Winter legt Regensburg lahm: Darum führte der angekündigte Schneefall zu einem Chaos

Von Heike Haala · 24. November 2025 um 17:00

Wer zum Start in die Woche auf einen Bus im Regensburger Stadtgebiet angewiesen war, brauchte mitunter Nerven aus Stahl. In der Nacht auf Montag hatte es zum ersten Mal in dieser Saison richtig geschneit. Die Auswirkungen auf die Fahrpläne waren verheerend.

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Plötzlich durften die Menschen für 90 Minuten nicht mehr in die 130 Stadtbusse einsteigen. An vielen Haltestellen erschien auf den Bildschirmen mit den Abfahrtszeiten der Hinweis, dass der Busbetrieb im Stadtgebiet wegen Schnee und Eisglätte kurzfristig eingestellt ist. Zuletzt war dies 2021 der Fall – wegen Blitzeis.

Beim Haus der Bayerischen Geschichte hatte sich eine Traube aus gestrandeten Menschen gebildet. Unter ihren Frust mischte sich Unverständnis. Denn die Busse, auf die sie warteten, fuhren dann zwar – aber eben leer an ihnen vorbei.

Zahlreiche Verspätungen der Regensburger Busse

Während diese Passagiere kopfschüttelnd und augenrollend zurückblieben, erlebten andere unerwartete Nähe. Sie hatten es doch irgendwie in einen der wenigen noch fahrenden Busse geschafft, die an den Haltestellen teils mit erheblicher Verspätung eintrudelten: Hier drängten sich die Menschen dicht an dicht.

Am Bismarckplatz hatte sich laut Markus Reitmeier, Pressesprecher der Polizeiinspektion (PI) Süd, ein Eispanzer gebildet, weswegen zeitweise bis zu neun Busse an dieser Stelle liegengeblieben waren. Auch für andere Fahrzeuge gab es an dieser Stelle der Altstadt kein Durchkommen mehr. „Der Verkehr musste für zweieinhalb Stunden umgeleitet werden“, sagte Reitmeier.

Nichts geht mehr: Der Busbetrieb in Regensburg war zeitweise eingestellt. - Foto: Daniel Steffen

Durch die Sperrung ergab sich eine weitere Aufgabe für ihn und seine Kollegen: Weil sich auch Schulbusse unter den Fahrzeugen in diesem Stau befanden, riefen die Polizisten in den Sekretariaten an. „Um nicht die Notfallketten auszulösen, falls Kinder nicht rechtzeitig erscheinen“, erklärte er. Während die dritte Stunde bereits lief, sagte Reitmeier dann: „Jetzt sitzen alle im Unterricht.“

Und noch ein Busfahrerkollege bekam die Macht von Schnee und Eis zu spüren: Er war auf der Kirchfeldallee in Burgweinting gegen einen Baum gerutscht. „Es saßen aber keine Passagiere drin und so wurde niemand verletzt“, erklärte Reitmeier. Zudem habe das Fahrzeug keinen großen Schaden davongetragen. Allerdings war die Straße, in deren Umfeld sich auch Schulen und ein Kinderhaus befinden, am Montagmorgen für 45 Minuten gesperrt.

Mitarbeiter der Stadt Regensburg hatten mit ihren Räumfahrzeugen am Montag alle Hände voll zu tun. - Foto: Daniel Steffen

Insgesamt sei es zwischen Mitternacht und Montagvormittag zu acht Unfällen im Zuständigkeitsbereich der PI Süd gekommen, erklärte Reitmeier. Ein Fahrradfahrer stürzte und verletzte sich leicht. Er ist laut Angaben des PI-Sprechers ins Krankenhaus gebracht worden. Unverletzt sei ein Autofahrer davon gekommen, der in der Bajuwarenstraße wegen nicht angepasster Geschwindigkeit gegen einen Baum gefahren war. Allerdings habe dies zu einem größeren Sachschaden an seinem Fahrzeug geführt.

Thomas Hasler von der PI Nord sprach am späten Vormittag von vier Unfällen, die sich in diesem Zuständigkeitsbereich ereigneten. Verletzt worden sei dabei niemand. Allerdings sei der Montagmorgen von erheblichen Staus geprägt gewesen.

Am späten Montagmorgen gab Stadtwerke-Sprecher Martin Gottschalk dann für den Busverkehr Auskunft, dass sich die Situation normalisiere. Mit Ausnahme der C-Linien waren die Busse zu diesem Zeitpunkt wieder weitgehend im Takt unterwegs. Er kündigte an, dass es weiterhin zu Verspätungen kommen werde. Probleme hatten vor allem Gelenkbusse in der Altstadt.

Ein Notarzt eilt zu einem Einsatz: Auch die Regensburger Rettungskräfte waren gefordert. - Foto: Daniel Steffen

Wie aber konnten diese für die Jahreszeit durchaus typischen und seit Tagen angekündigten Schneefälle ein derartiges Chaos im Stadtgebiet verursachen, während die Autofahrer im Landkreis bei angepasster Geschwindigkeit relativ gut vorankamen?

Laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, war um 3 Uhr in der Nacht der Volleinsatz für den Winterdienst ausgelöst worden – bereits zuvor sei für den Fall eine Rufbereitschaft angeordnet gewesen. Gegen 3.30 Uhr hätten die ersten Fahrzeuge geräumt.

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Allerdings habe der anhaltende Schneefall das Räumen erschwert: „Strecken, die geräumt wurden, wurden aufgrund des Schneefalls wieder zugeschneit“, erklärte sie. Durch den Berufsverkehr hätten die Räumfahrzeuge nicht nur mehr Zeit gebraucht. Der Schnee habe sich so auch äußerst schnell festgefahren. Der Volleinsatz mit 180 Mitarbeitern sowie 40 Klein- und Großräumfahrzeugen dauerte am Nachmittag noch an.

Bürgermeister Ludwig Artinger (FW) erklärte: „Der zunehmende Verkehr in eine Einpendler-Stadt wie Regensburg in Verbindung mit winterlichen Witterungsverhältnissen stellt hohe Anforderungen an unseren Winterdienst.“ Aber auch der „beste Winterdienst“ könne nicht gewährleisten, dass bei heftigem Schneefall alle Straßen im Stadtgebiet immer komplett schneefrei seien, sagte er. Seinem Team sprach Artinger Dank aus.

Warten auch im Regensburger Landkreis

Die Busse des Regionalverkehrs konnten die Schüler laut Josef Weigl, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (GFN), ordnungsgemäß in den Bildungseinrichtungen abliefern. Aber auch die GFN hätte je nach Lage mit zum Teil massiven Verspätungen zu kämpfen gehabt.

Zwischen Demling und Bach war ein Busfahrer in eine missliche Lage geraten: Dort wird der Busverkehr derzeit ohnehin schon über den Donauradweg umgeleitet. Am Montagmorgen war ein Bus der Linie 5 auf der Umleitung in den Graben gerutscht. Verletzt wurde dabei niemand. Allerdings war nun auch die Umleitung dicht. Der Busverkehr zwischen Wörth und Donaustauf wurde laut Weigl deshalb über die Autobahn A3 abgewickelt. Kurz nach Mittag aber konnte Weigl vermelden: Die Linie ist wieder frei.