Überlebenskampf beim Oberpfälzer Konzern Cherry: Zukunft von „bedeutsamen Zweifeln“ behaftet

Von Lorenz Nix · 28. September 2025 um 19:00

Der Oberpfälzer Tastaturhersteller Cherry kämpft ums Überleben. Am Freitag hat das Unternehmen mit Sitz in Auerbach im Kreis Amberg-Sulzbach seinen Halbjahresbericht veröffentlicht. Der Vorstand mit dem Vorsitzenden Oliver Kaltner und dessen Kollegen Udo Streller blickt in seinem Vorwort „mit Zuversicht auf die kommenden Monate“. Allerdings weisen die beiden Manager auch darauf hin, „dass wesentliche Unsicherheit hinsichtlich der Fortführung des Unternehmens besteht“.

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Bereits im Bericht für das vergangene Jahr hatte das Unternehmen zahlreiche Risiken genannt, die das Geschäft erheblich belasten könnten. Viele davon stufte der Hersteller von Computereingabegeräten als „hoch“ ein. So bestehe etwa die Gefahr, „dass Markttrends nicht oder nicht rechtzeitig erkannt beziehungsweise nicht richtig eingeschätzt werden“, heißt es dort. Auch beispielsweise eine nachlassende Marktnachfrage könne zu einem großen Problem werden.

Im nun veröffentlichten Halbjahresbericht bestätigt Cherry seine bisherigen Einschätzungen größtenteils. „Risiken durch Innovationen des Wettbewerbs“ stuft das Unternehmen nun allerdings als „hoch“ ein. Damit reagiert der Konzern auf die zunehmende Innovationsgeschwindigkeit der Branche, in der neue Produkte in immer kürzeren Abständen auf den Markt kommen.

Halbjahresbericht der Cherry SE: Neues Risiko aufgeführt

Besonders brisant ist zudem ein neues Risiko, das Cherry aufführt: die „reduzierte Liquidität“. „Infolge der verschlechterten wirtschaftlichen Lage des Unternehmens fällt es zunehmend schwerer, bestehende Partnerschaften aufrechtzuerhalten oder Verträge mit potenziellen neuen Geschäftspartnern zu schließen“, heißt es im Bericht. Aufgrund einer verminderten Kreditwürdigkeit laufe man Gefahr, „dass Handels- und Kooperationspartner Verträge auslaufen lassen oder sogar kündigen“. Allerdings ist Cherry dem Bericht zufolge „in vielen Bereichen von starken Partnerschaften abhängig“. Das neue Risiko stuft das Unternehmen direkt auf „hoch“ – übrigens die zweithöchste von fünf Stufen.

Insgesamt schätzt der Konzern seine „Risikotragfähigkeit“ trotz allem als „ausreichend“ ein – „trotz der derzeit sehr hohen bestehenden Risiken“, wie es heißt. Besonders gravierend scheint die finanzielle Situation. Wie bereits im Jahresbericht 2024 kommt auch im aktuellen Dokument die UniCredit zur Sprache. Ein von der Bank gewährter Kredit ist die wesentliche Finanzierungsquelle von Cherry. Allerdings: Schon einmal hatte das Unternehmen die Kreditbestimmungen verletzt. Laut dem aktuellen Bericht besteht offenbar die Gefahr, dass das erneut passieren könnte.

Vorstand mit Fokus auf der Sanierung der Cherry SE

Um die Risiken zu minimieren, befindet sich Cherry aktuell in einem Restrukturierungsprozess. Angekündigt hatte der Konzern unter anderem die Einstellung Schalterproduktion am Hauptsitz in Auerbach. Auf der Umsetzung des Sanierungskonzepts und der „etwaigen Entwicklung weiterer Maßnahmen“ liege aktuell der Fokus des Unternehmens, heißt es im Halbjahresbericht.

Demzufolge gehen die Cherry-Chefs „von einem Fortbestand der Gesellschaft aus“. Es bestehe aber eine „wesentliche Unsicherheit“, die „bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen“ könne.

Am Aktienmarkt teilen die Anleger den Optimismus des Vorstands indes nicht: Der Kurs bewegte sich am Freitag um die 70 Cent-Marke. In diesem Bereich – etwa zwischen 50 und 90 Cent – schwankt der Aktienwert seit Mitte Juli. Eine Erholung scheint bei der aktuellen Situation der Cherry SE derzeit nicht in Sicht. Zum Vergleich: Gestartet war das Papier im Frühjahr 2021 – bei 32 Euro je Anteilsschein.