Braucht Neunburg einen Kunstrasenplatz? – Diskussion um CSU-Antrag

In vielen Kommunen gibt es einen Sanierungsstau bei Sportstätten. Um diesen abzubauen, hat der Bund ein Förderprogramm aufgelegt. An der gern als „Sportmilliarde“ bezeichneten finanziellen Unterstützung gibt es großes Interesse. So würde Schwandorf gern das Sepp-Simon-Stadion mit dieser Förderung sanieren. Auch in Neunburg interessiert man sich für die Gelder. Doch das geplante Vorhaben gefällt nicht allen Stadträten.
In der Dezember-Sitzung hatte die CSU-Stadtratsfraktion einen Dringlichkeitsantrag eingebracht. Das Ansinnen dieses Antrags: Der Trainingsplatz des 1. FC Neunburg soll in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden. Mit dem Projekt wolle man sich um die Fördermittel des Bundes bewerben.
CSU-Fraktionschef Alexander Trinkmann betonte, dass es sich nicht um ein Projekt eines einzelnen Vereins handle. Es sei vielmehr ein Vorhaben der Kommune. Der Platz solle künftig allen Vereinen in Neunburg zur Verfügung stehen, stellte Trinkmann klar. Bei Bedarf könnte der Platz auch von Vereinen aus der erweiterten Umgebung genutzt werden – soweit dies die Kapazitäten und die Belegung ermöglichten. „Damit erfüllen wir den Anspruch der öffentlichen Zugänglichkeit und der breiten Wirkung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so Trinkmann.
Stadtrat hatte Vereinsförderung auf 20 Prozent gesenkt
Auch bei positiver Auswahl im Bundesprogramm stehe die Umsetzung unter dem Vorbehalt einer gesicherten Finanzierung, stellte der CSU-Stadtrat klar. „Sollte diese nicht darstellbar sein, wird vom Vorhaben Abstand genommen.“ Die Stadt Neunburg werde sich in Höhe des in der städtischen Richtlinie zur Vereinsförderung festgelegten Prozentsatzes beteiligen.
Neunburgs Stadtrat beschloss im März 2025 einstimmig, die Vereinsförderung für Investitionen – unbewegliches Vermögen – von 25 auf 20 Prozent zu senken. Dies wurde im Rahmen der Haushaltskonsolidierung entschieden.
Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ lasse eine Umsetzung bis spätestens 2031 zu, informierte Trinkmann. „Wir streben einen frühestmöglichen Baubeginn ab 2029 an, um die Fertigstellung bis 2031 sicherzustellen.“
FW-Fraktionschef Martin Scharf sieht die Finanzierung eher skeptisch. Laut Aussage eines Kollegen habe ein solches Projekt gut 800 000 Euro gekostet. Die Kosten würden aber steigen. Deshalb rechnet Scharf für das Vorhaben in Neunburg mit Kosten von etwa einer Million Euro. Da über das Bundesprogramm nur bis zu 45 Prozent der förderfähigen Kosten gedeckt würden – also 450 000 Euro –, würde bei der Stadt ein Anteil von 550 000 Euro verbleiben, rechnete Scharf vor.
Bei den jetzigen Schulden muss man sich fragen, ob man sich so etwas leisten sollte. Es gibt andere Sachen, auf die sich die Stadt konzentrieren sollte. Die Umwandlung des Trainingsplatzes in einen Kunstrasenplatz ist Luxus.Walter Drexler, Stadtrat der Freien Wähler
Da der Stadtrat festgelegt habe, dass die Stadt nur ein Fünftel der Investitionskosten bezuschusse, was von der Gesamtsumme 200 000 Euro ausmachen würde, sei die Finanzierung von rund 350 000 Euro noch offen, so der FW-Fraktionschef. „Da kann ich mir keine gesicherte Finanzierung vorstellen“, meinte Scharf. Dass die Neunburger Vereine die restliche Summe stemmen könnten, dafür sieht er nur „äußerst geringe Chancen“.
Die Chance wahren, um an dem Bundesprogramm teilzunehmen
Ähnlich sah es FW-Fraktionskollege Walter Drexler. Er könne dem Vorhaben nicht zustimmen. Das einzige Vorteil sei aus seiner Sicht, dass „nicht so viel Grüngut“ anfalle. „Sonst sehe ich keine Vorteile“, sagte Drexler. Bei den jetzigen Schulden müsse man sich fragen, ob man „sich so etwas leisten sollte“. Es gebe andere Sachen, auf die sich die Stadt konzentrieren solle, so Drexler. Die Umwandlung des Trainingsplatzes in einen Kunstrasenplatz sei „Luxus“.
Alexander Trinkmann meinte, dass sich die Stadt zumindest die Möglichkeit offen halten sollte, sich an diesem Programm zu beteiligen. Auch Bürgermeister Martin Birner (CSU) betonte in der Diskussion, dass man die Chance wahren sollte, die einen Mehrwert für die Neunburger Vereine bedeuten würde.
Dass sich der Stadtrat recht kurzfristig mit dem Thema beschäftigen musste, begründete Birner damit, dass Details zum Bundesprogramm erst im Dezember veröffentlich wurden. Die Parlamentarische Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf (CSU) habe empfohlen, sich unbedingt zu bewerben.
Unabhängig davon finde ich es sehr bedenklich, dass die Programme so kompliziert aufgelegt werden. Die große Politik entfernt sich anscheinend immer mehr von den Bürgern.Alexander Trinkmann, CSU-Fraktionsvorsitzender im Neunburger Stadtrat
Um die Verwaltung nicht zusätzlich zu belasten, sollte der Verein die Projektskizze für das Vorhaben erarbeiten. Selbst einreichen könne der 1. FC Neunburg den Antrag aber nicht, dies dürften nur Kommunen. Trinkmann kritisierte, „dass die Programme so kompliziert aufgelegt werden“.
Am Ende stimmten 16 Stadträte dem Antrag zu, vier Gegenstimmen gab es vonseiten der FW-Fraktion.
Schon länger gibt es Diskussionen um Kunstrasen. Ab September 2031 darf in der EU kein Kunststoffgranulat mehr verkauft werden. Davon betroffen sind auch Kunstrasenplätze mit Granulat-Füllungen. Schon bestehende Plätze mit Kunststoffgranulat haben aber Bestandsschutz. Sie können bis zum Ende ihrer Lebensdauer weiter genutzt werden. Laut Neunburgs Bauverwaltung ist in dem Bundesprogramm auch die Umwandlung von Sportplätzen in Kunstrasenflächen ausdrücklich eingeschlossen.
Vonseiten des Fördermittelgebers gibt es bislang noch keine Mitteilung, ob das Neunburger Vorhaben in die engere Auswahl gekommen ist.