Regensburger hält wilde Szene fest: „Zustände in der Maxstraße sind unhaltbar“

Von Christian Eckl · 19. Juli 2025 um 05:00

Ein Anwohner in der Regensburger Maximilianstraße schildert im Gespräch Szenen von Gewalt und Kriminalität – ein paarmal drückt er auf den Auslöser seines Handys und fotografiert dabei einen Mann, der scheinbar mit einer Waffe hantiert und einen anderen bedroht. Der Elternbeirat der nahe gelegenen Grundschule ist entsetzt - die Polizei sagt, sie habe den Tunesier bereits dingfest gemacht.

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Noch vor wenigen Monaten sorgte die Situation in der Fürst-Anselm-Allee für bundesweite Schlagzeilen. Die Polizei griff hart durch, die Stadt setzte eine Videoüberwachung durch. Jetzt schlagen Anwohner in der Maxstraße Alarm. Demnach habe sich die Szenerie einfach nur verlagert.

„Nicht nur Eltern sind verunsichert, sondern auch viele Anwohner“, sagt ein ehemaliger Bewohner der Maximilianstraße, der viereinhalb Jahre lang mit seiner Frau hier gewohnt hat und kürzlich aufgrund der Situation weggezogen ist. Die Gegend sei mittlerweile ein Brennpunkt geworden. Was früher in der Fürst-Anselm-Allee passierte, habe sich nun durch Maßnahmen von Stadt und Polizei verlagert.

Ende Juni fotografierte der damalige Anwohner aus dem Fenster heraus, was sich unten auf der Straße abspielte. Ein Mann fuchtelte mit etwas herum und bedrohte damit einen anderen Mann. „Ob es sich um eine scharfe Waffe handelte oder nicht, weiß ich nicht“, sagt der Anwohner.

Polizei Regensburg erwischt den Mann

Doch das war nicht die einzige Beobachtung der Szenen auf der Straße. So seien kürzlich mehrere Männer mit Schlagstöcken und Messern aufeinander losgegangen. Die Szenerie habe sich sogar vor eine benachbarte Gastronomie verlagert. „Meine Frau arbeitet als Ärztin“, erzählt der Anwohner. „Sie hat es nicht mehr ertragen, nach aufreibenden Schichten im Krankenhaus nach Hause zu kommen und hier einen Spießrutenlauf vor der Haustür zu haben.“

Den Vorfall mit der scheinbaren Waffe bestätigt auch die Polizei. Der Anwohner hatte die Bilder auch der Polizei übermittelt. Drei Tage danach wurde der Mann gefasst. Allerdings nicht wegen der Bilder, sondern weil er von der Polizei am Bahnhofsgelände kontrolliert wurde.

„Hierbei wurde in seinem Hosenbund eine Pistole, welche sich als sogenannte Softair-Waffe herausstellte, aufgefunden und sichergestellt“, so eine Polizeisprecherin. Gegen den Tatverdächtigen, einen 24-jährigen Tunesier, wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung sowie ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet. Es sei „verboten, Gegenstände in der Öffentlichkeit zu führen, welche wie Schusswaffen aussehen“. Um zu verhindern, dass der Mann auch zukünftig mit solchen Softair-Waffen für Beunruhigung in der Bevölkerung sorgt, sei die Softair-Pistole sichergestellt und das Verfahren eingeleitet worden.

Bei der Stadt Regensburg sagt man auf Anfrage: „Die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger ist der Stadt äußerst wichtig.“ Immerhin sei man Mitglied in der Arbeitsgruppe „Gemeinsam stark für Regensburg“, um die Situation im Umfeld des Bahnhofs zu verbessern. Zudem sei der Kommunale Ordnungsservice im Einsatz, zum bestreiften Areal gehöre natürlich auch die Maximilianstraße. Das ganz in der Nähe gelegene Haus II der Von-der-Tann-Grundschule bleibe da allerdings, wo es ist – denn es liege „zentral im Sprengelgebiet“, so die Stadt.

„Die Maxstraße gehört zum täglichen Schulweg vieler Kinder“, sagt Phuc Huynh, Mitglied des Elternbeirats an der Von-der-Tann-Grundschule in Regensburg. Als Vater mache ihm die Entwicklung in diesem Bereich zunehmend Sorgen. Zwar habe die Polizei angesichts des konkreten Vorfalls mit der Softair-Pistole schnell reagiert. Dennoch sei der Schreck unter vielen Eltern groß gewesen. „Solche Szenen erzeugen ein Gefühl der Unsicherheit, das wir nicht ignorieren dürfen.“

Auch im nahe gelegenen Park, der als Durchgangsroute zur Schule dient, sieht Huynh Handlungsbedarf. Dieser sei seit Jahren ein Brennpunkt für Drogenhandel. „Mehrfach haben Eltern dort gebrauchte Spritzen auf oder in der Nähe von Spielplätzen eingesammelt.“ Besonders beunruhigend sei, dass dort inzwischen tagsüber offen Cannabis konsumiert oder gedealt werde – teils direkt neben Spielgeräten.

Der Gegenstand, den der junge Mann in der Hand hielt, hätte auch eine scharfe Waffe sein können. - Foto: mgb

Für Kinder sei dieses Umfeld schlicht nicht tragbar. Viele Eltern ließen ihre Kinder am Abend nicht mehr allein durch das Viertel gehen. „Es ist bedenklich, dass sich mitten in der Stadt ‚No-Go-Areas‘ entwickeln, die als gefährlich wahrgenommen werden.“ Kritisch sieht der Familienvater auch die neue gesetzliche Regelung zur Cannabisfreigabe. Aus seiner Sicht sei die erlaubte Freimenge im öffentlichen Raum mit 25 Gramm deutlich zu hoch. „25 Gramm reichen, um über 100 erwachsene Menschen in einen Rauschzustand zu versetzen.“ Für echten Eigenbedarf wäre aus seiner Sicht eine Grenze von fünf Gramm ausreichend. Die aktuelle Regelung erschwere die Arbeit der Polizei und öffne Kleindealern in Brennpunktvierteln Tür und Tor. „Die Sicherheit unserer Kinder darf kein Nebenschauplatz sein“, schließt Huynh.

Ex-Anwohner der Maxstraße: „Das war zu belastend“

Der Ex-Anwohner, der die Fotos der Szenen gemacht hat, ist froh, eine neue Wohnung gefunden zu haben. Er sagt aber auch: „Wir sind sehr ungern weggezogen, weil die alte Wohnung sehr schön war und die Altstadt lebenswert ist.“ Doch das, was an dieser Stelle derzeit geschehe, sei einfach zu belastend gewesen.