Weniger Frauen, dafür aber jünger: So verändert sich Neunburgs Stadtrat

Mit der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag haben die Neunburger bestimmt, wie ihr Stadtrat künftig aussehen wird. So viel ist klar: Es wird sich einiges ändern. Die MZ gibt einen Überblick.
■ Es gibt künftig mehr Parteien und Gruppierungen: Bisher setzte sich Neunburgs Stadtrat aus drei Parteien und Gruppierungen zusammen: CSU, Freie Wähler und SPD. Nun haben mit der AfD und den Grünen zwei weitere Parteien den Sprung ins Gremium geschafft. Von den sechs angetretenen Listen haben nur die Linken kein Stadtratsmandat errungen.
Dass die AfD in den Stadtrat kommen würde, damit hatte angesichts der letzten Ergebnisse bei der Bundes- und Landtagswahl mancher im Vorfeld bereits gerechnet. Dass von der AfD aber gleich zwei Kandidaten einziehen werden, überraschte den einen oder anderen altgedienten Stadtrat dann doch.
Neben dem Bürgermeister und den Vertretern der Stadtverwaltung saßen bisher im Uhrzeigersinn SPD, Freie Wähler und CSU. Über die künftige Sitzordnung habe er sich noch keine Gedanken gemacht, so Bürgermeister Martin Birner (CSU). Etwas Zeit bleibt ihm dafür noch: Erst im Mai wird sich der neue Stadtrat konstituieren.
■ Weniger Frauen wurden in den neuen Stadtrat gewählt: Zuletzt lag der Frauenanteil bei 25 Prozent: Von den 20 Stadträten waren fünf Frauen, drei stellte die CSU und jeweils eine die FW und die SPD. Die Anzahl hatte sich erst im Vorjahr erhöht, als bei den Freien Wählern Helga Mehltretter für Johann Eckl in den Stadtrat nachgerückt war. Im neuen Gremium sind nur vier Frauen vertreten. Die CSU konnte ihre drei Stadträtinnen halten. Die Fraktionen von FW und SPD sind rein männlich besetzt. Dass es dennoch vier Frauen im Stadtrat gibt, ist den Grünen zu verdanken: Ihre Spitzenkandidatin Jutta Rösch gewann einen Sitz.
■ Das Durchschnittsalter sinkt um mehrere Jahre: Beim bisherigen Stadtrat, der am 16. April zu seiner letzten Sitzung zusammenkommen wird, lag das Durchschnittsalter bei rund 56 Jahren. Jüngstes Mitglied war mit 39 Jahren Thomas Albang von der CSU. Mit dem neuen Stadtrat sinkt das Durchschnittsalter um gut dreieinhalb Jahre. Der Titel des jüngsten Stadtrates geht nun an Elias Schütz (20) von der CSU. Laut Bürgermeister Birner sei er der jüngste Stadtrat aller Zeiten.
Dass Schütz auf Anhieb einen Sitz gewann, habe ihn etwas überrascht, meint der 20-Jährige. Er habe gedacht, dass er noch nicht so bekannt sei, um in den Stadtrat einzuziehen. Die Wähler sahen das wohl anders. Schütz ist nicht nur Ortsvorsitzender der Jungen Union, sondern auch Oberministrant und engagiert sich bei der Feuerwehr Kröblitz. Martin Birner sieht in der Wahl seines jungen Parteikollegen einen „großartigen Erfolg“. Mit der Verjüngung der CSU sei man auf einem guten Weg, ist Birner überzeugt.
Über die Arbeit im Stadtrat habe er schon „einiges mitbekommen“, sagt Elias Schütz. Es sei aber etwas anderes, wenn man selbst dabei ist, findet er. Bezüglich der Ausschüsse habe er keine Wünsche, so der 20-Jährige. „Es wird schon passen“, sagt er mit Blick auf seine künftigen Aufgaben.
Ältester Stadtrat war und bleibt Erich Schmid (SPD), der im Juni 73 wird. Die SPD-Fraktion wird aber künftig deutlich jünger sein: Das Durchschnittsalter der aktuellen drei Mitglieder lag bei 69 Jahren. Es sinkt im neuen Stadtrat auf 53 Jahre.

■ Verhältnis zwischen Stadt und Ortsteilen fast gleich: Die bisherigen Stadträte kamen mehrheitlich (zwölf) aus der Kernstadt, aus den Ortsteilen stammten acht. Das Verhältnis hat sich geringfügig verschoben und liegt künftig bei 13 zu sieben Räten. Neu im Stadtrat vertreten sind die Orte Kröblitz und Lengfeld. Dass alle Gebiete gleichermaßen vertreten sind, ist bei insgesamt 74 Gemeindeteilen und 20 Stadträten gar nicht möglich. Laut Bürgermeister Birner spiele es bei der Arbeit im Stadtrat aber keine Rolle, ob jemand aus der Kernstadt oder aus einem Ortsteil komme.
■ Einer der Dienstältesten ist nicht mehr drin: Mit Walter Drexler (FW) ist einer der dienstältesten Stadträte nicht mehr wiedergewählt worden. Drexler gehörte seit 2002, also 24 Jahre, dem Gremium an. Bereits im Vorjahr war mit Johann Eckl (FW) ein seit 2002 tätiger Stadtrat ausgeschieden. Anders als bei Drexler hatte sich Eckl aber freiwillig zurückgezogen.
Den inoffiziellen Titel der dienstältesten Stadträte haben nun Margit Reichl (CSU) und Martin Scharf (FW) inne, die ebenfalls seit 24 Jahren dabei sind.
Ich lehne das nicht pauschal ab. Aber es ist vorteilhaft, wenn ein Stadtrat die Aufgabe übernehmen würde.Alexander Trinkmann, der nicht wiedergewählte CSU-Stadtrat auf die Frage, ob er weiter städtischer Beauftragter für Umweltschutz und Energie bleiben will
■ Einige städtische Beauftragte sind keine Stadträte mehr: Unter den unfreiwillig ausgeschiedenen Stadträten sind auch mehrere städtische Beauftragte wie Alexander Trinkmann (Umweltschutz und Energie), Walter Drexler (Tourismus) und Christoph von Wenz zu Niederlahnstein (Gesundheitswesen). Dass sie diese Aufgabe weiterhin begleiten, ist nicht ausgeschlossen, denn es ist möglich, Bürger zu städtischen Beauftragten zu berufen. So ist Karl Stumpfi Beauftragter für Musik und Kultur und auch Georg Bottenhofer ist nach seinem Ausscheiden aus dem Stadtrat Beauftragter für den Stadtpark geblieben.
Unter den am vergangenen Sonntag gewählten Stadträten gibt es durchaus Bereitschaft, die Beauftragten zu bestätigen, da sie ihre Aufgabe gut gemacht hätten. Sie müssten selbst bereit sein, weitermachen zu wollen. Alexander Trinkmann lehnt das nach eigenen Worten nicht pauschal ab. Aus seiner Sicht sei es aber vorteilhaft, wenn die Aufgabe ein Stadtrat übernehmen würde.