US-Investor hat künftig bei F.EE in Neunburg das Sagen: Droht ein Personalabbau?

Das im Landkreis Schwandorf beheimatete Neunburger Unternehmen F.EE tritt in das Investmentportfolio von One Equity Partners (OEP) ein. Eine entsprechende verbindliche Vereinbarung mit der Private-Equity-Firma aus den USA sei unterzeichnet worden, teilte F.EE mit. Mit diesem Schritt findet eine Neuordnung der Gesellschafterstruktur bei F.EE statt, bei der OEP die Mehrheitsanteile übernimmt.
Es ist ein wirtschaftlicher Paukenschlag – gehört die Neunburger Firma doch zu den großen Arbeitgebern in der Region. Aktuell beschäftigt die F.EE-Gruppe am Hauptstandort Neunburg, den beiden deutschen Niederlassungen in Frankfurt und Leipzig sowie an Standorten in sieben weiteren Ländern zusammen rund 1050 Mitarbeiter. 2023 hatte F.EE einen Umsatz von rund 185 Millionen Euro gemacht.
Hauptsitz Neunburg soll erhalten bleiben
Befürchtungen, diese Entscheidung könnte personelle Folgen für den Standort Neunburg haben, werden von F.EE-Marketingleiterin Kathrin Dirnberger beiseite gewischt. Der Hauptsitz in Neunburg stehe außer Frage – er sei und bleibe das Herzstück von F.EE. „Hier liegen unsere Wurzeln und unsere technologische Kompetenz“, erklärt Dirnberger. Der Standort Neunburg solle künftig sogar gestärkt werden. OEP wolle in F.EE investieren, weil die Infrastruktur und das Know-how in Neunburg exzellent seien.
Uns liegt sehr daran, die Belegschaft in dieser Phase des Aufbruchs mitzunehmen.Kathrin Dirnberger von der F.EE-Gruppe
Ein Personalabbau sei im Zuge der Transaktion ebenfalls nicht geplant, versichert Dirnberger. „Im Gegenteil: Die Partnerschaft mit OEP ist auf internationales Wachstum und nicht auf Restrukturierung ausgelegt. Unsere hoch qualifizierten Fachkräfte sind das Fundament für diesen Weg“, betont Dirnberger. Dem Neunburger Unternehmen liege sehr daran, „die Belegschaft in dieser Phase des Aufbruchs mitzunehmen“, so die Marketingleiterin.
Der Unternehmenszweck von OEP, hinter dem die US-Großbank JP Morgan Chase steht, liegt in der Übernahme von Beteiligungen und ganzen Firmen, deren Wert durch besseres Management gesteigert werden soll. Oft wird diese Steigerung auch durch Personalabbau, Umstrukturierung oder den Verkauf einzelner Sparten erreicht. Die Private-Equity-Branche hat deshalb nicht unbedingt einen guten Ruf. Pläne für operative Umstrukturierungen im Sinne einer Reduzierung gebe es im Falle von F.EE nicht, versichert Dirnberger.
Der Fokus liegt auf dem Ausbau und der Stärkung der Kompetenzbereiche
Die Marke F.EE solle unverändert erhalten bleiben. Der Fokus liege klar auf dem Ausbau und der Stärkung der bestehenden Kompetenzbereiche. „Dabei prüfen wir stets Möglichkeiten, unser Portfolio organisch oder durch gezielte Ergänzungen strategisch zu erweitern, um unseren Kunden noch umfassendere Lösungen anbieten zu können. Verkäufe von Sparten sind nicht Teil der Strategie“, erklärt die Marketingleiterin.
Auch Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) sei nach der ersten Mitteilung „beunruhigt“ gewesen. Nach Gesprächen mit der F.EE-Geschäftsleitung seien seine Befürchtungen etwas gewichen. „Ich kann mich nur auf die Zusagen verlassen und hoffen, dass es so eintritt“, meint der Rathauschef.
Ziel war es, einen Partner zu finden, der unsere mittelständische Identität als Familienunternehmen respektiert und gleichzeitig über das Know-how verfügt, unsere globale Präsenz auszubauen.Kathrin Dirnberger, Marketingleiterin bei F.EE
F.EE habe sich bewusst für eine Partnerschaft mit einem erfahrenen Investor entschieden. Damit solle die langfristige Entwicklung der Unternehmensgruppe gesichert und Kontinuität für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner gewährleistet werden. „Die Entscheidung für OEP fiel im Rahmen eines strukturierten und sehr kooperativen Auswahlprozesses. Ziel war es, einen Partner zu finden, der unsere mittelständische Identität als Familienunternehmen respektiert und gleichzeitig über das Know-how verfügt, unsere globale Präsenz auszubauen“, so Dirnberger. Wirtschaftliche Vorbeziehungen zwischen F.EE und OEP hätten vor diesem Prozess nicht bestanden.
Das Neunburger Unternehmen, das Johann Fleischmann 1982 gegründet hat, gehörte bislang einer eigenen Stiftung, die 2013 für diesen Zweck ins Leben gerufen worden war. Johann und Robert Fleischmann hatten ihre F.EE-Anteile in diese Stiftung eingebracht.
Im ersten Halbjahr 2026 soll Prozess abgeschlossen sein
Der Abschluss der Anteilsübernahme steht laut F.EE unter dem Vorbehalt der üblichen behördlichen Genehmigungen. Da es sich um die Übernahme der Mehrheit samt der Kontrolle über das Unternehmen handelt, erfolgt auch eine Prüfung durch das Bundeskartellamt. Die Neunburger Geschäftsführer gehen derzeit davon aus, dass der Übernahmeprozess in der ersten Jahreshälfte 2026 erfolgreich abgeschlossen wird.
Zur genauen Verteilung der Anteile haben die Beteiligten laut Dirnberger Vertraulichkeit vereinbart. „Wir betrachten diesen Schritt jedoch explizit nicht als klassischen Verkauf im Sinne eines Rückzugs der Gründerfamilie.“ Es handle sich vielmehr um eine strategische Partnerschaft, bei der die bisherige Geschäftsführung vollumfänglich an Bord bleibe. Diese würde ihre unternehmerische Verbundenheit mit F.EE auch durch eine „signifikante Reinvestition“ beweisen. Das bedeutet, dass ein Teil des Verkaufserlöses zurück ins Unternehmen fließt.