Neunburgs einzige Buchhandlung macht dicht – Bis Ende Mai läuft der Ausverkauf

Es ist ein Einschnitt in Neunburgs Einzelhandel: Ende Mai wird die einzige Buchhandlung in der Pfalzgrafenstadt im landkreis Schwandorf für immer ihre Türen schließen. Inhaberin Doris Reitinger will in den nächsten Tagen mit dem Ausverkauf ihres Sortiments beginnen. Das letzte Weihnachtsgeschäft hat an dieser Entscheidung einen großen Anteil.
So wie bei vielen anderen Geschäften war auch in der Buchhandlung am Tor in Neunburg der Umsatz der letzten Wochen des Jahres 2025 enttäuschend. „Eigentlich macht das Weihnachtsgeschäft zwei Drittel des Jahresumsatzes aus“, erklärt Doris Reitinger. Doch davon war man 2025 weit entfernt.
Schon seit Jahren laufe das Buchgeschäft immer schlechter, sagt die 61-Jährige. Zumindest mit dem Weihnachtsgeschäft konnte sie in der Vergangenheit noch etwas Puffer für magere Zeiten erarbeiten. Wenn aber der Umsatz im November und Dezember ebenfalls schlecht ist, fallen auch diese Puffer weg. Deshalb will die Buchhändlerin nun einen Schlussstrich ziehen.
Lieferwagen kommt nur noch zweimal in der Woche
Darüber hinaus gebe es aber auch seit Monaten Schwierigkeiten mit dem Großhändler, berichtet die Schwarzhofenerin, die im November 2011 erst als Angestellte in der Buchhandlung begonnen und diese dann ein Jahr später übernommen hatte. Dessen Lieferwagen sei in guten Zeiten täglich gekommen, meint die 61-Jährige. Heute steuere er noch zweimal die Woche ihren Laden an.
Dadurch kann die Buchhändlerin ihren Kunden nicht mehr zusichern, dass die Bestellungen am nächsten Tag geliefert werden. Sie sieht darin einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Internethändlern. Zudem werde die Bücherlieferung auch teurer, weil die Kostensteigerungen auf die Händler umgelegt werden. Sie selbst könne diese Mehrkosten aufgrund der Buchpreisbindung jedoch nicht an die Kunden weitergeben.
Heuzutage könnten Bücher leichter online gekauft werden, findet Reitinger. In vielen Apps würden den Kunden Bücher empfohlen, sie bräuchten dann keine Beratung mehr, sondern müssten einfach nur noch auf einen Button klicken. „Das Internet frisst alles“, ist die Buchhändlerin überzeugt.
Für Umsatz in der Buchhandlung am Tor hätten in den vergangenen Jahren vor allem noch ihre Stammkunden gesorgt. Beliebt seien bei ihnen Krimis und auch die umfangreiche Regionalliteratur gewesen. Laufkunden habe es schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Neunburger Kitas und Schulen kauften ebenfalls bei ihr ein. Doch das allein reiche nicht, sagt Doris Reitinger.

Die Lage der Buchhandlung direkt gegenüber dem Neunburger Rathaus sei wunderschön, meint die Inhaberin. Aber dies allein nutze wenig, wenn sie sich den Einzelhandel in der Hauptstraße ansehe. „Die Straße ist jetzt schon halbtot. Und es wird nicht besser“, glaubt sie.
Ein entscheidender Knackpunkt sei Corona gewesen, ist sie überzeugt. Auch nach der Schließung von Schlecker und NKD seien Kunden weggeblieben. Ungünstig findet Doris Reitinger auch die Verlegung des Rathauseingangs in den Innenhof. Zwar ist Anfang 2026 die Touristinformation in das Alte Rathaus umgezogen und der frühere Haupteingang wieder reaktiviert worden, doch dieser Schritt kommt für die Buchhändlerin zu spät.
Ich will sie nicht in die Tonne werfen.Buchhändlerin Doris Reitinger hofft, für all ihre Bücher noch einen Abnehmer zu finden
Nachgedacht über die Schließung habe sie immer wieder mal. Der tatsächliche Entschluss sei nun relativ schnell gefallen. Da ihr Mann im Juli regulär in Rente geht, stellte sie sich die Frage, worauf sie noch warten solle.
In den vergangenen Monaten haben in Neunburgs Altstadt einige Geschäfte dicht gemacht. Der Stadtimbiss schloss nach wenigen Monaten und auch der Getränkemarkt Scharl am Rande der Altstadt ist seit vorigem Sommer Geschichte. Auch das Radieserl hat seine Öffnungszeiten reduziert. Eröffnungen gab es dagegen 2025 nur wenige – so lädt der Mittelalterladen seit knapp einem Jahr zum Einkaufen ein und am unteren Ende der Hauptstraße am Jobplatz gibt es seit September den Barbershop Da Vinci.
Leerstands-Problematik verschärft sich weiter
Zwischen den noch bestehenden Läden gibt es zahlreiche leere Geschäftsräume. Mit der Schließung der Buchhandlung am Tor wird wohl ein weiterer Leerstand hinzukommen. Das aber ist nicht mehr Sache von Doris Reitinger: Die Buchhändlerin ist in dem Gebäude Hauptstraße 35 nur eingemietet. Sie habe schon mal jemanden angesprochen, ob er sich die Übernahme des Geschäftes vorstellen könnte. Eine Antwort habe sie nicht bekommen.
Und so wird sie ihre Buchhandlung schließen, ohne dass es einen Nachfolger gibt. Nächste Woche will Doris Reitinger mit dem Ausverkauf des Sortiments beginnen. Sie hofft, dass sie bis Ende Mai alle Bücher loswird. „Ich will sie nicht in die Tonne werfen“, sagt sie.
Während Bestellungen zum Normalpreis verkauft werden, kann sie den Preis der Bücher aus den Regalen auch reduzieren. Neben der regulären Ladenöffnung will sie ihren Kunden auch zum Ostermarkt am 22. März die Möglichkeit geben, Bücher zu erwerben. Bisher habe sie sich nicht an den Jahrmärkten in Neunburg beteiligt, aber dieses Jahr wolle sie „alles mitnehmen, was geht“.