Unternehmen bleiben trotz Trump gelassen – Einflüsse auf Firmen im Kreis Schwandorf derzeit noch überschaubar

Im Raum Schwandorf machen viele Unternehmen ihren Umsatz auch mit dem internationalen Handel. Sie dürften in diesen Wochen besonders aufmerksam nach Nordamerika blicken.
Seit seiner Amtseinführung im Januar sorgt US-Präsident Donald Trump für Verunsicherung in Europa. Als einer seiner ersten Amtshandlungen hat er Zölle gegen Kanada und Mexiko sowie generell auf Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt.
Josef Ebnet, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Schwandorf, untermauert die internationale Ausrichtung im Landkreis Schwandorf mit Zahlen: „Im Jahr 2023 betrug hier die Exportquote des verarbeitenden Gewerbes 35,9 Prozent“, sagt er. Ebnet ist regelmäßig eng im Kontakt mit den Unternehmen aus dem Landkreis. „Auch hier in der Region bestehen große Unsicherheiten, was die Handelsbeziehungen mit den USA angeht“, berichtet er.
So sieht die IHK die Lage
Dennoch will Ebnet kein düsteres Bild von der Wirtschaftslage zeichnen. Die Unternehmen im IHK-Bezirk Oberpfalz/Kelheim würden optimistische Signale senden, das habe die jüngste Konjunkturumfrage der Kammer ergeben. Eine Mehrheit der Exporteure von Vorleistungsgütern geht der Umfrage zufolge sogar von einem Anstieg der Aufträge aus Nord- und Mittelamerika aus.
Vier von zehn Industrieunternehmen wollen im Ausland investieren, die Hälfte davon sogar ihren Finanzeinsatz steigern. Wie Ebnet erklärt, hätten Unternehmen aus dem Kreis Schwandorf mit wichtigem USA-Geschäft zum Teil heute schon Werke in Nordamerika und würden somit nicht exportieren müssen.
„Die USA sind für die bayerische Wirtschaft der wichtigste Handelspartner“, stellt Ebnet fest. Mit einem Ausfuhrvolumen von 28,5 Milliarden Euro im Jahr 2023 ist die USA laut IHK-Informationen das mit Abstand wichtigste Exportland für die bayerische Wirtschaft. „Die Hoffnung ist daher, dass auch die USA langfristig an guten Wirtschaftsbeziehungen interessiert sind“, erklärt Ebnet.
Die Branchenstruktur der Landkreisunternehmen ist laut Informationen der IHK Schwandorf recht vielfältig. Automobilhersteller, Zulieferer aber auch regionale Mittelstandsunternehmen würden den Standort zu einem Zentrum der Automobilwirtschaft machen. Grundstoffe für die chemische Industrie, Technisches Glas, Elektrotechnik und Mechatronik, Land- und Kunststofftechnik seien ebenfalls ein Teil des Industrieportfolios des Landkreises. Ein bekannter Vertreter aus diesem Unternehmenskreis ist Nabaltec aus Schwandorf. Das Unternehmen produziert Füllstoffe und Spezialoxide für die Kunststoff- und Keramikindustrie und ist mit zwei Produktionsstätten in Nordamerika vertreten.
Von dort aus wird der US-Markt direkt bedient. Aber auch nach Mexiko und Kanada gehen die Produkte des Unternehmens. „Insofern sind wir von Zollerhöhungen schon betroffen“, sagt Johannes Heckmann, Vorstandsvorsitzender von Nabaltec. Man müsse aber abwarten, wie sehr sich diese Entwicklung im Verlauf tatsächlich auswirke.
Die Einführung von Zöllen betrachtet er als kontraproduktiv für die amerikanische Wirtschaft. „Damit schneiden sich die USA eigene Warenströme ab“, sagt Heckmann. „Die US-Regierung verteuert auf diese Weise die Produkte für die eigenen Bürger, erhöht die Kosten für Unternehmen und heizt die Inflation an.“ Heckmann hofft auf ein durchdachtes Regierungsprogramm. Er kann sich vorstellen, dass bestimmte Rohstoffe und Produkte, die für den amerikanischen Markt von großer Bedeutung sind, ausgenommen bleiben.
Inwiefern Zollerhöhungen einem Unternehmen Schweißperlen auf die Stirn treiben, hänge davon ab, welche Produkte produziert werden und durch welche Länder die Warenströme verlaufen. Bei Nabaltec bleibe man daher derzeit „relativ entspannt“.
Generell stehen bestimmte Branchen besonders unter Druck, etwa die Automobilindustrie. Viele Hersteller produzieren in Mexiko für den US-Markt. Im Raum Schwandorf ist die Automobilwirtschaft stark vertreten, die Unternehmen werden die Entwicklungen zwangsläufig genau verfolgen. Die BMW Group möchte sich derzeit auf die Nachfrage unserer Zeitung hin aber „nicht an Spekulationen beteiligen“, was die Auswirkungen von möglichen Programmen der US-Regierung betrifft.
Aus der Benteler-Zentrale heißt es, man sei generell überzeugt, dass die Herausforderungen in der Industrie nicht mit nationalem Protektionismus zu lösen seien. „Wir brauchen mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit, nicht weniger“, heißt es in einem Statement gegenüber unserer Zeitung.
Benteler: Fokus auf Inland
Die Stahlproduktion von Benteler erfolge im Elektrostahlwerk in Lingen (Ems). Von dort aus beliefere das Unternehmen hauptsächlich eigene Werke in Deutschland sowie zum Teil auch externe Kunden – mit klarem Fokus auf Deutschland und Mitteleuropa. Nach derzeitigem Kenntnisstand hätten die angekündigten US-Importzölle auf Stahl daher nur einen minimalen Einfluss auf das Geschäft.
Krones, mit Hauptsitz in Neutraubling, produziert Maschinen und Anlagen für Prozess-, Abfüll- und Verpackungsmaschinen. In Nittenau unterhält der Konzern ein Werk, in dem rund 830 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die meisten von ihnen arbeiten in der Produktion. Auch hier bleibt man besonnen, beobachtet „die weitere Entwicklung jedoch sehr aufmerksam“. Es gelte, sich mit größtmöglicher Flexibilität auf etwaige Veränderungen einzustellen.