Über 100 Stellen bei Aumovio in Regensburg in Gefahr: „Die Stimmung kippt“

Wieder eine harte Nachricht für Beschäftigte in der Automobilindustrie: Aumovio will bis Ende 2026 weltweit bis zu 4000 Stellen im Entwicklungsbereich streichen, mehr als 100 sollen in Regensburg wegfallen und über 30 in Ingolstadt. Generell sieht Aumovio für die Standorte in Deutschland die Notwendigkeit, Stellen in einem Umfang bis in den hohen dreistelligen Bereich abzubauen. Die IG Metall kritisiert die Entscheidung scharf.
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Erst Mitte September hat Continental seine Autotechnik-Sparte abgespalten und unter dem neuen Namen Aumovio an die Börse gebracht. Die Sparte galt jahrelang als Sorgenkind und hat häufig rote Zahlen geschrieben. Das sollte sich als eigenständiger Konzern ändern. Die ersten Quartalszahlen des Zulieferers mit Sitz in Frankfurt zeigten ein gemischtes Bild, das Unternehmen sprach von einem „soliden Ergebnis“: Der Umsatz ging zwar im Vergleich zum Vorjahr zurück, gleichzeitig konnte Aumovio aber seine Profitabilität verbessern.
Die Belegschaft wurde am Dienstag informiert
Im Regensburger Osten wehen seit der Abspaltung orange-violette statt gelbe Fahnen – die Rede war von „Aufbruchstimmung“, einer „guten Grundstimmung“ sowie einer „neuen Ära“. Doch nun scheint die Stimmung zu kippen. Am Dienstag wurde die Belegschaft über den geplanten Stellenabbau informiert.
Von den Stellenstreichungen betroffen sind schwerpunktmäßig Standorte in Deutschland, Indien, Singapur, Rumänien, Serbien sowie Mexiko, teilt Aumovio mit. Weltweit arbeiten für Aumovio mehr als 86 000 Beschäftigte, über 4000 in Regensburg. In der Domstadt werden unter anderem Beschleunigungs- und Crashsensoren sowie Hochleistungsrechner entwickelt und produziert.
Bis zu 107 Stellen sollen in Regensburg wegfallen
Von Unternehmensseite heißt es, dass in Regensburg bis zu 100 Stellen wegfallen sollen. Aus internen Kreisen ist jedoch von bis zu 107 die Rede. Der Stellenabbau soll laut dem Unternehmen möglichst sozialverträglich gestaltet werden. Es sei unter anderem geplant, an den betroffenen Standorten in Deutschland bereits Anfang März ein Freiwilligenprogramm zu starten. „In einem herausfordernden Umfeld ergreifen wir nun zusätzliche Maßnahmen, um konsequent unsere Effizienz zu steigern“, wird Vorstandschef Philipp von Hirschheydt in der Mitteilung zitiert.
Aumovio wolle entlang aller Geschäftsfelder, das Technologieportfolio weiter fokussieren, auf Marktentwicklungen ausrichten und Aktivitäten stärker bündeln. Zusammen mit den bereits laufenden Maßnahmen zur Standardisierung, Automatisierung und verbesserten organisatorischen Aufstellung führe dies zu einem verringerten Stellenbedarf in den Entwicklungsbereichen des Unternehmens.
Scharfe Kritik von der IG Metall
Die IG Metall kritisiert das scharf. Gerade in der Forschung und Entwicklung entscheide sich die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Kürzungen an den Köpfen gefährdeten den Standort und sendeten ein falsches Signal an Beschäftigte und die Region, teilt die Gewerkschaft mit.
Dieter Koller, IG-Metall-Chef bei Aumovio Regensburg, sagt: „Die Stimmung kippt. Und das ist verständlich. Die Kolleginnen und Kollegen haben den Neustart mitgetragen, Energie reingesteckt und geliefert. Jetzt braucht es Verlässlichkeit statt Kahlschlag.“ Man stehe geschlossen an der Seite der Belegschaft: „Wir lassen uns diesen Standort nicht kaputtkürzen.“
Auch für Rico Irmischer, erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, ist die Zahl „ein Schock – und ein Rückfall in alte Muster“. Der Neustart als Aumovio habe endlich neuen Spirit, Motivation und Zuversicht gebracht. „Wer jetzt 107 Entwicklungsarbeitsplätze infrage stellt, tritt auf die Innovationsbremse und lässt die alte Continental-Depression wieder durchschlagen.“ Es liege nun beim Vorstand, den positiven Schwung zu halten, volle Transparenz herzustellen und sofort Alternativen auf den Tisch zu legen. „Sparen statt Zukunft – das machen wir nicht mit.“
Gewerkschaft schließt Erhöhung des Drucks nicht aus
Für den Regensburger Betriebsratsvorsitzenden Alexander Auburger ist klar: „Diese Größenordnung ist nicht akzeptabel.“ Man verlange die offene Darlegung aller Annahmen und die ernsthafte Prüfung von Alternativen – von Qualifizierung und internen Versetzungen über natürliche Fluktuation und Arbeitszeitmodelle bis zu nicht personellen Einsparungen.
Die IG Metall und der Betriebsrat werden die Belegschaft zeitnah einbinden, Vorschläge für Abbau-Alternativen konsolidieren und den Vorstand an einen transparenten Prozess binden, heißt es in der Mitteilung weiter. Sollte die Geschäftsführung an Abbauplänen festhalten, schließe die Gewerkschaft eine deutliche Erhöhung des Drucks nicht aus.