Magnetschwebebahn in Nürnberg – Historischer Fehler oder einmalige Chance?

Von Nikolas Pelke · 25. März 2025 um 17:00

Wie bei allen Fragen des Fortschritts gibt es auch rund um den geplanten Bau der Magnetbahn von der neuen Uni über die Messe bis zum Südklinikum viele Bedenkenträger. Der frisch gewählte SPD-Kandidat für die kommende Nürnberger Oberbürgermeisterwahl, Dr. Nasser Ahmed, scheint derzeit die Spitze der Zweifler lautstark anführen zu wollen. „Gute Idee, falsche Strecke“, hat Ahmed nach Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie öffentlich erklärt.

Diese ist zu dem Schluss gekommen, dass die Schwebebahn von Max Bögl aus Sengenthal nicht nur weniger Geld für Anschaffung und Unterhalt kostet, sondern auch noch günstiger beispielsweise im Stromverbrauch gegenüber einer herkömmlichen Straßenbahn wäre.

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Zudem ist die Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schwebebahn durch die aufgeständerte Bauweise keine Verkehrsunfälle und Verkehrsbehinderungen durch den unabhängigen Fahrweg eine Etage über dem rollenden Autoverkehr verursachen würde. Außerdem würde die schwebende Hochbahn die neuen Universität in Lichtenreuth via Messegelände bis zur Südklinikum auch noch schneller verbinden.

Wobei das „volle Potenzial“ der Systemvorteile der Magnetbahn auf der geplanten Strecke laut Studie leider „nur eingeschränkt“ zum Tragen kommen würde. Das liegt nicht nur an der relativen kurzen Distanz von knapp vier Kilometern. Auch das bestehende Nahverkehrsnetz führt zu Umsteigeverlusten und damit etwa ein Drittel weniger Fahrgästen als bei der ursprünglich geplanten Verlängerung der bestehenden Tramlinie. Diese Nachteile würden wohl auf einer Idealstrecke unter Laborbedingungen auf der sprichwörtlichen „Grünen Wiese“ wegfallen.

„Die Studie zeigt, was wir schon befürchtet haben: Eine moderne Straßenbahn befördert pro Tag 1100 mehr Menschen als die Magnetbahn“, kritisiert der frischgebackene OB-Kandidat der SPD dennoch und warnt gar von einer „historischen Fehlinvestition“.

Ganz anders sah es bislang Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Er hatte die Idee gehabt, in seiner Heimatstadt die erste Schwebebahn als Symbol für Zuversicht, Wachstum und Fortschritt auf den Weg zu bringen.

„Die Magnetbahn ist eine tolle Geschichte für Nürnberg“, hatte Söder vor fast genau einem Jahr bei der feierlichen Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen Stadt und Freistaat zum Bau der Magnetbahn in der Ehrenhalle im Nürnberger Rathaus gesagt.

Mit 90 Prozent hatte das Land den Löwenanteil für die Kosten der Machbarkeitsstudie übernommen. Die Vorteile der Technologie lagen für Söder schon damals auf der Hand. Im Vergleich mit einer Straßenbahn hätte die Magnetbahn zahlreiche Vorteile. „Ich bin optimistisch“, hatte der bayerische Ministerpräsident seinerzeit im Hinblick auf einen tatsächlichen Bau trotz aller zu erwartenden Zweifler und Bedenkenträger gesagt.

Die Geschichte scheint dem Fortschritt recht zu geben. Auch beim Bau der ersten Eisenbahn mussten die Nürnberger erst überzeugt werden. Selbst bei der fahrerlosen U-Bahn haben nicht alle sofort applaudiert.

Von den Unkenrufen scheint man sich beim Hersteller des modernen Transportsystems nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. „Die Zeit ist jetzt wirklich reif“, waren sich Johann und Stefan Bögl aus der Führungsspitze des Unternehmens schon im vergangenen Frühjahr einig.

Kosten: Rund 70 Millionen

Wie aus informierten Kreisen zu hören ist, fühlen sich die Firmenchefs aus Sengenthal durch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie bestätigt. Schließlich ist die Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass die lautlos, schwebende Magnetbahn aus dem Landkreis Neumarkt mit rund 70 Millionen Euro genauso viel kosten würde wie der Bau einer herkömmlich, quietschenden Straßenbahn.

In einem Interview hat Oberbürgermeister Marcus König (CSU) die geplante Magnetschwebebahn kürzlich ausdrücklich verteidigt. 1835 hätte es laut König auch Leute gegeben, die den Adler für Quatsch gehalten hätten. „Es geht nicht darum, eine spinnerte Idee umzusetzen, die keiner braucht, sondern es geht darum, eine neue Technologie ausprobieren.“