Trotz Ablehnung der Kommunen und Bürger - kommt der Windpark bei Mitterauerbach doch?

Von Jan Lange · 9. Mai 2025 um 11:00

Die Front gegen die geplanten Windräder am Atlasberg war groß: Die Anliegergemeinden Neunburg und Schwarzhofen lehnten die Ausweisung einer Vorrangfläche an dem Standort ab und auch von Bürgern wurde Kritik geäußert. Und doch könnten vielleicht bald Anlagen östlich von Mitterauerbach stehen. Das offenbaren Gedankenspiele in den Fachbehörden.

Demnach wollen die zuständigen Ämter am geplanten Windvorranggebiet SAD 16 östlich von Mitterauerbach festhalten, erfuhr die MZ aus einer gut informierten Quelle. Die Fläche soll gegen den erklärten Willen der betroffenen Kommunen durchgesetzt werden. Das wäre ein beispielloser Vorgang: Bisher wurden die Stellungnahmen der Kommunen in der Regel berücksichtigt.

Wir haben eine klare Beschlusslage.

Martin Birner, Bürgermeister von Neunburg

Darauf pocht jetzt Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU). Die Haltung zum Windvorranggebiet SAD 16 sei klar, betont der Rathauschef. Im Neunburger Stadtrat gebe es auch eine klare Beschlusslage. Er werde „nicht umfallen“, meint Birner mit Blick auf mögliche Zugeständnisse der Stadt Neunburg.

An der Sachlage hat sich aus Neunburger Sicht nichts geändert

An der Sachlage habe sich aus seiner Sicht nichts geändert. Die Ortschaften im Auerbachtal wären bei einer Umsetzung der Windvorranggebiete von Anlagen umzingelt. Rund um Mitter- und Oberauerbach sind laut dem ersten Entwurf drei Potenzialflächen für Windkraft vorgesehen. Innerhalb von wenigen Kilometern würden sich drei Vorranggebiete mit insgesamt rund 387 Hektar Fläche konzentrieren.

Neben dem Umzingelungs-Faktor hatte die Stadt Neunburg in ihrer Stellungnahme auch den möglichen Schattenwurf, das Vorkommen des Rotmilans, militärische Belange, das fehlende Löschwasser im Falle eines Brandes im Windpark sowie negative Auswirkungen auf die weitere Ortsentwicklung von Mitter- und Oberauerbach als Argumente gegen die Fläche SAD 16 angeführt. Die Fachbehörden haben aber wohl ihrerseits gute Gründe, an der Windvorrangfläche SAD 16 festzuhalten. Denn hier gebe es kaum Probleme mit dem Naturschutz – anders als bei benachbarten Gebieten. Bei der Vorrangfläche SAD 58 südlich von Denglarn, die wie die SAD 16 die Marktgemeinde Schwarzhofen betrifft, gebe es naturschutzrechtliche Konflikte mit dem Uhu-Vorkommen. Die Fachbehörden wollen nach MZ-Informationen diese Fläche komplett aus dem Entwurf nehmen.

Die Stadt Neunburg hatte bereits mehrfach zu Bürgerversammlungen zum Thema Windkraft eingeladen. Dort gaben es seitens der Einwohner viel Kritik an den Plänen. - Foto: Jan Lange, Archiv

Schwarzhofen hatte genau das Gebiet südlich von Denglarn am Haginger Berg dem Regionalen Planungsverband Oberpfalz-Nord als Potenzialfläche vorgeschlagen. Gleichzeitig wurde die Fläche SAD 16 abgelehnt, um die eigenen Ortsteile nicht einkesseln zu lassen.

Schwarzhofens Bürgermeister Maximilian Beer (CSU) sind die aktuellen Gerüchte um die Windvorranggebiete bekannt. Auch er äußert sich nicht unbedingt erfreut. Schwarzhofen setze lieber auf das Gebiet nördlich des Marktes (SAD 58). Die Fläche SAD 16 würde Schwarzhofen zu sehr belasten, so die Einschätzung. Von den geplanten 299 Hektar liegen etwa 200 Hektar auf Schwarzhofener Flur.

SAD 16 könnte kleiner werden

Auch wenn sich das Gebiet wohl in den Randbereichen noch etwas verkleinern wird, sei es immer noch sehr groß. Beer denkt aber auch pragmatisch: Wenn es nicht anders gehen sollte, würde der Markt die mögliche Streichung des Gebietes SAD 58 akzeptieren – auch um eine Einkesselungen der angrenzenden Orte zu verhindern.

Auch bei der Windvorrangfläche SAD 06 gibt es Probleme - dort mit Stolleneinbrüchen der ehemaligen Grube Max. Aus diesem Grund ist auch gerade die Straße zwischen Wundsheim und Mitterauerbach gesperrt. - Foto: Nils Mayer, Archiv

Anfang übernächster Woche soll es mit den Bürgermeistern von Schwarzhofen, Neunburg und Altendorf noch mal ein Gespräch bei der Regierung der Oberpfalz geben, wo nach einer für alle Seiten zufriedenstellenden Lösungen gesucht werden soll. Einige Tage später soll dann der überarbeitete Entwurf der Windvorranggebiete den Kommunen des Planungsverbandes vorgestellt werden. Danach wird der Planungsausschuss des Planungsverbandes über den Entwurf beschließen. Auch Martin Birner gehört diesem Ausschuss an. „Wir werden uns auf keinen Kuhhandel einlassen“, meint der Neunburger Rathauschef. Er wird gegebenenfalls einen Antrag in die Versammlung einbringen, das Gebiet SAD 16 zu streichen. Und sollte auch dies nicht den gewünschten Erfolg haben, schließt er eine Klage der Stadt nicht aus.

Martin Koppmann, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbandes, hält sich derweil mit Stellungnahmen zu den Gerüchten um die Windvorranggebiete zurück. Er erklärt nur, dass man sich „im engen Austausch mit den betroffenen Gemeinden“ befinde und verweist auf das vorgesehene Gespräch mit den Bürgermeistern. „Daher ist es uns aktuell nicht möglich, genauere Auskünfte zu erteilen.“