Hotel-Pläne für historische Hofstelle bei Neunburg: So soll sich das Gut verändern

Von Jan Lange · 28. Februar 2026 um 19:00

Ein Blick zurück, zwei Schritte nach vorn: Einer geschichtsträchtigen Hofstelle am Weiherweg in Kröblitz (Neunburg vorm Wald, Landkreis Schwandorf) soll neues Leben eingehaucht werden. Daniel Spießl und seine Schwestern Stephanie Held und Patrizia Frankerl planen hier einen Erlebnishof mit Hotel-, Spa- und Gastronomiebetrieb.

Video ansehen

Die Wurzeln der Familie auf dem Kröblitzer Hof reichen weit zurück: Bereits 1772 wurde der Name der Vorfahren hier erstmals urkundlich erwähnt. Wo einst der Großvater mütterlicherseits den Grundstein legte, haben die drei Geschwister nun Großes vor. Entstehen soll ein Hotel mit 13 Zimmern sowie acht Suiten, einem Restaurant samt Außenbereich und einem Wellnessbereich mit beheiztem Pool und Wellnessgarten.

Die Gastronomie soll vorrangig den Hotelgästen angeboten werden. Bei geringer Auslastung soll sie auch für andere Gäste offen sein, versprechen die drei jungen Investoren.

Die Wurzeln der Familie auf dem Hofgut in Kröblitz reichen bis 1772 zurück: Der Großvater mütterlicherseits mit seiner Familie vor dem Wohnhaus im Jahr 1940. - Foto: Familienarchiv Spießl

Neben den hochwertigen Unterkünften als einem von drei Erlebnisbereichen soll es auch einen Bauernhof mit Streichelzoo und Brotbacken geben. Ein Landleben zum Anfassen also. Tiere habe es auf dem Bauernhof immer gegeben, sagt Spießl. Hühner, Gänse, Enten, Schafe und auch Pferde wurden gehalten. Hühner und Enten flattern noch heute über die grüne Wiese hinter der Scheune.

Fische fangen und vor Ort selbst zubereiten

Auch naturnahe Teichanlagen für authentische Angelerlebnisse werden entstehen. Die Gäste sollen den gesamten Prozess vom eigenen Fang bis zur Zubereitung in der Outdoor-Küche miterleben können.

Ursprünglichkeit und harte Arbeit im Einklang mit der Natur – das war das Lebensgefühl der Vorfahren. Seit gut 25 Jahren steht das Wohnhaus leer, zuletzt lebte hier die Großmutter von Daniel Spießl. Während die Scheune bis heute genutzt wird, verfiel das Haus. „Wir hatten das Privileg, hier aufzuwachsen“, erklären die Geschwister. „Diesen Wert wollen wir nicht nur bewahren, sondern für andere erlebbar machen.“

Schon seit etwa sieben Jahren trägt sich der 41-jährige Eigentümer mit der Idee, das Grundstück zu entwickeln. Eine Ausweisung von Bauland und dessen Veräußerung kam für ihn aber nicht infrage, da das Hofgut in Familienbesitz bleiben sollte. So entstand schließlich der Gedanke, den Hof touristisch zu entwickeln. Erste Überlegungen, Chalets mit einem kleineren Haupthaus zu errichten, wurden noch einmal überdacht und zum jetzigen Konzept überarbeitet. Die Umsetzung hatte sich wegen der Unvorhersehbarkeit der weiteren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung etwas verzögert. Nun habe sich die Situation etwas stabilisiert – und das Projekt könne realisiert werden.

Die Leitung des entstehenden Familienbetriebs soll Stephanie Held übernehmen, die gelernte Hotelfachfrau ist.

Auch wenn das Haus baufällig ist – der Blick der Geschwister geht weit darüber hinaus auf das neue Hofkonzept. Spießl - Foto: Spießl

Als mögliche Zielgruppen für ihr Hofgut Schwarzachtal haben die Geschwister Angler und Genießer, natur- und erlebnisorientierte Familien sowie Erholung suchende Paare mit dem Wunsch nach Wellness und naturnaher Entspannung ausgemacht. Sie wollen einen anderen Kundenstamm ansprechen als die vorhandenen Hotel- und Wellnessbetriebe in Neunburg, kündigt Spießl an.

Der Erlebnishof werde konsequent auf Ursprünglichkeit und Regionalität setzen, erklärt der 41-Jährige. Dabei gehe es nicht um Museumsatmosphäre, sondern um ein lebendiges Konzept für Familien. Das Ziel: Ein Rückzugsort, der Kindern die Herkunft der heimischen Lebensmittel zeigt und Eltern die Ruhe der Natur zurückgibt.

Geschwister führen Tradition der Bewirtschaftung fort

Was den Hof glaubwürdig machen soll: Die Geschwister sind keine reinen Gastgeber, sondern führen die Tradition der Bewirtschaftung fort. Als Betreiber einer eigenen Fischzucht sind sie sich bewusst, was es bedeutet, hochwertige Lebensmittel im Einklang mit der Region herzustellen. Diese Nähe zur Landwirtschaft soll für die Gäste spürbar und erlebbar sein – vom Wissen über die Naturkreisläufe bis hin zur Qualität der angebotenen Produkte.

Wir wollen keine Architektur von der Stange, sondern ein Gebäude, das so wirkt, als gehöre es schon immer genau hierher.Daniel Spießl, der mit seinen Schwestern das Bauprojekt Hofgut Schwarzachtal umsetzen will

Besonders am Herzen liegt den Bauherren die Dorfverträglichkeit. Das mehr als 3300 Quadratmeter große Grundstück liegt im östlichen Teil der Ortschaft Kröblitz und ist an drei Seiten direkt von Wohnbebauung umgeben. Südlich grenzt es an den Weiherweg und anschließend an landwirtschaftliche Flächen. Statt Fremdkörper zu schaffen, soll der Bau regionale Stilelemente aufgreifen. „Wir wollen keine Architektur von der Stange, sondern ein Gebäude, das so wirkt, als gehöre es schon immer genau hierher“, betonen die drei gegenüber der MZ. Nachhaltige Baustoffe und eine Bauweise, die den dörflichen Charakter von Kröblitz respektiert, seien dabei gesetzt.

Herzstück für die Nachbarschaft wird der neue Hofladen. Hier finden die Kunden nicht nur Erzeugnisse aus der eigenen Produktion, sondern vorrangig Produkte der etablierten Betriebe aus der Umgebung. „Wir wollen Mehrwert stiften und eng mit den Unternehmen der Region zusammenarbeiten“, lautet Spießls klares Statement. Ob Handwerk, Gastronomie oder Landwirtschaft – der Erlebnishof versteht sich als Partner. Aus der alten Hofstelle soll so wieder ein Ort der Begegnung werden, der zeigt, dass Fortschritt und Herkunft wunderbar zusammenpassen.

Neunburgs Bürgermeister lobte Mut des Investors

Von dem Bauprojekt zeigten sich auch Neunburgs Stadträte begeistert. Sie votierten einstimmig dafür, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Damit soll Baurecht geschaffen werden, das genau auf die Planung und die zukünftige Bebauung des Vorhabenträgers zugeschnitten ist.

Die Planungen seien schon weit vorangeschritten, erklärte der Regensburger Planer Lutz Hesse den Stadträten. Auch die Umwelt- und Immissionsprüfungen seien bereits durchgeführt worden. FW-Stadtrat Walter Drexler sprach seine Anerkennung für die Planung aus. „Die Stadt kann froh sein, dass ein Investor kommt und Geld in die Hand nimmt“, sagte Drexler. Aus seiner Sicht sei das eine Belebung für Kröblitz. Genauso sah es Bürgermeister Martin Birner (CSU): „Schön, dass junge Leute investieren wollen.“ Drexler wollte noch wissen, ob genügend Parkplätze geplant seien, um keinen Parkverkehr auf den angrenzenden Seitenstraßen zu erzeugen. Die Anzahl der Stellplätze sei nach der entsprechenden Satzung berechnet worden, versicherte der Planer.

Sobald der Bebauungsplan aufgestellt ist, soll mit dem Bau losgelegt werden, erklärt Spießl. Zuerst werden die bestehenden Gebäude – Wohnhaus, Scheune und Nebengebäude – abgebrochen und dann die Neubauten errichtet. Ziel sei es, 2028 mit dem Betrieb zu starten.