Trotz enttäuschenden Böhmit-Absatzes: Schwandorfer Nabaltec AG setzt weiter auf E-Mobilität

Von Lorenz Nix · 22. April 2025 um 19:00

Der Stoff Böhmit der Nabaltec AG aus Schwandorf kommt in E-Auto-Akkus zum Einsatz. In dem Bereich lief es 2024 für das Oberpfälzer Unternehmen allerdings alles andere als rund. Und das, obwohl Nabaltec seine Böhmit-Produktionskapazitäten verdoppelt hatte – eine Fehlinvestition?

Es scheint etwas aufwärtszugehen für deutsche Autobauer im Bereich E-Mobilität: Einer Studie des Beratungsunternehmen EY zufolge haben die Hersteller ihren Marktanteil bei Elektroautos Anfang des Jahres ausbauen können. Unter anderem BMW vermeldete für das erste Quartal ein Absatzplus bei reinen E-Fahrzeugen von mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Vor allem in Europa hätten die Verkäufe angezogen, teilte der bayerische Konzern mit. Dass von einer solchen Entwicklung nicht nur die Autobauer selbst, sondern auch deren Zulieferer profitieren, liegt auf der Hand – darunter auch solche, die beim Thema Elektrofahrzeuge nicht als erstes in den Sinn kommen: so wie die Nabaltec AG aus Schwandorf.

Das Chemieunternehmen produziert unter anderem Böhmit. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Bestandteil von E-Auto-Batterien. Die sogenannten Separatorfolien, die die einzelnen Elektroden im Akkuspeicher räumlich voneinander trennen, sind mit dem Material beschichtet.

Nabaltec hat Böhmit-Produktionskapazitäten verdoppelt

Um von einem möglichen E-Auto-Boom zu produzieren, hat Nabaltec seine Produktionskapazitäten in dem Bereich kürzlich sogar verdoppelt. Nur: Bislang verlief der Absatz von batteriebetriebenen Fahrzeugen hierzulande eher schleppend. Für das Schwandorfer Unternehmen macht sich das auch in den vorläufigen Zahlen des vergangenen Jahres bemerkbar. Der Böhmit-Absatz sei enttäuschend verlaufen und ein Viertel unter dem Vorjahreswert geblieben, teilte Nabaltec mit.

Für das Unternehmen ist das kein Grund, den Ausbau der Produktionskapazitäten in dem Bereich als Fehlinvestition anzusehen. „Es führt kein Weg an der Elektromobilität vorbei“, sagte Vorstandsvorsitzender Johannes Heckmann im vergangenen Jahr bei der Hauptversammlung des Konzerns. Heute sei er weiterhin dieser Überzeugung, erklärt er nun im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Ein Elektromotor sei schließlich viel effizienter als ein Verbrennungsmotor. „Es müssen Hemmnisse abgebaut werden, mehr Vertrauen der Verbraucher kommen“, sagt Heckmann.

Trotz Böhmit-Flaute: Insgesamt Umsatzplus bei Nabaltec

Dass sich E-Autos nicht in der Geschwindigkeit durchsetzen, wie von manchen erwartet, ist dem Nabaltec-Chef zufolge nachvollziehbar. Ein großer „Hemmschuh ist sicherlich die Netzinfrastruktur und die notwendige Energie dahinter.“ Der Ausbau nehme eben Zeit in Anspruch. Bei Nabaltec ist man sich eigenen Angaben zufolge bewusst, dass die neue Anlage für einige Zeit nicht ausgelastet sein wird. Hier in Vorleistung gegangen zu sein, war laut Heckmann aber nicht falsch. „Erfolge werden sich nur dann einstellen, wenn man bereit ist, ein gewisses Risiko zu tragen.“ Um letzteres zu minimieren, kann das Unternehmen die Anlage zudem auch anderweitig nutzen. Auch andere Produkte aus dem Geschäftssegment „Funktionale Füllstoffe“, zu denen auch Böhmit zählt, können dort produziert werden.

Gemeint sind damit vor allem Flammschutzmittel für die Kunststoff- und Kabelindustrie. Hier liefen die Geschäfte für Nabaltec im vergangenen Jahr deutlich besser als bei der Teilsparte Böhmit, sodass das Segment insgesamt mit einem Umsatzplus von vier Prozent abschließen konnte. Im zweiten Nabaltec-Geschäftsfeld stand zum Jahresende hingegen ein Minus: Obwohl der Konzern mehr verkauft hatte, sank im Produktsegment „Spezialoxide“ der Umsatz um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Nabaltec: Umsatzrückgang „nicht dramatisch“

In dem Bereich kommen die feuerfesten Nabaltec-Produkte unter anderem bei der Auskleidung von Hochöfen zum Einsatz. Man sei in dem Segment „stark an die Stahlindustrie gekoppelt“, sagt Heckmann. Und die habe bekanntlich aktuell zu kämpfen. Da seien nicht nur Kapazitäten, sondern teilweise auch Personal abgebaut worden, so der Nabaltec-Chef – auch bei Zulieferern. „Das zieht sich wie eine rote Blutspur durch die gesamte Branche.“ Auch die Nabaltec AG hat die schwierige Lage der Industrie getroffen. Der Umsatzrückgang des Schwandorfer Unternehmens in dem Bereich sei aber „nicht dramatisch“ im Vergleich zu anderen Firmen, so Heckmann.

Nimmt man die gesamte Chemie- und Pharmazieindustrie in den Blick, steht Nabaltec tatsächlich gut da. Markus Steilemann, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), sagte Ende des vergangenen Jahres bei einer Pressekonferenz über die Branche: „Der einzige Lichtblick ist, dass sich die rasante Talfahrt der letzten beiden Jahre nicht weiter fortgesetzt hat.“ Einen Umsatzrückgang verzeichnete die Industrie dennoch: Um etwa zwei Prozent blieb man 2024 hinter dem Vorjahr zurück.

Belasten die US-Zölle das Unternehmen aus der Oberpfalz?

Bei der Nabaltec AG geht man nicht davon aus, dass sich die Lage der chemischen und pharmazeutischen Industrie im laufenden Jahr signifikant verbessern wird. Ein Grund, warum diese Einschätzung zutreffen könnte: hohe US-Zölle. Bei Nabaltec konnte dennoch etwas aufgeatmet werden, als Präsident Donald Trump vor einigen Tagen seine mittlerweile wieder pausierten Pläne verkündet hatte: Die Produkte, die das Schwandorfer Unternehmen in die Vereinigten Staaten exportiert, sind von den 20-Prozent-Zöllen auf Waren aus der EU ausgenommen. Viel ist es eigenen Angaben zufolge ohnehin nicht, was der Konzern aus der Oberpfalz in die USA schickt. Schließlich produziert Nabaltec auch direkt in den Vereinigten Staaten.

Dass die Zölle aber trotzdem das Schwandorfer Unternehmen beeinflussen können, liegt auf der Hand. So würde beispielsweise eine Rezession in den USA auch die Nabaltec AG treffen. „Da harren wir der Dinge, genauso wie andere auch“, sagt Heckmann.

„Erfolge werden sich nur dann einstellen, wenn man bereit ist, ein gewisses Risiko zu tragen“, sagt Johannes Heckmann, Vorstandsvorsitzender der Schwandorfer Nabaltec AG. Foto: Philipp Breu