Burgfestspiele in Neunburg: Darsteller zeigen noch mehr Emotionen

Es gibt bei den Neunburger Burgfestspielen nur eine Konstante – am Ende gewinnen die Oberpfälzer im Kampf gegen die Hussiten. Darum herum wird die Geschichte aus der Feder von Peter Klewitz aber völlig neu erzählt. Die Zuschauer dürfen wieder gespannt sein. Premiere ist am 6. Juli.
Bereits 2023 konnte die Neuinszenierung unter der Regie von Karin Michl überzeugen. Der Regisseurin gelang es nun, das Laienensemble noch mehr auf ihrem Weg mitzunehmen. Das Stichwort für die Saison 2024 lautet „Emotionen“.
Der Samstag, 6. Juli, der Tag der Premiere, steht heuer unter einem besonderen Stern. Am 6.Juli 1415, also vor genau 609 Jahren, wurde der Reformator Jan Hus in Konstanz als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt, obwohl ihm seitens der Teilnehmer des Konzils freies Geleit zugesichert worden war. Seine Thesen aber lebten weiter und führten letztendlich zur Schlacht bei Hiltersried anno 1433, um die es im Stück geht.
Fast keine Perücken mehr und weniger Schminke
Auch wenn bei der zweiten Durchlaufprobe am Dienstag schon alles wieder routiniert wirkte, war die Anspannung doch deutlich spürbar. Eine große Leistung haben die Mitglieder des Festspielvereins bereits mit der Neugestaltung der Kulisse erbracht. „Wir hatten ja im Juni sonst nichts zu tun“, meinte der Vorsitzende Manuel Winkler angesichts der intensiven Probenarbeit eher scherzhaft. Tatsächlich wurde die „Burg“ komplett in Eigenregie an einem Gerüst aufgebaut und farblich gestaltet. Die im Vorjahr verwendete bedruckte Plane hatte sich nicht bewährt.
In den Schminkräumen fällt auf, dass die Ständer mit den Perücken fehlen. Auf die werde heuer fasst komplett verzichtet, hieß es auf Nachfrage. Zudem hängen dort immer noch die Fotos der Charaktere aus vergangenen Festspieltagen, die als Vorlage für die Maskenbildner dienten. Auch da wird der Wandel deutlich. Die aktuellen Masken kommen weit weniger dramatisch und viel weniger aufwendig daher. Dafür sind die Kostüme etwas bunter geworden, was dem Stück – bei aller Tragik – auch eine gewisse Leichtigkeit verleiht.
Mehr Aufwand wird dagegen unter den Rittersleuten betrieben. Mitspieler aus den Anfangszeiten, vor mehr als 34Jahren, erinnern sich noch an Leihgaben aus dem Fundus verschiedener Theater oder an selbst gefertigte Kettenhauben, aus Schnur gehäkelt und mit Silberbronze „metallisiert“. Diese neigte dann schon mal dazu abzufärben. Die neu gegründete Fechtgruppe bemüht sich um noch mehr Authentizität und um die Beschaffung originalgetreuer Rüstungen.
So kommt jetzt zum Beispiel der Ritter Hindschi Pflug (Oliver Cieslik) mit glänzender Rüstung daher, die einen entsprechenden Eindruck für seine Rolle als Anführer der Oberpfälzer Kämpfer hinterlässt. Eher leger lässt es dagegen der Pfalzgraf Johann (Michael Hellmuth) angehen, soweit er sich in seiner Burg bewegt.
Der Chronist im Festspiel ist Geschichte
Allein die Charaktere in ihren neuen Rollen und Kostümen zu erleben, ist schon einen Besuch wert. Zu den Neuerungen gehört auch der Verzicht auf den ursprünglich etablierten Chronisten, der das Publikum über die Hintergründe informierte und auf die Szenen einstimmte. In der Neuinszenierung übernimmt diesen Part Ritter Tristram Zenger (Bruno Spitzhirn), der seinen Sohn Milo (Bruno Covarrubias-Valades), auf eine Reise in die Vergangenheit, ins Jahr 1433 entführt. Warum das überhaupt möglich ist, verrät das Stück.
Das Opening zeigt eine Marktszene anno 1456 mit Händlern, Gauklern und Puppenspielerin Griseldas von Wolfenstein (Christiane Joiko). Sie macht den Kindern Angst vor dem Drachen, der als Symbol für die Bedrohung durch die Hussiten galt.
Den jungen Zenger plagen Sorgen, weil ihm Erhard Wagner (Jürgen Hofmann) seine Tochter Anna (Jessica Meister) nicht zur Frau geben will. Alles weitere soll den Besuchern der Premiere, für die es noch Karten an der Abendkasse gibt, vorbehalten bleiben. Nur soviel sei verraten, die viele Arbeit für mehr Emotionen und schauspielerisches Handwerk hat sich gelohnt. Erkennbar daran, dass sich sogar Karin Michl gelegentlich eine Träne verdrücken musste und am Ende der Probe mehr Lob als Kritik stand.



