Von der Garagenfirma zum Marktführer: F.EE in Neunburg ist in 40 Jahren deutlich gewachsen

Die Elektromobilität sorgt für einen Wandel in der Automobilindustrie. Die Veränderungen sind für die Firma F.EE ein Vorteil, da viele eigene Projekte im Bereich Elektromobilität realisiert werden. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer sind ganz wichtig für das Neunburger Unternehmen.
Fast 80 Prozent der Kunden kommen aus Automobilbranche. Die Geschäftsführung der F.EE-Unternehmensgruppe – bestehend aus Hans, Gerlinde und Robert Fleischmann sowie Franz Weinzierl – blickte trotz dieser starken Abhängigkeit optimistisch in die Zukunft, wie kürzlich beim Besuch von Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) deutlich wurde. Die Chefs zeigten sich überzeugt, dass die deutschen Automobilhersteller auch bei den Elektrofahrzeugen die führende Marktposition einnehmen werden, wie sie sie bei den Verbrennern inne haben.
Eine der Herausforderungen für die Zukunft ist für die Unternehmerfamilie der Fachkräftemangel. F.EE beschäftigt am Hauptstandort Neunburg, den beiden deutschen Niederlassungen in Frankfurt und Leipzig sowie an Standorten in sieben weiteren Ländern etwa 1100 Mitarbeiter. „Unsere Beschäftigten sind die tragende Säule im Unternehmen. F.EE profitiert sowohl vom Know-how vieler langjähriger Mitarbeiter, als auch junger, sehr talentierter Fachkräfte, die nachkommen“, sagte Hans Fleischmann. Durch die Mitarbeiter könnten durchaus auch Innovationen angestoßen und umgesetzt werden. „Sie wissen, worauf es ankommt“, stand für den F.EE-Chef fest.
KI-Experten eingestellt
Zuletzt stellte das Neunburger Unternehmen gezielt IT-Fachleute mit dem Schwerpunkt KI ein, um beispielsweise die Weiterentwicklung von Softwareprodukten voranzutreiben. Künstliche Intelligenz ist auch für F.EE ein Thema, wenn gleich das Unternehmen dabei erst am Anfang steht, wie Hans Fleischmann erklärte.
Am Stammsitz Neunburg gehören gut 100 Auszubildende in zehn Berufen sowie vier dualen Studiengängen zur Belegschaft. Mehr als 30Azubis und dual Studierende werden im September starten. „Wir würden gerne noch mehr einstellen“, sagte Gerlinde Fleischmann, die sich im Unternehmen unter anderem um Personalfragen kümmert. Dennoch sei man mit der Zahl der neuen Azubis zufrieden – angesichts des demografischen Wandels.
Heuer zeichnete die Kreishandwerkerschaft Nordoberpfalz F.EE zum neunten Mal als besten Ausbildungsbetrieb im Berufsfeld Elektroniker Automatisierungs- und Systemtechnik aus. Die Neunburger legen auf eine praxisnahe Ausbildung Wert. Zudem bietet F.EE nach eigenen Angaben den Mitarbeitern Vorteile wie Weihnachts- und Urlaubsgeld an oder bezuschusst das Mittagessen in der firmeneigenen Kantine.
Firma will auch Wohnraum für Mitarbeiter schaffen
Sogar in Sachen Wohnraum will F.EE etwas für seine Beschäftigten tun: An der Neukirchner Straße ist auf dem sogenannten Roßkopf-Gelände ein Neubau geplant, in dem es auch Ein-Zimmer-Appartements für Mitarbeiter geben soll. Bisher ist das Vorhaben noch nicht umgesetzt.
An die Stadt hatte die Unternehmerfamilie einen Wunsch: Für junge Leute müsste mehr geboten werden, um die Attraktivität des Ortes für Arbeitnehmer zu erhöhen. Eventuell könnte es eine Kneipe geben. Bei Bürgermeister Birner stießen die Chefs diesbezüglich auf offene Ohren. Auch Birner wünscht sich schon länger, dass es in Neunburg eine Musik-Kneipe gibt. Aber solche Vorhaben seien vom Engagement Privater abhängig.
Die Neunburger Firma sei mit ihren vier Geschäftsbereichen breit aufgestellt, stand für Hans Fleischmann fest. Dadurch sei F.EE unempfindlicher gegenüber Krisen. Mit dem Geschäftsbereich Elektrotech Engineering begann 1982 alles in einer Garage im Ortsteil Stetten. In diesem Bereich wird unter anderem Steuerungstechnik entwickelt und programmiert. Dazu gehört auch das große Schaltschrankfertigungszentrum an der Industriestraße, in dem jährlich so viele Schaltschränke produziert werden, dass sie aneinandergereiht eine Länge von circa vier Kilometern hätten.
Software für virtuelle Inbetriebnahme sehr gefragt
Eine weitere tragende Säule bei F.EE bildet der Geschäftszweig Automation Robotik, der Anlagen- und Maschinenbaubereich. In den weiteren Firmenbereichen geht es unter anderem um die Automatisierung und Modernisierung von Wasserkraftwerken sowie um die Entwicklung und den Vertrieb von Industriesoftware.
Aktuell sehr nachgefragt sei fe.screen-sim, eine Software für die virtuelle Inbetriebnahme. Das heißt, von Anlagen wird inzwischen in der Software ein digitaler Zwilling erstellt. An dem lassen sich in fe.screen-sim sowohl die gesamte Steuerungssoftware prüfen, diverse Betriebszustände testen und komplexe Abläufe in einer frühen Projektphase simulieren als auch Steuer- sowie Regelstrategien schon in der Entwicklungsphase überprüfen und optimieren. Das alles passiert, bevor die Anlage aufgebaut und in Betrieb genommen wird, womit eine Zeit- und Kostenersparnis bei der realen Inbetriebnahme vor Ort einhergeht.
Viel in den vergangenen Jahren investiert
Das Neunburger Unternehmen kann sich mit seinen Geschäftszweigen auch international behaupten. Aus der kleinen Garagenfirma von 1982 ist längst einer der deutschen Marktführer in der Fertigungs- und Automatisierungstechnik geworden. Das ging mit enormen Investitionen einher. In den zurückliegenden zehn Jahren seien riesige Summen in den Standort Neunburg geflossen. Dadurch sei seine Firma sehr gut aufgestellt, meinte Hans Fleischmann beim Bürgermeistertermin. Das gelte auch für die Belegschaft. In den vergangenen Jahren konnte die Mitarbeiterzahl kontinuierlich gesteigert und vakante Stellen nachbesetzt werden.
Das gelang auch mit Mitarbeitern aus dem Ausland, die einen Anteil von rund 20Prozent stellen. Zu ihnen gehören zum Beispiel Akademiker aus Indien. Die Angestellten aus Südasien seien dabei nicht gezielt angesprochen worden. Die Ersten seien zufällig auf F.EE gekommen und hätten später durch Mundpropaganda weitere Landsleute nach Neunburg gelockt.
Laut Birner ist die Stadt stolz, solch ein Unternehmen zu haben, dessen Entwicklung wirklich atemberaubend sei.
F.EE will sich derweil nicht auf dem Erfolg der vergangenen Jahrzehnte ausruhen. „Wir dürfen nicht stehenbleiben“, war sich die Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe einig.

