Zusätzliche Förderung für Regensburg kommt mit Verzögerung: „Wir stehen zur Staatstheater-Werdung“

Von Mittelbayerische Zeitung · 9. Mai 2025 um 18:57

Regensburgs Theater wird Staatstheater. Der Titel bringt Prestige – und Geld. Die Haushaltslage bremst den Ritterschlag allerdings aktuell aus, zusätzliche Millionen vom Freistaat Bayern fließen später als geplant. Hintergründe erläuterte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) am Freitag. Kurz vor der Eröffnung der Bayerischen Landesausstellung kam er zum Interview ins MZ-Medienhaus.

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Herr Blume, bevor Sie in die Breze vor sich beißen, lassen Sie uns die Frage stellen: Haben Sie den Mund in Sachen Staatstheater zu voll genommen?

Markus Blume: Nein, ganz und gar nicht. Bayern ist verlässlich, das gilt gerade in Regensburg. Das Eckpunktepapier, das wir mit der Stadt Regensburg vereinbart haben, ist die Grundlage. Und die Zusage, dass Regensburg im Laufe der Spielzeit 2025/26 zum Staatstheater wird, gilt.

Sie sprechen vom Titel oder vom Geld?

Blume: Ich spreche zunächst vom Titel. Aber auch beim Geld war der Staat bisher verlässlich. Wir haben ja vereinbart, dass wir in mehreren Stufen die Förderung des Staatstheaters anheben, bis auf einen paritätischen Anteil von 50 Prozent. Und: Seit dem Schließen der Vereinbarung haben wir die Zuschüsse für Regensburg um über 50 Prozent insgesamt angehoben, von 6,1 auf 9,6 Millionen im vergangenen Jahr. Auch heuer werden wir sie deutlich erhöhen.

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Zeitplan und Umfang der zugesagten Förderung werden also wie vereinbart eingehalten?

Blume: Während in Berlin und anderswo die Kultur mit tiefen Einschnitten zu kämpfen hat, versuchen wir, selbst steigende Personal- und Tarifkosten mit aufzufangen. Um uns dafür etwas Luft zu verschaffen, haben wir mit der Stadt Regensburg vereinbart, dass wir die letzten beiden Finanzierungsstufen um ein Jahr schieben. Das ist allenfalls ein kleiner Wermutstropfen.

Der Freistaat kürzt also nicht?

Blume: Im Gegenteil: 2025 haben wir in Bayern Rekordausgaben für die Kultur. Ich war beim Kulturausschuss des Bayerischen Städtetages, die Kommunen haben angesichts knapper Kassen und schwieriger Haushaltslage ihre liebe Not im Bereich der Kulturförderung geschildert. Auch der Freistaat befindet sich angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Deutschland nach wie vor in einer sehr angespannten Haushaltssituation. Und trotzdem wollen wir unsere Kulturfinanzierungsanteile in allen Bereichen und in allen Landesteilen halten.

Nochmal nachgefragt: Für die Jahre 2024 und 2025 ist mit 45 Prozent kalkuliert worden, mit 12,5 Millionen. Das wird gestreckt, wie Sie sagen. Für die Spielzeit 2025/26 wollte ja Bayern dann die 50-Prozent-Quote erreicht haben. Das wären dann 15,5 Millionen.

Blume: Wir streben – vorbehaltlich der Aufstellung des neuen Doppelhaushalts – eine Förderung von 45 Prozent im Jahr 2026 an und die paritätische, 50-prozentige Förderung im Jahr 2027.

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Im April wurde ja der Nachtragshaushalt verhandelt. Ist da jetzt für Regensburg etwas eingestellt worden?

Blume: Wir haben im Nachtragshaushalt 2025, obwohl es eigentlich überhaupt nichts zu verhandeln gab, ein ordentliches Plus von 15 Millionen Euro für den Kulturbereich erreicht. Dieses brauchen wir aber, um die Tarifsteigerungen überall aufzufangen. In allen Theatern, in allen Kultureinrichtungen laufen die Kosten davon, weil gerade mit den letzten Tarifabschlüssen der Personalaufwand deutlich gestiegen ist. Auch für das Theater Regensburg ist eine Erhöhung des Zuschusses geplant.

Sie gelten ja durchaus als harter Verhandler, der bei Finanzminister Albert Füracker auch viel rausholt. Doch nun wird die Förderquote von 50 Prozent erst 2027 erreicht. Theater haben aber einen langen Vorlauf. Müssen denn jetzt Opernpremieren abgesagt werden?

Blume: Die Betrachtung der Realität muss immer und überall einfließen. Wir können nur Geld ausgeben, das wir einnehmen. Wir müssen auf solide Haushaltspolitik setzen, da bin ich voll an der Seite des Finanzministers.

Im April 2023, beim Termin in Regensburg, hieß es von der Staatsregierung, das Staatstheater komme in Rekordzeit. Nun also doch nicht?

Blume: Wieso?

Weil die Quote von 50 Prozent nicht in der Rekordzeit fließen wird, wie es ursprünglich verkündet worden war.

Blume: Ich kann mich nicht erinnern, dass ein anderes Staatstheater schneller Titel und Förderung bekommen hätte. Nochmal der Blick auf die Zahlen: Wir haben seit 2022 die Zuwendungen ans Staatstheater Regensburg um mehr als 50 Prozent erhöht. Das heißt: Wir stehen uneingeschränkt zur Staatstheater-Werdung. Auch den Titel wird es wie versprochen in dieser Spielzeit geben.

Ich lege mich jetzt einfach mal fest: Es wird die erste Jahreshälfte 2026.

Markus Blume über die Ernennung zum Staatstheater

Zum Auftakt der Saison im September? Oder zum Bayerischen Theaterfest im Mai 2026?

Blume: Da sind wir noch im Gespräch mit dem Theater und der Stadt. Das werden wir miteinander entscheiden. Aber ich kann Ihnen sagen, es wird in dieser Spielzeit sein. Ich lege mich jetzt einfach mal fest: Es wird die erste Jahreshälfte 2026.

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Vergangenen Mittwoch war am Theater Regensburg wieder Balkonsingen. 800, 900 Menschen hören da kostenlos zu. Die Staatsoper München macht so etwas nicht. Wann kommen Sie zur ersten Vorstellung nach Regensburg?

Blume: Jetzt haben Sie mich sehr neugierig gemacht. Unabhängig davon: Ich komme auch gern zu einer normalen Vorstellung. Ich muss nur schauen, dass ich meine Liebe über ganz Bayern verteile. Das ist ja das Besondere: Wir haben, gerade übrigens in der Oberpfalz, eine solche Dichte an Freilichtbühnen, an professionellen Ensembles, an Laien-Aktivitäten. Da könnte ich jeden Abend irgendwo eine hochkarätige Kulturveranstaltung besuchen. Was mich besonders anfixt: Wenn kulturelle Teilhabe auf niederschwellige Weise neu gedacht wird so wie beim Balkonsingen. Davon möchte ich gern mehr sehen. Denn Bayern ist ein Kulturstaat. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen davon profitieren können!

Das Interview führten Katharina Kellner und Marianne Sperb.

Hintergrund

Ankündigung: „Mit Rekordgeschwindigkeit auf dem Weg zum Staatstheater!“ war eine Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst im August 2023 überschrieben, mit der Minister Markus Blume (CSU) die Ernennung des Theaters Regensburg zum Staatstheater verkündete.

Kritik: „Vollmundig“ nannte diese Ankündigung Ende April 2025 der Regensburger Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol. Er hatte im Bayerischen Landtag eine Anfrage zum Staatstheater gestellt. Nach der Antwort des Ministeriums kritisierte er, dass es noch keinen festen Zeitplan für die Titelvergabe gebe und zudem, dass das Ministerium sich bei Fragen nach der konkreten Finanzierung „auffällig bedeckt“ halte. mgb