Studie der Uni zeigt: Regensburger Bahnhofsvorplatz bleibt für viele Angstraum

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass Menschen das Areal rund um den Hauptbahnhof Regensburg teils gefährlicher wahrnehmen, als es eigentlich ist.
Die Straßen und Plätze vor dem Regensburg Hauptbahnhof haben keinen guten Ruf. Sie gelten als Kriminalitäts-Hotspot. Als Angstraum. Und vor allem nachts teilweise sogar als No-Go-Area. Doch denken die Menschen wirklich so über dieses Areal? Studenten der Regensburger Universität wollten es genau wissen. Sie recherchierten vor Ort, sprachen mit Experten und starteten eine Umfrage im Internet. Mehr als 2000 Bürger beteiligten sich daran. Und die Ergebnisse sind eindeutig.
Professor Henning Ernst Müller vom Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie leitete das Projekt. 16 Studenten hatten sich daran beteiligt. Die wissenschaftliche Analyse ist Teil der der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Gemeinsam stark für Regensburg“. In dieser sitzen Vertreter von Regierung, Stadt, Justiz, Bundes- und Landespolizei sowie der Universität. Sie wurde gebildet, um die Sicherheit in Regensburg nachhaltig zu verbessern.
„Schon eine gute Zahl“
Die Studenten wollten nun wissen, wie sicher sich die Menschen rund um den Busbahnhof und auf dem Bahnhofsvorplatz fühlen. Für die im Internet durchgeführte Umfrage wurde mit Plakaten und Flyern, die die Studenten verteilten, geworben. Insgesamt beteiligten sich 2224 Menschen. „Das ist schon eine gute Zahl“, sagt Müller. Der größte Teil der Teilnehmer war im Alter zwischen 18 und 35 Jahren.
Das Ergebnis bei der Kernfrage der Umfrage ist eindeutig. Die große Mehrheit der Befragten gab an, sich in dem Areal des Hauptbahnhofs „eher unsicher“ oder sogar „sehr unsicher“ zu fühlen. „Für die Menschen ist das dortige Sicherheitsempfinden ganz klar ein Thema“, sagt Müller. Insbesondere die Bereiche im Fürst-Anselm-Park und beim Peterskirchlein würden als unsicher empfunden und dementsprechend wenn möglich auch gemieden werden.
Den größten positiven Effekt scheinen Polizisten oder sonstige Ordnungskräfte, die dort persönlich Streife gehen, zu haben.
Henning Ernst Müller, Professor für Kriminologie
In der Erhebung wurde teils sehr detailliert zu den Erlebnissen der Befragten im Bahnhofsumfeld gefragt. Müller zufolge sei hier zu erkennen gewesen, dass sich das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen mitunter nicht mit der tatsächlichen Bedrohungslage vor Ort, wie sie die Kriminalstatistik ausweist, deckt. Das Areal wird also als gefährlicher wahrgenommen, als es eigentlich ist. Bereiche mit diesem Phänomen gebe es allerdings in vielen Städten, sagt Müller.
Vor wenigen Wochen hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann den Hauptbahnhof besucht und dort mitgeteilt, dass „der Trend in die richtige Richtung“ gehe. Im vergangenen Jahr seien in diesem Areal nämlich 5,8 Prozent weniger Delikte registriert worden. Es habe Herrmann zufolge zuletzt auch eine Reihe von Maßnahmen gegeben, die am Bahnhof für mehr Sicherheit sorgen sollen. Dazu zählen Kameras, mehr Licht, ein eigenes Sonderreferat bei der Staatsanwaltschaft und mehr Polizeikräfte.

Sein Ziel sei, dass alle Menschen in Bayern sicher leben können. „Wir wollen hier keine No-Go-Areas“, sagte Herrmann. „Vor einem Jahr drohte die Situation aus dem Ruder zu laufen.“ Durch ein gemeinsames Vorgehen habe man das verhindert. Er selbst fühle sich jedenfalls sicher im Regensburger Bahnhofsumfeld.
Doch welche Maßnahmen wünschten sich die Teilnehmer der neuen Umfrage? Hier gab es ein klares Ergebnis. „Den größten positiven Effekt scheinen Polizisten oder sonstige Ordnungskräfte, die dort persönlich Streife gehen, zu haben“, sagt Müller. Technische Vorrichtungen wie Überwachungskameras oder mehr Beleuchtung seien im Vergleich weniger gefordert worden.
Selbst Bild vor Ort gemacht
Die Studenten hatten für die Analyse noch ausführliche Interviews mit Menschen, die beruflich konkret mit der Lage am Bahnhof zu tun haben, geführt. Und in einem dritten Teil des Projekts haben sie sich selbst ein Bild vor Ort gemacht. In Zweiergruppen hielten sie sich zu verschiedenen Tageszeiten dort auf und dokumentierten ihre Beobachtungen und Eindrücke. In den kommenden Wochen sollen die detaillierten Ergebnisse nun an die anderen Gruppen von „Gemeinsam stark für Regensburg“ übergeben werden. Zu den von Müller vorgestellten ersten Ergebnissen der Studie wollte sich die Regensburger Polizei diese Woche noch nicht äußern. „Wir warten ab, bis uns die komplette Auswertung vorliegt und werden dann Stellung dazu beziehen“, sagte Sprecherin Corinna Wild.