Paukenschlag in Neunburg: Heuer wird es keine Neuinszenierung des Festspiels geben

Es klang nach einem unspektakulären Tagesordnungspunkt: Am Donnerstag sollte im Stadtrat über den aktuellen Stand zur geplanten Neuinszenierung des Neunburger Festspiels informiert werden. Doch dann sorgte der Festspielverein für einen Paukenschlag.
Das seit Monaten angekündigte neue Stück wird es nicht geben. Der Festspielverein arbeitet nicht mehr mit dem Autoren Jürgen von Bülow zusammen. Der namhafte Drehbuchschreiber und Regisseur sollte ein neues Stück rund um den Kampf der Neunburger gegen die Hussiten verfassen.
Im Juli sollte es im Burghof aufgeführt werden. Nach 40 Spielzeiten wäre das historische Geschehen erstmals komplett anders erzählt worden. Doch das ist nun selbst Geschichte. Die Festspieler haben die Reißleine gezogen und Jürgen von Bülow am 22. Januar informiert, dass es keine Neuinszenierung geben wird.
Autor hatte im Juli 2025 eine Probe besucht
Wie es zu der Entscheidung kam, erläuterte Vereinsvorsitzender Manuel Winkler in der Stadtratssitzung ausführlich. Im April 2025 hatte der Verein mit Jürgen von Bülow Kontakt aufgenommen und die eigenen Vorstellungen und Rahmenbedingungen besprochen. Der Autor sei dann im Juli nach Neunburg gekommen, habe eine Probe besucht und danach auch mit Bürgermeister Martin Birner (CSU) gesprochen. Dabei seien die Rahmenbedingungen auch mündlich zugesagt worden, erläuterte Winkler.
Die erste Version des Textbuches habe der Verein am 14. November erhalten und diese zwei Tage später im Pfarrheim öffentlich vorgestellt. Es sei in der Folge sehr schwierig gewesen, dass gewünschte Änderungen eingearbeitet werden, erklärte Winkler. Nach einer zweiten Version und entsprechenden Änderungen lag dem Verein schließlich am 20. Dezember die dritte Version des Textbuches vor, die laut dem Festspielvereinschef so hätte akzeptiert werden können. Es seien nur kleine Überarbeitungen von historischen und inszenatorische Punkten notwendig gewesen. Das finale Textbuch habe am 10. Januar vorgelegen.
Die Arbeitsgruppe trifft sich mehrmals die Woche, um bis Ende Februar ein Textbuch zu erstellen. Der grobe Inhalt steht bereits.Manuel Winkler, Vorsitzender des Neunburger Festspielvereins
Parallel liefen die vertraglichen Verhandlungen: Mitte Oktober sei Jürgen von Bülow der erste Entwurf zugeschickt worden. Nachdem der Autor erklärt habe, dass er nicht auf sein Urheberrecht verzichten könne, sei ihm ein überarbeiteter Vertragsentwurf zugegangen. Trotz weiterer Änderungen sei der Vertrag bis zuletzt nicht unterzeichnet worden.
Vielmehr habe es am 14. Januar eine erneute Rückmeldung des Autoren mit mehreren vertraglichen Änderungswünschen gegeben. Daraufhin habe die Vorstandschaft zusammen mit dem Regieteam entschieden, keine Neuinszenierung mit Jürgen von Bülow machen zu wollen. Statt der geplanten ersten Leseprobe am 19. Januar seien die Vereinsmitglieder an diesem Tag über den Verzicht auf eine Neuinszenierung informiert worden.
Arbeitsgruppe arbeitet an eigenem Textbuch
In der Folge sei eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die das Stück vom Vorjahr überarbeiten soll. Wie Manuel Winkler ankündigte, wird es heuer eine neue Eröffnungsszene sowie eine weitere neue Szene im Stück geben. Daneben werden mehrere Szenen etwas abgeändert. Der Umfang der Änderungen sei mit der Regie festgelegt worden. Bis Ende Februar soll ein Textbuch erstellt werden. Der grobe Inhalt stehe bereits. Das diesjährige Stück soll den Grundstock für eine neue Inszenierung im kommenden Jahr sein.
Man habe „sehr weit außen herumgeschrieben“, erklärte Winkler mit Blick auf das finale Textbuch von Jürgen von Bülow. Es sei auch darauf geachtet worden, dass man nichts von ihm kopiere. Winkler vermutete, dass von Bülow im Juli zum Festspiel kommen werde, um zu schauen, ob die Neunburger Festspieler etwas aus seinem Stück übernommen hätten.
CSU-Fraktionschef Alexander Trinkmann, der selber Festspieler ist, erinnerte daran, dass es der Wunsch gewesen sei, den Autoren nur einmal zu bezahlen und nicht immer wieder Tantiemen zahlen zu müssen. Das Vorgehen von Jürgen von Bülow bezeichnete Trinkmann als „Salamitaktik“. Der Autor habe Stück für Stück immer mehr verlangt. „Wir werden es hinbekommen, dass wir es selber schreiben“, meinte der CSU-Politiker überzeugt.
Scharf zweifelt, dass es keinen Auftrag gegeben haben soll
Während die SPD-Fraktion sich voll hinter den Festspielverein stellte, gab es Kritik vonseiten der Freien Wähler. Fraktionschef Martin Scharf erinnerte daran, dass der Stadtrat im Herbst 2024 mehrheitlich beschlossen habe, das Festspiel im Jahr 2026 pausieren zu lassen und dieses Jahr zu nutzen, um eine Neuinszenierung vorzubereiten. Dieser Beschluss wurde im Vorjahr aber wieder gekippt. „Die erste Entscheidung wäre richtig gewesen. Das bewahrheitet sich jetzt“, so Scharf.
Scharfs Fraktionskollege Walter Drexler wollte wissen, welche Kosten auf die Stadt Neunburg zukommen könnten. Bürgermeister Birner erklärte daraufhin, dass die Stadt keinen Auftrag erteilt habe. Ulrike Gruber vom Stadtmarketing ergänzte, dass man das Textbuch nicht abgenommen habe. Diese Einschätzung kritisierte Scharf. Er habe als Rechtsanwalt Zweifel, dass es keine Beauftragung gegeben habe. Es brauche keinen schriftlichen Vertrag für eine Auftragserteilung. Auch mit der Abnahme eines Textbuches hätten mögliche finanzielle Forderungen des Autoren nichts zu tun.