Einer geht, eine kommt: Im Neunburgs Stadtrat gab's einen Wechsel bei den Freien Wählern

Von Jan Lange · 24. Mai 2025 um 15:00

Es sind nur noch knapp zehn Monate bis zur nächsten Stadtratswahl am 8. März 2026 – und dennoch gibt es nochmals einen personellen Wechsel im Neunburger Kommunalparlament. Johann Eckl scheidet aus dem Stadtrat aus. Seine Nachfolgerin ist Helga Mehltretter.

Es ist bereits der dritte Wechsel im Neunburger Stadtrat in der aktuellen Wahlperiode und der zweite bei den Freien Wählern. Mit Johann Eckl hat nun ein Rat sein Mandat niedergelegt, der zu den dienstältesten Mitgliedern zählte. Seit 2002 war der heute 74-Jährige im Neunburger Stadtrat vertreten.

Bei den vergangenen Wahlen hatte Eckl immer sehr viele Stimmen erhalten. 2020 waren es beispielsweise 2334 Stimmen. Damit hatte er das zweitbeste Ergebnis der FW-Kandidaten und das fünftbeste Ergebnis aller Stadträte erreicht.

Johann Eckl war lange Innungsobermeister

Die guten Ergebnisse resultieren aus seiner Bekanntheit. Johann Eckl war viele Jahre Inhaber einer Mühle und eines Sägewerkes in Oberaschau. 2016 hatte er diese an die nächste Generation übergeben. Zudem engagierte sich der selbstständige Müllermeister lange als Obermeister der Müllerinnung Cham. Noch heute organisiert er für den Bayerischen Müllerbund Gesprächsrunden mit Experten und Politikern.

Und bis vor drei Jahren war Johann Eckl auch Pfarrgemeinderatssprecher der Seelsorgeeinheit Schwarzhofen-Dieterskirchen. Dem Pfarrgemeinderat gehört er noch immer an. Den Freien Wählern Neunburg hält er seit gut 40 Jahren die Treue.

In den 80er und 90er Jahren sei er beruflich so eingespannt gewesen, dass eine Kandidatur für den Stadtrat nicht möglich gewesen sei. Als sein Sohn 2000 die Meisterprüfung absolviert hatte, dachte sich Johann Eckl, dass er nun etwas mehr Zeit habe und auch für den Stadtrat kandidieren könne. Und so wurde er bei der nächsten Wahl 2002 erstmals in das Kommunalparlament gewählt. Schon zuvor war er als Ortssprecher für Oberaschau aktiv.

Meine Nachfolgerin hat nun die Chance, sich bis zur nächsten Wahl im März noch ein bisschen einzuarbeiten.

Johann Eckl, langjähriger Stadtrat über seinen Rückzug wenige Monate vor der Kommunalwahl 2026

Nach 23 Jahren im Stadtrat teilte er im April mit, das Ehrenamt als Stadtrat niederzulegen. Gründe für sein Ausscheiden musste er nicht mehr nachweisen. Gegenüber der MZ erklärte Eckl, dass er sich aus „persönlichen Gründen“ zu diesem Schritt entschieden habe. Auch sein Alter sei ein Grund für den Rückzug. Es sei eine „spontane Entscheidung“ gewesen.

Dass er sich wenige Monate vor der nächsten Wahl zurückgezogen hat, begründet der 74-Jährige damit, dass seine Nachfolgerin nun die Chance habe, sich noch ein bisschen einzuarbeiten, um im März eine bessere Ausgangsposition bei der Wahl zu haben.

Als Müller weiß man, wie man das Rad am Laufen hält. Genauso war es bei Dir im Stadtrat.

Alexander Trinkmann, CSU-Fraktionsvorsitzender über den ausgeschiedenen Stadtratskollegen der Freien Wähler

Eckls Entschluss wurde von den anderen Stadträten durchweg bedauert. „Du warst ein super Stadtrat“, lobte FW-Fraktionschef Martin Scharf seinen Kollegen. CSU-Fraktionsvorsitzender Alexander Trinkmann meinte: „Als Müller weiß man, wie man das Rad am Laufen hält. Genauso war es bei Dir im Stadtrat.“

Zusammen mit anderen Neunburger Stadträten erhielt Johann Eckl (2. von links) erst im Dezember eine Dankurkunde des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration. - Foto: Max Schmid, Archiv

Auch die SPD bedauere Eckls Ausscheiden, meinte deren Fraktionsvorsitzender Erich Schmid, der vor nicht einmal einem Jahr selbst einen Wechsel in seinen Reihen bewerkstelligen musste. Damals war Tanja Kraus ausgeschieden und Anna Roßkopf in den Stadtrat nachgerückt. Die Sozialdemokraten konnten dabei den Frauenanteil im Neunburger Stadtrat aufrechterhalten.

FW-Fraktion bekommt weibliche Kompetenz

Mit dem aktuellen Wechsel bei den Freien Wählern steigt die Frauenquote sogar: Nun sind fünf von 20 Stadträten Frauen. Gleichzeitig bekommt die FW-Fraktion etwas weibliche Kompetenz – die sechs Räte waren bisher alle männlich. Helga Mehltretter war 2020 erstmals für die Freien Wähler bei der Stadtratswahl angetreten. Sie hatte damals 1117 Stimmen erhalten. Die gelernte Krankenschwester übernahm im Ortsverband der Freien Wähler schon diverse Aufgaben – so war sie Schriftführerin und bis 2024 stellvertretende Vorsitzende. Aktuell ist sie als Beisitzerin im Vorstand vertreten.

Die Bereiche Gesundheit und Umwelt liegen ihr nach eigener Aussage am Herzen. Aus diesem Grund wurde die 56-Jährige nach ihrer Vereidigung auch in den Gesundheitsausschuss gewählt. Als Stellvertreterin wird sie darüber hinaus dem Haupt- und Finanzausschuss, dem Bau- und Umweltausschuss, dem Werkausschuss und dem Rechnungsprüfungsausschuss angehören.

Während seiner langen Stadtratstätigkeit war Johann Eckl in allen Ausschüssen vertreten. Zuletzt hatte er sich als Mitglied im Werkausschuss sowie in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Nord-Ost-Gruppe engagiert und in jüngerer Zeit öfter seinen Fraktionschef Martin Scharf (MdL) im Bauausschuss vertreten. Der Verbandsversammlung wird der 74-Jährige auch künftig weiter angehören. Trotz seines Ausscheidens aus dem Stadtrat ist dies möglich.

74-Jähriger hat sich besonders für Ortsteile eingesetzt

Eckl habe sich besonders für die Ortsteile eingesetzt, lobte Scharf zum Abschied. Den ländlichen Raum zu stärken, sei auch ein Grund gewesen, sich ab 2002 im Stadtrat zu engagieren. Zuvor seien die Ortsteile etwas zu kurz gekommen. In den 23 Jahren als Stadtrat konnte Eckl für die Ortsteile einiges erreichen: So wurden unter anderem die Brücken in Kröblitz, Mitter- und Unteraschau erneuert. Auch in Kleinwinklarn, Penting oder Kemnath bei Fuhrn habe sich einiges getan, blickt Eckl zurück.

Natürlich hatte sich Eckl ebenso für das Neunburger Stadtgebiet eingesetzt. Ein wichtiges Anliegen war ihm der Kreisverkehr am Jobplatz. Nach langem Ringen war der Bau 2023 endlich realisiert worden. Auch um die Belebung der Altstadt habe er mit seinen Stadtratskollegen seit Jahren gerungen, meint Eckl. Den Kampf mit der Denkmalbehörde muss nun seine Nachfolgerin fortsetzen.

Auch aus dem Kreistag, dem er seit 2008 angehörte, wird Johann Eckl ausscheiden. Über seinen Antrag wird in der nächsten Sitzung des Kreistages am 21. Juli entschieden.