Dass sich bewährt, dass Krones in 160 Ländern der Welt vertreten ist, das merke man auch am Beispiel des chinesischen Markts sehr stark. Man könne es sich nicht leisten, dorthin zu liefern, denn die Bauteile wären zehn Wochen mit dem Schiff unterwegs.

Klenk ging auch auf die Frage ein, ob deutsche Arbeitnehmer überhaupt noch wettbewerbsfähig seien. „In China arbeitet man 50 Wochenstunden, hat elf Tage Urlaub im Jahr und ist zwei Tage krank. Trotzdem sind deutsche Arbeitnehmer wettbewerbsfähig“, ist seine Meinung. Er kommuniziere das sehr klar bei der Belegschaft, sagt aber auch: „Ich bin nicht der Meinung, dass wir einfach nur mehr arbeiten müssten.“

Klenk betonte, dass die deutsche Belegschaft bei Krones so flexibel sei, dass man sich dem Wettbewerb mit den chinesischen Arbeitnehmern eben auch stellen könnte: „Wir werden weiter automatisieren müssen, damit wir wettbewerbsfähig bleiben“, so Klenk.

Viele Baukräne sieht man derzeit in Neutraubling

Ein gutes Zeichen dafür könne man laut Uta Anders nicht nur in Neutraubling angesichts der vielen Baukräne wahrnehmen. „Hier entsteht unser neues Lager, wobei das ein eher zu kleines Wort für diese Investition ist“, sagte die Finanzvorständin. „Wir automatisieren auch in Nittenau weiter und investieren dort in die Fertigung, etwa mit einem neuen Logistikgebäude.“ Doch die Investitionen würden auch in China, Indien und in den USA getätigt.

Doch wie lässt sich dieser stetige Erfolg von Krones erklären? Klenk sagte dazu, „wir haben schwierige Rahmenbedingungen, aber andererseits auch das Glück, dass sich die Getränkeindustrie als stabiler erweist als viele andere Branchen“.

Anders und Klenk legten übereinstimmend dar, dass man bei Krones auch für das laufende Jahr mit stabilem Wachstum rechnet. „Das erste Quartal ist positiv angelaufen “, sagte Klenk. So habe man „realistisch-optimistische“ Signale gesendet im Ausblick des Unternehmens für 2026.