Wenige Wochen nach Börsengang: Aumovio stellt erstmals Zahlen vor – So lief es für den Konzern

Mitte September ist die Continental-Abspaltung Aumovio an der Börse gestartet. Seitdem wehen in Regensburg und Ingolstadt orange-violette statt gelbe Fahnen. Nun hat der neue Zulieferer mit Sitz in Frankfurt zum ersten Mal als eigenständiges Unternehmen Quartalszahlen präsentiert. Der Umsatz ging zurück, eine Kennzahl lässt besonders aufhorchen.
Aumovio-Vorstandsvorsitzender Philipp von Hirschheydt sprach am Freitag von einem „soliden Ergebnis“ in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres. Der Umsatz ist der Mitteilung des Konzerns zufolge allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,2 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Auch im abgelaufenen dritten Quartal stand ein Minus: Der Umsatz sei um 6,4 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gesunken, teilte der Konzern mit.
Die Vergleichswerte liegen vor, obwohl das Unternehmen seit noch nicht einmal zwei Monaten besteht. Als frühere Autotechniksparte von Continental wurden bereits zuvor – wie bei börsennotierten Unternehmen üblich – eigene Zahlen ausgewiesen. In den vergangenen Jahren wurde dadurch vor allem eines immer wieder deutlich: Der Zuliefererbereich war das Sorgenkind von Continental. Häufig schrieb die Sparte rote Zahlen.
Aumovio: Ebit um 146,4 Prozent gesteigert
Damit soll nun als selbstständiger Konzern Schluss sein. Bereits im vergangenen Jahr zeigten Sparprogramme Wirkung . Nun konnte Aumovio diesen Weg offenbar fortsetzen. Eine Kennzahl sticht in der nun vorgelegten Neunmonatsbilanz sofort ins Auge: Den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern, das sogenannte bereinigte Ebit, kletterte auf 409 Millionen Euro. Das ist deshalb erstaunlich, weil dieser Wert im Zeitraum von Januar bis September 2024 noch 166 Millionen Euro betragen hatte – eine Steigerung um 146,4 Prozent. Die entsprechende Marge, also das Verhältnis dieses Gewinns zum Umsatz, stieg von 1,1 auf 2,9 Prozent.
Aumovio führt diesen Sprung beim bereinigten Ebit auf seine bessere Kosteneffizienz zurück. In der Mitteilung ist von „Verbesserungen im Produkt-Mix und portfoliobereinigenden Maßnahmen“ die Rede. Gleichzeitig hätten sich die Fixkosten „aufgrund der fortgesetzten Umsetzung von Effizienzprogrammen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Vertrieb, Logistik und Verwaltung“ verbessert.
Diese Faktoren hatten sich aber offenbar bereits im dritten Quartal 2024 ausgewirkt. Vergleicht man das damalige bereinigte Ebit von 215 Millionen Euro mit dem in den Monaten, Juli, August und September diesen Jahres, muss Aumovio einen Rückgang hinnehmen. Nun lag die Kennzahl lediglich bei 150 Millionen Euro – ein Minus von etwa 30 Prozent.
Regensburger Gewerkschafter sprechen von „guter Grundstimmung“
Trotz Umsatz- und Gewinnrückgang im dritten Quartal sieht sich das Unternehmen offenbar gut aufgestellt. „Wir vertrauen in unsere Strategie, in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie in unsere Fähigkeit, die Zukunft der Mobilität zu gestalten“, sagte von Hirschheydt.
Der Betriebsratsvorsitzende des großen Regensburger Werks, Alexander Auburger, hatte anlässlich der Abspaltung im September von einer Art „Aufbruchsstimmung“ gesprochen. Auch jetzt erlebe er in der Belegschaft noch eine durchwegs positive Grundstimmung, sagte er am Freitag im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Die aktuellen Rückgänge im dritten Quartal erklärt er mit der Krise in der Autoindustrie. „Das Thema haben leider alle“, so der Gewerkschafter.
Auch Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, spricht mit Blick auf die Eigenständigkeit von einem „positiven Impuls, der durch den Betrieb geht“. „Mit dem Neustart als Aumovio hat das Unternehmen die Chance, die alte Conti-Depression endlich hinter sich zu lassen, für die der Vorstand durch immer neue Abbau- und Sparprogramme selbst verantwortlich war“, sagte Irmischer am Freitag. Die nun „gute Grundstimmung“ müsse das Management jetzt bestmöglich nutzen.
Neue Finanzchefin von Aumovio ist optimistisch
Seine Prognose hat Aumovio auf Basis der nun vorgelegten Zahlen konkretisiert. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nun einen Umsatz zwischen 18 und 19 Milliarden Euro. Zuvor hatte das Unternehmen einen Wert in der Spanne zwischen 18 und 20 Milliarden Euro prognostiziert. Die bereinigte Ebit-Marge werde wohl „am oberen Ende des zuvor kommunizierten Zielkorridors von 2,5 bis vier Prozent liegen“, heißt es in der Mitteilung.
Mittelfristig will der neue Zulieferer dann einen Umsatz zwischen 20 und 22 Milliarden Euro erreichen. Die bereinigte Ebit-Marge soll sich dem Konzern zufolge dann im Bereich von vier bis sechs Prozent bewegen. Langfristig strebt das Unternehmen sogar einen Umsatz von 24 Milliarden Euro und eine bereinigte Ebit-Marge bis acht Prozent an. „Mit unserer soliden finanziellen Basis und den starken Ergebnissen blicken wir zuversichtlich nach vorne“, erklärte am Freitag die neue Finanzchefin von Aumovio, Jutta Dönges.