In Neunburg konnte Festspielluft geschnuppert werden: Verein gewährte Einblicke hinter die Kulissen

Degen wurden geschwungen, Rüstungen anprobiert und das Kostüm der Pfalzgräfin Beatrix bewundert. Am 12. Juli geht wieder der Vorhang vor der eindrucksvollen Kulisse des ehemaligen Pfalzgrafenschlosses auf. Dann beginnen die Burgfestspiele „Vom Hussenkrieg“ in Neunburg vorm Wald. Die Vorbereitungen dazu laufen längst auf Hochtouren.
Am Sonntag lud der Festspielverein als Produzent der Spiele zu einem Schnuppertag ein. In ungezwungener Atmosphäre durfte man einmal hinter die Kulissen der Spiele blicken, aber auch bei einem Workshop eigene schauspielerische Talente ausprobieren. Schließlich wirken insgesamt 120 Darsteller in jedem Alter, von null bis 99 Jahren, mit. Somit nehmen auch oft ganze Familien an den Proben teil und haben viel Freude dabei. Neue Talente werden gerne aufgenommen.
Der Hussenkrieg, der im Jahr 1433 ein bedeutsames Ereignis der Stadt war, soll so detailgetreu wie möglich dargestellt werden, lautet die Intention des Vereins. Das wird am Sonntag auch bei der Führung durch die Burg durch Manuel Winkler, dem ersten Vorsitzenden des Festspielvereins, deutlich: In der Rüstkammer in der Burg lagern etwa neben Sensen, Sicheln oder Rüstungen „Oberpfälzer Stangenwaffen“, die nach historisch belegten Originalen nachgebaut wurden. Als Requisiten kommen sie beim Hussenkrieg auf der Bühne zum Einsatz.
Historie wird hier lebendig
Die Besichtigung der vielen Räume macht auch deutlich, mit welchem Aufwand der Festspielverein jedes Jahr die Historie aufleben lässt. Viele Ehrenamtliche sind unermüdlich vor und hinter den Kulissen tätig. „Requisiteur Norbert Jonas wohnt während der Saison praktisch hier“, scherzt Winkler. Er führt die Besucher weiter ins Zeughaus, wo die Tanzgruppe Lumpenstiefel ihre Kostüme aufbewahrt, dann in die Waffenschmiede, also in die Werkstatt. Zahlreiche Bilder an den Wänden des langen Gangs zeugen von den vielen Aufführungen des Vereins und seiner Weiterentwicklung. Da sich die Bühne direkt vor der Burg befindet, gibt es eigentlich keinen Raum dahinter, und die Schauspieler müssten jedes Mal um die halbe Burg laufen, wenn sie die Szene verlassen, erklärt Winkler.
Der Rundgang am Sonntag führt an der Maske und an der Kemenate der Pfalzgräfin vorbei in den lauschigen Garten, in dem vor dem Spiel auch die Pferde auf ihren Einsatz warten. Hier trifft sich die Schauspieltruppe gerne nach der Aufführung. Im ersten Stock befindet sich mit gutem Blick auf die Bühne die Technik.
Lust zum Mitspielen geweckt
Die Interessierten sind beeindruckt. Einige sind sich bereits sicher, an den Festspielen teilnehmen zu wollen. Manuela Schmid aus Haslarn bei Seebarn ist mit ihren Töchtern Emilia (11) und Christina (8) gekommen. Sie habe schon in der Grundschule in der Theater-AG mitgewirkt, berichtet eifrig Emilia, die nun gerne ein Bürgerkind oder vielleicht sogar ein Burgfräulein spielen möchte.
Auch Marlene Rathey (18) aus Schwandorf würde das Spaß machen, wie sie sagt. Schon immer sei ihre Familie am Mittelalter interessiert gewesen. Da Bogenschießen ihr Hobby ist, könne sie sich vielleicht hier einbringen – aber eine kleine Rolle würde ihr für den Anfang genügen.
Die erfahrenen Schauspieler geben ihr und den anderen neuen Talenten sicher Tipps, so wie Julia Grund (33), die heuer zum dritten Mal die Pfalzgräfin Beatrix spielt. „Die Gemeinschaft bei den Proben und Aufführungen ist besonders schön“, versichert Grund. „Man lernt auch viel dabei, etwa selbstbewusster zu sein. Außerdem muss man sich in verschiedene Situationen hineindenken und sie reflektieren.“ Geübt wird so etwas gleich bei einem kleinen Workshop unter Leitung von Regisseurin Karin Michl und Co-Regisseurin Verena Hergl. Den Satz „Die Hussiten stehen vor Schwarzhofen“ sollen die Interessierten in verschiedenen Tonlagen aufsagen, mal böse, mal ängstlich, oder auch andächtig und betrunken.
Mit ganzem Körpereinsatz
„Wir spielen emotional“, betont Theaterpädagogin Michl. „Emotionen kommen immer vor dem Text. Man muss den Text leben.“ Gerade im Freilichtspiel, auf einer großen Tribüne und nach Sonnenuntergang, solle man mit ganzem Körpereinsatz spielen, damit auch der Zuschauer in der letzten Reihe alles gut sehen könne und der Funke auf ihn überspringe. Insgesamt 416 Besucher haben hier Platz.
Im Stück werden die Schrecken des Krieges thematisiert. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz – von den Darstellern wird einiges abverlangt.
Auch heuer bringe man frische Ideen ein, verrät Michl. So erarbeite man zurzeit eine neue Musik und auch einige Neubesetzungen stünden an – eine gute Gelegenheit also für neue Mitwirkende, ihr Können zu zeigen. Wer als Statist oder in einer Sprechrolle mitwirken möchte, kann sich beim Verein melden. Die Kontaktdaten sind auf www.hussiten.de ersichtlich.



