Krise bei Cherry verschärft sich: Außerordentliche Hauptversammlung geplant

Von Lorenz Nix · 15. September 2025 um 17:00

Eine Ad-hoc-Meldung des Tastaturherstellers Cherry aus Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) lässt aufhorchen. Die Führung des Oberpfälzer Unternehmens muss sogar im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung den eigenen Aktionären Rede und Antwort stehen.

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Angespannte Lage beim Oberpfälzer Tastaturhersteller Cherry: In der vergangenen Woche veröffentlichte das Unternehmen aus Auerbach im Kreis Amberg-Sulzbach eine Pflichtmitteilung: Es sei anzunehmen, dass sich das bilanzielle Eigenkapital des Konzerns „auf weniger als die Hälfte des Grundkapitals reduziert hat“. Die finanziellen Schwierigkeiten muss Cherry nun seinen Aktionären erklären. Dazu werde man eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, heißt es weiter.

Dass es bei dem Oberpfälzer Unternehmen aktuell alles andere als rund läuft, ist kein Geheimnis. Der Konzern kündigte bereits im Frühjahr an, seine Schalterproduktion in Auerbach vollständig einzustellen und an einen Partner in China zu verlagern. Die Maßnahme ist Teil eines Sanierungskonzepts, das im April angekündigt wurde und auf Basis dessen sich Cherry mit der Großbank UniCredit auf die Verlängerung eines wichtigen Kredits zu „angepassten“ Bedingungen geeinigt hatte.

Tatsächlich handelt es sich dabei um „die wesentliche Finanzierungsquelle der Cherry SE“, heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens für 2024. Und weiter: „Eine alternative Finanzierung gestaltet sich aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation schwierig.“ Durch die schwache Geschäftsentwicklung bestehe allerdings das Risiko, die Kreditbestimmungen zu verletzen.

Cherry SE aus Auerbach in der Oberpfalz: In diesem Fall droht Zahlungsunfähigkeit

Wie es dann weitergehen könnte, erklärt Cherry ebenfalls in dem über 130 Seiten langem Papier: Die Bank hätte das Recht, „die ausstehende Kreditsumme vorzeitig fällig zu stellen“ – mit schwerwiegenden Folgen: Stünde keine alternative Finanzierungsmöglichkeit bereit, „könnte dies zu einer Zahlungsunfähigkeit führen“, heißt es im Geschäftsbericht.

Der Tastaturhersteller muss nun also darauf setzen, dass die eigenen Sparmaßnahmen Wirkung zeigen. Aus der Meldung der vergangenen Woche geht zumindest hervor, dass das geringere Eigenkapital „keine Auswirkungen auf das Sanierungskonzept der Gesellschaft“ habe. Letzteres werde „weiterhin konsequent umgesetzt“.

Die Anleger haben für die Zukunft der Cherry SE aber offenbar nur wenig Hoffnung. Am Montagmorgen lag der Kurs der Aktie bei 63 Cent. Zuletzt hatte das Papier im Juni die Ein-Euro-Marke erreicht. Gestartet war die Aktie im Frühjahr 2021 bei 32 Euro – ein Absturz um knapp 98 Prozent.