In Neunburg steht die letzte Premiere der alten Festspiel-Version bevor

Von Ralf Gohlke · 9. Juli 2025 um 19:00

Zur 40. Saison gibt es beim Neunburger Festspiel „Vom Hussenkrieg“ einige Besonderheiten. Die aktuelle Version des Stücks wird zum letzten Mal aufgeführt, erfährt dazu aber nochmal einige Anpassungen. Im kommenden Jahr soll dann ein völlig neues Stück im Schlosshof in Neunburg (Landkreis Schwandorf) präsentiert werden. Das ist bereits bekannt.

Am Samstag steigt die Premiere zur 40. Saison der Neunburger Burgfestspiele. Sie ist in vielerlei Hinsicht bedeutungsvoll. Zum einen folgen sie ihrer Intention als Antikriegsstück, in der am Beispiel des Kampfes der Oberpfälzer gegen die Hussiten deutlich wird, dass die Kriege immer nur Tod, Leid und Elend bei beiden Parteien nach sich ziehen. Das manifestiert sich unter anderem in der Textzeile „Das Zweitschlimmste nach einer verlorenen Schlacht ist eine gewonnene Schlacht!“, nachdem die Kämpfer um den Pfalzgrafen Johann 1433 die plündernden Hussiten bei Hiltersried vernichtend geschlagen hatten.

Die zweite Besonderheit ist, dass es in der 41. Saison im kommenden Jahr ein völlig neues Stück geben wird. „Was geschichtlich relevant ist, bleibt selbstverständlich erhalten, ansonsten werden wir etwas ganz anderes präsentieren“, versprach Regisseurin Karin Michl, auch im Namen ihrer Co-Regisseurin Verena Hergl. Beide haben ihre Vertragsverlängerung mit der Stadt bis 2027 schon unterzeichnet.

Verraten wurde bereits soviel, dass ein Dramaturg für das neue Stück mittlerweile gefunden sei, der nach der diesjährigen Saison vorgestellt werden soll. Klar sei zudem: „Die Geschichte rund um Tristram Zenger wird es in der Form nicht mehr geben“, sagte Michl. Schon aus diesem Grund sei es sicher eine gute Idee, der „alten Version“ heuer noch einmal einen Besuch abzustatten.

Der Schmerz der Mutter, als sie erfährt, dass ihr Sohn gefallen ist - Foto: Ralf Gohlke

In der diesjährigen Saison kommt die ohnehin durch die Dramaturgin Christina Fink neu geschriebene Version von 2023 zur Aufführung. Sowohl beim Inhalt wie auch in der Rollenbesetzung gibt es aber erneut zahlreiche Veränderungen. Mit zu den herausragendsten zählt die Musik, die von Moritz Wutz neu geschrieben und selbst produziert wurde. Insbesondere bei der alles entscheidenden Schlacht, kommt diese eindrucksvoll zur Wirkung.

Das Kampfgeschehen wurde ebenfalls neu choreografiert, natürlich unter Berücksichtigung der Sicherheit für die Darsteller und die beteiligten Pferde. Dazu trug unter anderem die vereinseigene Fechtgruppe bei. Der Kampf „Mann gegen Mann – oder Frau“ wird deutlicher und dynamischer. In der Vergangenheit kam es schon einmal vor, dass ein Kämpfer etwas verloren dastand und auf seinen Gegner erst warten musste.

Zuschauer erwartet Zeitreise

Solche Szenen gibt es heuer nicht mehr. Dadurch wird die Aktion zudem länger. Noch deutlicher als im Vorjahr wird die Arbeit von Karin Michl sichtbar, was die Ausdrucksstärke nicht nur bei den Hauptdarstellern sondern auch den Nebenrollen betrifft. Diese zu fördern gehört zu ihren großen Schwerpunkten. Die Zuschauer erwartet eine Zeitreise, mit Sprüngen zwischen 1456 und 1433, wobei ersteres für die Akteure die Gegenwart bedeutet. Hier lebt der ehemalige Ritter Tristram Zenger mit seinem Sohn Milo.

Wie wild schlagen der Ritter Hindschi Pflug (r.) und der hussitische Anführer Pardus aufeinander ein. - Foto: Ralf Gohlke

Der Sohn leidet darunter, nicht anerkannt und als „Böhm“ beschimpft zu werden, worauf er sich keinen Reim machen kann. Nach und nach erklärt ihm sein Vater die Hintergründe, die das Publikum im realen Spiel in der Zeit von 1433 miterlebt und in dem auch der Vater von Tristram, als Oberpfälzer Ritter und er selbst als Mitkämpfer auf Seiten der Hussiten auftreten.

Das Stück fesselt seine Zuschauer durch kleine und größere Szenen, die in sich einen Wert haben aber ebenso tragend für das Ganze sind. Da ist zum Beispiel, gleich zu Beginn, ein Streit zwischen Milo Zenger und der Familie Wagner, die eine Liaison mit ihrer Tochter misbilligen oder Ratsherren, die uneins sind, was den Hussiten entgegen zu setzen ist oder die Pfalzgräfin, die ihren Gatten zusätzlich unter Druck setzt.

Hinzu kommen die Aufstellung einer Kämpfertruppe oder Streit im Hussitenlager – und als Höhepunkt die Begegnung von Hans Zenger und seinem totgeglaubten Sohn auf dem Schlachtfeld. Das alles spielt sich auf der Bühne im Schlosshof, ohne Pause ab und sorgt für unterschiedliche Gefühle.

So finden die Aufführungen statt:

• Termine: Nach der Premiere folgen Aufführungen am Freitag, 18. Juli, Samstag 19. Juli, Freitag, 25. Juli sowie am Samstag, 26. Juli.

• Uhrzeiten: Einlass ist immer ab 19 Uhr, Beginn jeweils um 20.30 Uhr. Karten sind bei ok-Ticket sowie an der Abendkasse (geöffnet ab 19 Uhr) erhältlich.

• Preise: Festspiel-Karten für Erwachsene kosten 20 Euro und für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren zwölf Euro.