Neunburgs lehnt aktuelle Windparkpläne ab – und hat gute Argumente

Grundsätzlich hat die Stadt Neunburg nichts gegen den Ausbau erneuerbarer Energien. Das wurde in der Stadtratssitzung am Donnerstag mehrfach betont. Und dennoch sind Bürgermeister und Stadträte unzufrieden mit den aktuellen Plänen für Windvorranggebiete.
Der Entwurf des Regionalen Planungsverbandes Oberpfalz Nord sieht vor, auf Neunburger Flur drei Flächen für Windkraftanlagen auszuweisen. Dazu gehört auch das Gebiet SAD 16 östlich von Mitterauerbach mit einer Gesamtfläche von 299 Hektar. Westlich von Mitterauerbach liegt ein weiteres Vorranggebiet: SAD 06.
Während die Stadt Neunburg die Potenzialfläche SAD 06 selbst vorgeschlagen hatte, wurde das Gebiet SAD 16 vom Planungsverband zusätzlich aufgenommen. Und das sorgt in Neunburg für reichlich Verstimmung. Das wurde auch am Donnerstag deutlich. CSU-Fraktionssprecher Alexander Trinkmann sprach beispielsweise davon, dass die „Planungshoheit der Stadt massiv beschädigt“ werde. Konrad Hoch von den Freien Wählern meinte, dass er das Gefühl habe, dass für andere Regionen, in denen keine Windräder errichtet werden könnten, alles in der Oberpfalz gebaut werden solle.
Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) hatte sich bereits kurz nach Bekanntwerden der Pläne öffentlich dagegen ausgesprochen. In den folgenden Wochen trug die Verwaltung Argumente zusammen, mit denen die Stadt ihre Ablehnung des Vorranggebietes untermauern will. Sie sollen in den nächsten Tagen als Stellungnahme an den Regionalen Planungsverband weitergeleitet werden.
Negativ für Bauentwicklung
Ein Argument, das gegen die geplante Potenzialfläche SAD 16 spreche, sei die weitere Entwicklung in Mitter- und Oberauerbach. In Mitterauerbach könnte nach derzeitigen Abstimmungen ein kleines Baugebiet für junge Familien entstehen, hieß es vonseiten der Verwaltung. Die Stadt verbindet damit die Hoffnung, dass ehemalige Einwohner durch die Ausweisung von neuen Bauflächen ins Auerbachtal zurückkommen würden. Dies werde durch den Bau von Windrädern beeinträchtigt. Im Bereich des geplanten Vorranggebietes verlaufe auch der Oberpfälzer Jakobsweg über Willhof und Mitterauerbach bis nach Schwandorf. Der Pilgerweg sei eine wichtige europäische Ost-West-Pilgerachse. Als Verlängerung des Weges von Prag führe er von der Tillyschanz nach Nürnberg. Diese Wanderroute wäre durch einen Windpark stark beeinträchtigt, argumentierte die Verwaltung.
Die Ortschaften im Auerbachtal wären bei einer Umsetzung der Windvorranggebiete von Anlagen umzingelt. Rund um Mitter- und Oberauerbach sind nach den aktuellen Plänen drei Potenzialflächen für Windkraft vorgesehen. Innerhalb von wenigen Kilometern würden sich drei Vorranggebiete mit insgesamt rund 387 Hektar Fläche konzentrieren. Dort könnten bis zu 16 Windräder entstehen, so die Befürchtung der Verwaltung. „Die Ortschaften werden damit überlastet und unzumutbar mit Windkraft eingekesselt“, so Bürgermeister Birner. Die Rechtsprechung gehe davon aus, hieß es in der Beschlussvorlage, dass eine Nichtbeachtung des Umzingelungs-Faktors zu einer fehlerhaften Ausweisung des Vorranggebietes führe.
Flugbetrieb wird gestört
Die Stadt bringt als weiteres Argument den Schattenwurf in Mitter- und Oberauerbach ins Spiel. Nachdem mittlerweile eine Darstellung des möglichen Schattenwurfs vorliege, müssten die Bewohner der beiden Ortsteile großflächig mit einem Schattenwurf am Tag rechnen. Darüber hinaus sei in dem Gebiet der Rotmilan beobachtet worden. Die Stadt gehe deshalb davon aus, dass mehrere Rotmilane im Bereich des geplanten Vorranggebietes nicht nur ihr Jagd-, sondern auch ihr Nistgebiet haben.
Auch militärische Belange würden aus Sicht der Stadt gegen das Gebiet SAD 16 sprechen. Wöchentlich würden mehrere Transportmaschinen Warterunden über der geplanten Potenzialfläche und dem Stadtgebiet fliegen, informierte die Verwaltung. Diese Flugzeuge würden aus dem Kosovo kommen und müssten auf dem Flug nach Ramstein in Grafenwöhr zwischenlanden. Da in Grafenwöhr nur eine Maschine abgefertigt werden könne, müssten die anderen Maschinen Warteschleifen drehen. Windräder würden diesen Flugbetrieb stören, so die Einschätzung der Verwaltung.
Letztlich könne auch die öffentliche Wasserversorgungsanlage in Mitter- und Oberauerbach im Falle eines Brandes im Windpark den Löschwasserbedarf nicht abdecken. Aufgrund der dargelegten Bedenken müsse die Ausweisung der Fläche SAD 16 abgelehnt werden. Das gelte auch für das Vorranggebiet SAD 20 westlich von Pissau, wo unter anderem ein Ameisenschutzgebiet gegen die Potenzialfläche spreche. Die von der Stadt vorgeschlagene Fläche SAD 06 östlich von Krandorf solle dagegen in der ursprünglichen Größe ausgewiesen werden. In diesem Fall hatte der Planungsverband eine Reduzierung vorgenommen. Die Stadträte folgten den Argumenten einstimmig.
Der Wille der Stadt Neunburg sei zwar kein Ausschlusskriterium, sollte aber im Rahmen der Abwägung vom Regionalen Planungsverband berücksichtigt werden, betonte Bürgermeister Birner.