Investitionen in Oberpfälzer Aktien: Das wurde in zehn Jahren aus 1000 Euro

Siemens, Cherry, BMW: Wer vor zehn Jahren in Aktien von börsennotierten Unternehmen mit Hauptsitz oder großen Standorten in der Oberpfälzer Region investiert hat, konnte kräftige Gewinne einfahren – oder viel Geld verlieren. Ein Papier brachte sogar ein Plus von 383 Prozent, bei einem anderen blieben von dem Tausender nur 21 Euro.
Vor zehn Jahren befand sich die deutsche Wirtschaft in einer geldpolitischen Umbruchphase: Die Europäische Zentralbank senkte die Zinsen auf ein Rekordtief, um die Konjunktur nach den Krisenjahren wieder anzukurbeln. Viele dürften daraufhin ihr Geld in Unternehmenswerte gesteckt haben. Doch wie haben sich die Aktien börsennotierter Konzerne mit Sitz oder großen Standorten in der Oberpfalz seither entwickelt? Verglichen wurden die Kurse jeweils zum 20. Oktober.
■ Grammer: Der Zulieferer mit Sitz in Ursensollen im Kreis Amberg-Sulzbach hat Sparmaßnahmen eingeleitet, um seine Zahlen zu verbessern. Ob sich das auch auf den Aktienkurs auswirkt, bleibt abzuwarten. Am Montag schloss das Papier im Xetra-Handel bei 6,45 Euro – rund 3,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Blickt man weiter zurück, wird die Negativentwicklung noch deutlicher: Wer am 20. Oktober 2015 zum damaligen Kurs von etwa 21,30 Euro einen Tausender in Grammer investierte, hatte fünf Jahre später – mitten in der Coronakrise – nur noch Anteile im Wert von rund 800 Euro. Heute wären es lediglich etwa 300 Euro – im Zehnjahresvergleich ein Minus von 70 Prozent.
■ Krones: Beim Anlagenbauer aus Neutraubling im Kreis Regensburg ging es in die andere Richtung. Am Montag schloss die Aktie bei 125,60 Euro. Wer sie vor einem Jahr kaufte, darf sich über ein kleines Plus von rund 1,8 Prozent freuen. Spannender war ein Investment vor zehn Jahren: Wer damals für 1000 Euro Krones-Anteile erwarb – der Kurs lag bei 97,78 Euro –, musste zwar in den folgenden fünf Jahren einen deutlichen Rückgang auf etwa 550 Euro hinnehmen. Heute stünde das Depot jedoch wieder bei rund 1280 Euro.
■ Nabaltec: Der Aktienkurs des Schwandorfer Chemieunternehmens stand am Montagabend bei 13,50 Euro – im Jahresvergleich ein Minus von fast 15 Prozent. Auch wer vor zehn Jahren bei einem Kurs von 17,88 Euro 1000 Euro investierte, wurde damit nicht glücklich. Heute wären die Anteile nur noch rund 755 Euro wert. Ein Verkauf im Oktober 2020 hätte dagegen Gewinn gebracht: Damals lag der Kurs bei 20,55 Euro – das 1000-Euro-Depot war knapp 1150 Euro wert.
■ Cherry: Auf dem Papier hat der Oberpfälzer Tastaturhersteller seinen Sitz in München, gesteuert wird das Unternehmen aber in Auerbach im Kreis Amberg-Sulzbach. Ein Zehnjahresvergleich ist nicht möglich: Erst im Sommer 2021 startete die Aktie mit rund 32 Euro an der Börse. Ein Jahr später lag sie bei 29,30 Euro. Wer damals 1000 Euro investierte, hat heute nicht mehr viel übrig – der Kurs lag am Montagabend bei nur 61 Cent. Vom einstigen Tausender blieben also knapp 21 Euro.
■ Siemens: Der Münchner Konzern ist mit Werken in Amberg, Cham und Regensburg eng mit der Region verbunden. 1000 Euro, vor zehn Jahren bei einem Kurs von 75,57 Euro investiert, hätten sich prächtig entwickelt: Fünf Jahre später wäre das Depot schon 1465 Euro wert, heute sogar 3218 Euro – ein Plus von über 220 Prozent. Hinzu kam der Börsengang der Energiesparte Siemens Energy: Für zwei Siemens-Aktien gab es eine Aktie des abgespaltenen Unternehmensteils obendrauf, die am Montag 101,95 Euro wert war. Insgesamt wäre das Investment heute dementsprechend rund 3830 Euro wert.
■ BMW: Die Aktie des Autobauers mit Werken in Regensburg und Wackersdorf kostete am Montag 81,16 Euro. Eine 1000-Euro-Investition vor zehn Jahren – damals lag der Kurs bei etwa 87 Euro – hätte etwas Verlust gebracht. Heute wären die Anteile rund 930 Euro wert.
■ Continental: Bis vor Kurzem gehörte auch ein großes Werk in Regensburg zu dem Konzern aus Hannover. Dann wurde die Zulieferersparte abgespalten und der Standort ist nun Teil des neuen Konzerns Aumovio. Wer vor zehn Jahren 1000 Euro in Continental investierte – damals lag der Kurs bei 135,54 Euro – besitzt heute Anteile im Wert von rund 460 Euro. Durch die Zuteilung einer Aumovio-Aktie je zwei Conti-Papiere kommen rund 100 Euro hinzu. Vom Ursprungs-Investment blieben also etwa 560 Euro.
■ Schaeffler: Seit der Übernahme des Regensburger Antriebsspezialisten Vitesco im vergangenen Jahr ist der fränkische Zulieferer auch in der Oberpfalz aktiv. Am Montagabend kostete ein Anteil 6,01 Euro. Vor zehn Jahren lag der Kurs noch bei 12 Euro. Wer damals 1000 Euro investierte, hält heute also Aktien im Wert von etwa 500 Euro. Immerhin: Im Jahresvergleich steht ein Plus von rund 19 Prozent.
■ Infineon: Die Halbleiterbranche gilt als Zukunftsmarkt – das spiegelt auch die Kursentwicklung des Konzerns mit Werk in Regensburg. 1000 Euro, vor zehn Jahren bei einem Kurs von 11,04 Euro investiert, wären heute rund 3090 Euro wert. Das Papier kostete am Montag 34,10 Euro – ein Plus von 209 Prozent.
■ Osram: Siemens brachte das Unternehmen mit großem Werk in Regensburg 2013 an die Börse. Vor zehn Jahren kostete eine Aktie knapp 50 Euro. Als der österreichische Konzern ams AG 2019 übernahm, bot er 41 Euro je Anteilsschein. Wer damals 1000 Euro investiert hatte und das Angebot annahm, machte rund 180 Euro Verlust. 2021 folgte eine sogenannte Delisting-Offerte über 52,30 Euro – wer hier zustimmte, erzielte etwa 46 Euro Gewinn. Heute lässt sich über die Aktie der Nachfolgefirma ams-Osram investieren, die am Montag bei 12,80 Euro lag – rund 20 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Die Berechnungen basieren auf fiktiven 1000-Euro-Investments. Anteilig berechnete Aktienwerte wurden berücksichtigt, Dividenden und Ordergebühren nicht.
Nicht nur der Aktienkurs entscheidet: So viel bringt die Dividende
• Definition: Aktiengesellschaften schütten oft einen Teil des Gewinns an ihre Anteilseigner aus. Dabei handelt es sich um die sogenannte Dividende. Sie wird meist einmal im Jahr bei der Hauptversammlung beschlossen und in der Regel kurz darauf ausgezahlt.
• Vorteil für Anleger: Dividenden bringen Erträge, selbst wenn der Aktienkurs stagniert. Krones zahlte 2025 beispielsweise 2,60 Euro je Aktie, im Zehnjahresschnitt entsprach das einer Jahresrendite von 1,53 Prozent. Siemens schüttete heuer 5,20 Euro je Anteilsschein aus – im Mittel der vergangenen zehn Jahre ergibt sich eine Jahresrendite von 3,42 Prozent. Grammer zum Beispiel zahlte zuletzt keine Dividende: Im Fünfjahresschnitt liegt die Rendite bei 0 Prozent, über zehn Jahre bei 1,14 Prozent.