Vor 50 Jahren entstand der Eixendorfer Stausee – Wanderung thematisierte Geschichte und Gegenwart

Mit einer geführten Wanderung hat das Oberpfälzer Seenland am Sonntag das 50. Jubiläum des Eixendorfer Stausees gefeiert. Rund 20 Teilnehmer begaben sich mit Gruppenführer Walter Drexler auf einen zweistündigen Rundgang. Sie erfuhren dabei nicht nur technische Details, sondern auch bewegende Geschichten aus der Zeit, als ganze Dörfer für den See weichen mussten.
Strahlender Sonnenschein, kaum eine Wolke am Himmel und dazu noch ein klarer Blick auf den glitzernden See: Bessere Bedingungen hätte es für die Jubiläumswanderung rund um den Eixendorfer Stausee kaum geben können. Gut 20 Interessierte hatten sich am Sonntag beim „Steinernen Steffl“ eingefunden. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Oberpfälzer Seenland. Katrin Gallistl vom Seenland begrüßte die Gruppe gemeinsam mit Walter Drexler, der die Führung leitete. Er kennt die Geschichte des Sees wie kaum ein anderer – schließlich ist er 1959 in Eixendorf geboren und hat den Wandel hautnah miterlebt.

Teilnehmer auf Zeitreise
Schon beim Auftakt vor den Infotafeln nahm er die Gruppe mit auf eine Zeitreise. Ende der 1950er-Jahre, so erzählte Drexler, kam erstmals die Idee zur Schwarzachregulierung und damit zu einem Speichersee auf. 1961/62 fiel die Entscheidung: Der Freistaat Bayern wollte Hochwasserschutz für die Schwarzach schaffen, dazu Strom erzeugen, Niedrigwasser ausgleichen und zugleich touristische Chancen eröffnen.
Für zehn Familien aus Eixendorf bedeutete das jedoch das Aus: Neun Bauernhöfe und ein Gemeindehaus, dazu Siedlungen wie Seebarn-Hammer oder die Höllenmühle mussten weichen. „Wer nicht gehen wollte, wurde enteignet“, erinnert sich Drexler.

80 Bewohner mussten gehen
Rund 80 Bewohner mussten ihre Heimat verlassen, ihre Häuser wurden abgerissen und mit Erde überschüttet. Heute markiert nur noch eine rote Boje die Stelle, wo früher die Dorfmitte lag – als stille Zeugin einer untergegangenen Welt.
Der Weg führte die Gruppe zunächst unter die imposante Eixendorfer Seebrücke, die zwischen 1972 und 1974 errichtet wurde. 43 Meter hoch, 360 Meter lang und innen hohl für Wartungsarbeiten, thront sie auf neun Betonpfeilern. Die Baukosten damals: 4,6 Millionen D-Mark, ein „Schnäppchen gemessen am heutigen Vergleich“, so Walter Drexler.

Kampf gegen Blaualgen
Weiter ging es zur Staumauer, 130 Meter lang und 30 Meter hoch, deren maximale Stauhöhe 22 Meter beträgt. Mit Humor und Fachwissen erklärte Drexler, wie der Entnahmeturm funktioniert, mit dem künftig warmes Oberflächenwasser abgeleitet werden soll, um die hartnäckige Blaualgenbelastung zu bekämpfen.
„Seit 30 Jahren haben wir dieses Algenproblem im Sommer“, so erklärte der Gruppenführer, „aber mit dem neuen Bauwerk, das rund zehn Millionen Euro gekostet hat, dürfte es nächstes Jahr deutlich besser werden.“
Auch einige Zahlen und Fakten hatte Walter Drexler parat: Der Eixendorfer Stausee misst 6,2 Kilometer Länge, fasst bis zu 29 Millionen Kubikmeter Wasser und wird vom Wasserwirtschaftsamt Weiden betrieben. Dass er seine Aufgabe erfüllt, zeigte sich 2013, als der Speicher bei einem Jahrhunderthochwasser randvoll lief und so größere Schäden in der Region verhinderte.
Vielseitiges Freizeitparadies
Heute ist der See nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern auch ein ruhiges Freizeitparadies. Angler und vereinzelt Segler sind hier zu Hause, auch Stand-Up-Paddler und Wanderer genießen die Ruhe. „Das ist kein Abenteuersee wie der Steinberger oder Murner See“, betonte Drexler, „reizvoll ist hier die Landschaft selbst.“ Ein Satz, der gut zum Bild passte. Die Teilnehmer, manche mit Walkingstöcken, Angler am Ufer und einige Beachvolleyballer – sie alle genossen die Idylle des Sees.
Nach knapp zwei Stunden kehrte die Gruppe voller Eindrücke zum Ausgangspunkt zurück. Dort dankte Katrin Gallistl dem Gruppenführer Drexler im Namen des Oberpfälzer Seenlands. Die Teilnehmer verabschiedeten sich mit viel Applaus.
50 Jahre nach seiner Entstehung ist der Eixendorfer Stausee längst weit mehr als ein technisches Bauwerk: Er erinnert an vergangene Dörfer, schenkt Natur und Freizeit gleichermaßen Raum – und ist heute ein unverzichtbares Stück Identität für die ganze Region.