Nicht nur bei Martin Birner ein Kreuz gemacht – Für diese Neunburger wurde auch gestimmt

Von Jan Lange · 13. März 2026 um 05:00

Eigentlich sollte es für jeden Bürgermeister eine Auszeichnung sein, wenn er bei einer Wahl allein auf dem Stimmzettel steht. Er scheint seine Arbeit gut gemacht zu haben, wenn es keine offiziellen Gegenkandidaten gibt. Doch mancher ist über diese Situation nicht unbedingt glücklich. Denn am Wahlsonntag könnte es spontan Konkurrenz geben. Die Wähler in Neunburg haben zum Beispiel mehr als 150 Personen auf den Stimmzettel geschrieben, darunter finden sich mehrere bekannte Namen.

Diese handschriftlich hinzugefügten Kandidaten jagten dem CSU-Amtsinhaber Martin Birner immerhin rund 19 Prozent, insgesamt 712 Stimmen, ab. Genannt haben die Neunburger Wähler beispielsweise auch die beiden Landratskandidaten Thomas Ebeling (CSU, eine Stimme) und Marianne Schieder (SPD, zwei Stimmen), die gar nicht aus Neunburg stammen. Das Gleiche gilt für die Brucker Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU), die in Neunburg ebenfalls eine Stimme erhielt. Faltermeier wurde am Sonntag in ihrer Heimatgemeinde wiedergewählt.

Großteil erhielt zwischen einer und fünf Stimmen

Während die große Mehrheit der insgesamt 156 genannten Personen zwischen einer und fünf Stimmen erhielten, standen manche dieser inoffiziellen Kandidaten auch deutlich öfter auf dem Wahlzettel. Auf Martin Scharf, seit vielen Jahren Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, entfielen beispielsweise 71 Stimmen. Kein anderer wurde öfter genannt. Gegenüber der MZ zeigte sich der 63-Jährige überrascht über diese Zustimmung bei der Bürgermeisterwahl. Er sieht darin eine „gewisse Wertschätzung“ für seine Person und Arbeit. Dass ihn so viele Neunburger auf den Stimmzettel geschrieben haben, kann er durchaus verstehen, da er „das Gesicht der Freien Wähler“ sei.

Und ganz unbekannt ist ihm das Gefühl nicht: Scharf hatte bereits dreimal für das Bürgermeisteramt in Neunburg kandidiert. Mit seinem Einzug in den Bayerischen Landtag habe sich dieses Thema aber für ihn „definitiv erledigt“. Scharf hatte deshalb schon lange vor der jetzigen Wahl angekündigt, 2026 nicht erneut antreten zu wollen. Bis zuletzt habe er versucht, einen anderen Kandidaten zu finden. Doch es fand sich niemand. Ein potenzieller Bewerber habe aus beruflichen Gründen abgelehnt, berichtet Scharf.

2032 wollen die Freien Wähler wieder einen eigenen Kandidaten haben

Die eigenen Chancen oder die „Beliebtheit“ des CSU-Amtsinhabers Martin Birner seien bei der Frage, ob die Freien Wähler einen Bürgermeisterkandidaten aufstellen, kein Thema gewesen. Denn, das weiß Scharf aus Erfahrung, ein eigener Bürgermeisterkandidat bringt auch mehr Sitze im Stadtrat. Am Sonntag entfielen 17.448 Stimmen auf die Freien Wähler, was ihnen fünf Sitze im Stadtrat bescherte. 2020 holten sie noch 22.577 Stimmen und sechs Sitze. Damals hatte Scharf bei der gleichzeitig stattfindenden Bürgermeisterwahl gegen Birner kandidiert.

Dass die Freien Wähler in sechs Jahren wieder mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen um das Amt des Rathauschefs gehen, davon ist Scharf fest überzeugt. Und er hat schon einen möglichen Bewerber im Auge: Maximilian Lang. „Er hat das Alter, wo man nachdenken kann, ihn aufzustellen.“

Bei dem 47-Jährigen, der im vorigen Jahr im Stadtrat von der CSU- in die FW-Fraktion gewechselt war, rennt Scharf damit offene Türen ein. Lang könnte sich nach eigener Aussage vorstellen, 2032 als Bürgermeister zu kandidieren. Er hätte es sich auch diesmal schon vorstellen können, meint Lang. Doch wenn er antrete, sei es sein Ziel, gewählt zu werden. Und einen intensiven Wahlkampf hätte er heuer nicht führen können. Nur ein „Stimmenfänger“ wollte er nicht sein.

Ich sehe das als Ehre an, wenn mich jemand gern als 1. Bürgermeisterin gesehen hätte.Margit Reichl, Neunburgs 2. Bürgermeisterin über ihre 53 Stimmen, die sie am 8. März bei der Bürgermeisterwahl erhielt

Auch wenn sich Maximilian Lang diesmal noch gegen eine Kandidatur als Bürgermeister entschied, Stimmen erhielt er am Sonntag dennoch. 38 Mal stand sein Name auf den Wahlzetteln – das viertbeste Ergebnis der zusätzlichen Kandidaten. Das überrascht ihn nicht, denn im Wahlkampf hätten einige Bürger gemeint, dass er sich für das Amt des Rathauschef hätte aufstellen lassen sollen, sagt Lang. Deshalb habe er fast erwartet, dass sich sein Name auf den Wahlzetteln wiederfinde.

Jüngster Stadtrat bekam 22 Stimmen

Angesichts der politischen Veränderungen im Stadtrat – die AfD ist künftig mit zwei Köpfen vertreten und die Grünen gewannen erstmals einen Sitz – sei er nun froh, dass es in der neuen Wahlperiode einen erfahrenen Bürgermeister gibt. Dieser könne besser mit den Neulingen umgehen. Er selbst hätte erst „viel neu lernen müssen“, so Lang. „In sechs Jahren sieht die Situation anders aus“, ist der FW-Stadtrat überzeugt.

Noch mehr Stimmen als Lang erhielt die 2. Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU). Ihr Name wurde 53 Mal aufgeschrieben. „Ich sehe das als Ehre an, wenn mich jemand gern als 1. Bürgermeisterin gesehen hätte“, so die Kommunalpolitikerin aus Seebarn. Mancher habe sich vielleicht auch gesagt, dass eine Frau in dem Amt besser wäre. Allerdings findet sich unter den Kandidaten mit den meisten Stimmen mit Margit Reichl nur eine einzige Frau.

Es ehrt mich zwar, wenn manche glauben, dass ich Bürgermeister sein könnte, aber ich habe keine Ambitionen für dieses Amt.Maximilian Baumgärtner, Stadtrat der Freien Wähler, der bei der Bürgermeisterwahl 22 Stimmen erhielt

Zu den genannten männlichen Vertretern gehört Maximilian Baumgärtner (FW), der 22 Stimmen erhielt. Er sei davon „völlig überrascht“. „Es ehrt mich zwar, wenn manche glauben, dass ich Bürgermeister sein könnte, aber ich habe keine Ambitionen für dieses Amt“, stellt er klar. Das gelte auch für die Wahl 2032.

Auch 22 Stimmen erhielt Elias Schütz, der mit seinen 20 Jahren der jüngste Stadtrat in Neunburgs Geschichte ist. Einige hätten ihm gesagt, dass sie bei der Bürgermeisterwahl für ihn stimmen wollen, so Schütz. Er habe ihnen gesagt, dass sie lieber Martin Birner wählen sollen. Aktuell könne er sich noch nicht vorstellen, in sechs Jahren offiziell als Bürgermeister zu kandidieren, meint der 20-Jährige.

Sie erhielten die meisten Stimmen

• Martin Scharf: 71 Stimmen

• Margit Reichl: 53

• Thomas Albang: 48

• Maximilian Lang: 38

• Gregor Mardanow: 29

• Maximilian Baumgärtner und Elias Schütz: je 22

• Thomas Rötzer: 21

• Erich Schmid: 19

• Matthias Meier: 17

• Florian Meier: 15

• Jürgen Donhauser: 13

• Michael Bindl und Jutta Rösch: je 12

• Thomas Zimmermann und Gerhard Beer: je 11

• Norbert Fischer und Alois Nißl: je 10