Magnetschwebebahn aus der Oberpfalz: Bögl hofft auf Rückenwind durch Koalitionsvertrag

Die CSU hat dafür gesorgt, dass das Wort „Magnetschwebebahn“ im Koalitionsvertrag steht. Freuen dürfte das auch das Bauunternehmen Max Bögl aus der Oberpfalz. Gegenüber der Mediengruppe Bayern äußert es sich zur entsprechenden Passage in dem Papier von Union und SPD. Kommt bald die erste Bögl-Bahn in einer deutschen Stadt?
Es gibt Wörter, die kommen in dem zwischen Union und SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag relativ häufig vor. „Digitalisierung“ findet sich auf den 144 Seiten 33 mal. Dazu passend: Auch „Künstliche Intelligenz“ wird 16 mal erwähnt. Es gibt aber auch zahlreiche Begriffe, die ein Nischendasein fristen und nur ein einziges Mal Eingang in das Papier gefunden haben. „Medaillen“ oder „Tierheime“ sind solche Wörter. Auch „Magnetschwebebahn“ hat es – wenn auch nur in Klammern – an genau einer Stelle in den Vertrag geschafft – auf Seite 27, Zeile 881. Genau das freut aber ein Bauunternehmen aus der Oberpfalz besonders.
Konkret heißt es in dem gemeinsamen Dokument von Union und SPD: „Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) wird vereinfacht und entbürokratisiert, für innovative Ansätze (zum Beispiel Magnetschwebebahn) geöffnet (...).“ Vereinfacht gesagt bedeutet das: Zukünftig soll der Bund die Länder nicht nur bei „klassischen“ Verkehrsmitteln wie Bussen oder Straßenbahnen auf Basis des Gesetzes finanziell unterstützen können. Förderungen soll es auch für weitere, neuartige ÖPNV-Lösungen geben.
Bögl: Aspekt aus dem Koalitionsvertrag „sehr positiv“
„Diese Entwicklung ist für die Implementierung von Magnetschwebebahnen und innovativen Verkehrssystemen im Allgemeinen wichtig“, sagt eine Sprecherin des Baukonzerns Max Bögl aus dem oberpfälzischen Sengenthal (Lkr. Neumarkt). Das Unternehmen hat mit dem Transport System Bögl (TSB) eine eigene Magnetschwebebahn entwickelt. Bislang ist diese allerdings nur auf Teststrecken am Firmensitz sowie in China im Einsatz. Die geplante Öffnung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) bewerte man als „sehr positiv für die Verkehrswende“.
In das Papier von Union und SPD hat es das Thema offenbar in erster Linie wegen eines ganz bestimmten Projekts geschafft: Die CSU habe „zusätzliches Geld für die Magnetschwebebahn in Nürnberg in den Ko-alitionsvertrag einverhandelt“, sagte kürzlich der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) im Interview mit der Mediengruppe Bayern. Tatsächlich gilt das Verkehrsprojekt in der fränkischen Großstadt als eines der Lieblingsprojekte von Ministerpräsident Markus Söder. Nach Willen des CSU-Chefs soll in dessen Heimatstadt künftig die Bögl-Bahn zwischen der neuen Universität, der Messe und dem Klinikum die Menschen von A nach B bringen.
Nürnberger Magnetschwebebahn noch nicht aufgegeben
Eine Machbarkeitsstudie, die die Stadt Nürnberg dazu in Auftrag gegeben hatte, kam Ende des vergangenen Jahres zu dem Schluss, dass eine solche Bahn ähnlich teuer wäre, wie eine Straßenbahn auf der Strecke. Allerdings: Die Untersuchung geht davon aus, dass eine Magnetschwebebahn weniger Passagiere hätte – weil der Umstieg von der Straßenbahn zum Transport System Bögl Fahrten für die Fahrgäste komplizierter mache.
Die geplante Ausweitung des GVFG unter anderem auf Magnetschwebebahnen zeigt, dass Söder und seine Mitstreiter das Nürnberger Projekt aber alles andere als aufgegeben haben. Wie es damit nun weitergeht, ist allerdings noch unklar. Aus Bögl-Sicht sei man bereit für den ersten Einsatz des eigenen Verkehrssystems abseits der Teststrecken, sagte im Dezember Andreas Rau, Leiter Produktmanagement beim Transport System Bögl, der Mediengruppe Bayern.
Bauunternehmen Max Bögl hofft nun auf Aufträge
Darauf, ob der erste Einsatz der Bögl-Bahn im Realverkehr in Deutschland oder beispielsweise in China sein wird, wollte sich Rau damals nicht festlegen. Nach Ansicht des Unternehmens könnten die Pläne der neuen Bundesregierung sich nun aber auf das Interesse der öffentlichen Hand an Magnetschwebebahnen auswirken: „Es ist durchaus möglich, dass nun vermehrt Kommunen und Städte auch neue, innovative Verkehrsmittel wie das Transport System Bögl für die nachhaltige Gestaltung des ÖPNV als Alternative zu klassischen Systemen in Erwägung ziehen“, heißt es aus Sengenthal von einer Unternehmenssprecherin.