Regensburgs OB fühlt sich in der Maxstraße unwohl – und berichtet von „unangenehmer Szene“

Von Jonas Raab · 25. November 2025 um 05:00

Am helllichten Tag hantiert ein Mann mit einer Pistole. Ein anderer sitzt mit einer Nadel im Arm am Boden. Ein Dealer bietet einem Zwölfjährigen Drogen an. Das ist lediglich die Speerspitze von dem, was Anwohner rund um die Maximilianstraße in Regensburg heuer erlebt haben. „Früher war das nicht so“, lautet die einhellige Meinung.

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Die naheliegende Vermutung: Seit die Polizei rund um den Hauptbahnhof Regensburg hart durchgreift, haben sich die Probleme hierher verlagert. Von einer „unangenehmen Szene“, die das südliche Ende der Straße besetze, spricht Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), als es in der Sitzung des Sicherheitsbeirates am Montag um die Drogenkriminalität geht. „Es gibt ein Unsicherheitsgefühl, das vor allem von verdrängtem Publikum aus dem Bahnhofsumfeld geprägt ist“, sagt die Oberbürgermeisterin.

Regensburger Oberbürgermeisterin hat „ungutes Gefühl“ in der Maxstraße

Erst kürzlich sei sie abends in der Maximilianstraße gewesen. Maltz-Schwarzfischer berichtet von Gruppen – bestehend hauptsächlich aus jungen Männern, aber auch Frauen –, „die bei mir ein ungutes Gefühl hervorrufen“. Sie selbst habe schon mehrfach bei der Polizei nachgefragt, wie man denn gedenke, dagegen vorzugehen.

Karin Paul von der zuständigen Polizeiinspektion Süd bestätigt den Verdrängungseffekt: weg vom stark überwachten Hauptbahnhof und der Fürst-Anselm-Allee, hin zur südlichen Maxstraße, zur Römermauer und zum Bereich am Königshof, aber auch in die Ostenallee hinein. „Das sind neue Schwerpunkte geworden, auf die wir polizeilich reagieren“, sagt Paul.

Messer, Spritze, Flaschen – gefunden bei der Gartenarbeit unweit der Maximilianstraße in Regensburg. - Foto: Simone Heuberger, Archiv

Seit Juni seien „verstärkt Kräfte“ im Einsatz, regelmäßig würden sie von der Bereitschaftspolizei unterstützt. „Wir werden unseren Katalog ausweiten“, kündigt Paul an. Was man als Laie darunter verstehe könne, will Maltz-Schwarzfischer wissen. Schließlich sei die Stimmung im Bereich der ehemaligen McDonald’s-Filiale „laut, aggressiv und unangenehm“. Ob die Polizei die Leute, die dafür sorgten, auch anspreche, fragt die Oberbürgermeisterin.

„Wenn wir kommen, ist es in der Regel leise“, entgegnet Paul. Die Polizei bekomme „ganz, ganz selten“ Mitteilungen von Anwohnern oder Geschäftsleuten – und sei auch ohne Uniform vor Ort, um Drogendeals nachweisen zu können. Sie habe geprüft, ob man den Bereich als gefährlichen Ort einstufen könne, erklärt Paul. Das würde der Polizei mehr Kontrollbefugnisse und die Möglichkeit der Videoüberwachung gewähren – wie eben am Hauptbahnhof. „Die Zahlen geben es leider noch nicht her. Oder Gott sei Dank“, sagt Paul. Derzeit verzeichne man jeden dritten Tag eine Straftat, allesamt begangen im südlichen Bereich der einstigen Prachtstraße.

Es kommt täglich zu Übergriffen.Katharina Neumeier, Hotel Weidenhof

„Ich sehe am Tag vielleicht zehn Straftaten“, sagt Katharina Neumeier vom Hotel Weidenhof. Sie ist Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Maxstraße und hat dafür gesorgt, dass das Thema im Sicherheitsbeirat auf den Tisch kommt. Anwohner und Geschäftsleute würden eingeschüchtert. „Es kommt täglich zu Übergriffen“. Aber man könne diese Leute ja nicht festhalten, bis die Polizei kommt, gibt sie zu bedenken.

Wilde Szene mitten in Regensburg: Mit einer Softair-Pistole hantierte dieser Mann im Sommer. - Foto: mgb, Archiv

Man dürfe sich selbst nicht in Gefahr bringen, sagt Polizistin Paul. „Rufen Sie uns“, lautet ihr Appell – auch weil man die Fallzahlen brauche, um eine Handhabe zu bekommen. Im Zuge der steigenden Kriminalitätsrate rund um den Hauptbahnhof hat das eigens deswegen gegründete Sonderreferat der Staatsanwaltschaft über 160 Haftbefehle erwirkt – 144 davon gegen tunesische Staatsangehörige

Fast keine Straßenlaterne leuchtet in der Maximilianstraße in Regensburg

Doch wer sind die, die jetzt in der Maxstraße dealen? Streetworker Ben Peter berichtet von neuen Gesichtern. „Die sind nicht suchtkrank, sondern wollen Geld verdienen.“ Für ihn und seine Kollegen seien sie nicht zugänglich. „Das macht es so schwer“, sagt Paul dazu.

Was die Probleme in der Maxstraße gewiss nicht besser macht: Nahezu alle Straßenlaternen sind kaputt. Manche glimmen ein wenig, viele sind ganz aus. „Eine schwache Beleuchtung“, gesteht Straßenbau-Abteilungsleiter Andreas Fruth. „Wir sind dabei, umzurüsten“, berichtet er. „Ob wir das heuer noch schaffen, weiß man nicht.“