Rekordzahlen und Zukunftsängste: Das war die Wirtschaft in der Region im Jahr 2024

Von A wie Automobilkrise bis Z wie Zukunftspreis: 2024 war für die Wirtschaft ein turbulentes Jahr – auch in der Oberpfalz. Wir blicken zurück auf eine Auswahl an Themen aus der Region, die uns in den vergangenen zwölf Monaten besonders beschäftigt haben.
Alles dreht sich um KI
Künstliche Intelligenz (KI) war auch 2024 ein Riesen-Thema – kein Wunder, schließlich wird die Technologie die Wirtschaft, auch in der Region, verändern. Der Einfluss von KI auf die tägliche Arbeit sei nicht aufzuhalten, sagte der Wissenschaftler Dr. Fabrizio Palmas Anfang Dezember bei einer Veranstaltung in München. Und auch der im Landkreis Regensburg lebende KI-Professor Patrick Glauner erklärte im Interview: „Vom Geschäftsführer über den Sachbearbeiter bis hin zum Hallenarbeiter – alle müssen sich mit KI auseinandersetzen.“ Eines ist also sicher: Das Thema Künstliche Intelligenz wird an dieser Stelle auch im kommenden Jahr oft eine Rolle spielen.
Krones im Höhenflug
Der Oberpfälzer Hersteller von Abfüllanlagen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie nutzt natürlich ebenfalls KI. Anfang des Jahres teilte der Konzern mit, sogar eine entsprechende Fachabteilung geschaffen zu haben. Krones machte 2024 aber mit etwas anderem auf sich aufmerksam: einem Höhenflug. Während aus weiten Teilen der deutschen Wirtschaft Negativmeldungen zu hören waren, steigerte das Unternehmen aus Neutraubling (Lkr Regensburg) im vergangenen Jahr seine Umsätze kontinuierlich – es ging von Rekord zu Rekord. Ob es so weiter geht, ist aber völlig offen. Das Unternehmen bremst aufkommende Euphorie selbst: Das Geschäftsumfeld sei herausfordernd, es gebe eine Reihe von Unwägbarkeiten wie beispielsweise geopolitische Risiken, hieß es im Herbst.
Schaeffler schluckt Vitesco und streicht Stellen
Wo Licht ist, gibt es aber auch Schatten. Eigentlich war die Fusion des Regensburger Antriebsspezialisten Vitesco mit dem fränkischen Autozulieferer Schaeffler eine äußert geräuschlose Angelegenheit. Nach außen drang nur wenig. Doch dann kam der Paukenschlag: Schaeffler kündigte Anfang November, nur einen Monat nach dem Aus der Marke Vitesco, einen massiven Stellenabbau an: Deutschlandweit sollen 2800 Arbeitsplätze gestrichen werden, davon 734 in Regensburg. Die IG Metall reagierte prompt: Der Abbau von Jobs am früheren Vitesco-Hauptsitz sei „unanständig, unverantwortlich und brandgefährlich für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, kritisierte Regensburgs Erster Bevollmächtigter Rico Irmischer.
Aderlass trotz Zukunftspreis
Doch auch andere Unternehmen in der Region verkündeten einen Stellenabbau – unter anderem zwei Halbleiterhersteller: Infineon aus München kündigte im Mai an, eine mittlere dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen in Regensburg zu streichen. Auch vom österreichischen Konzern ams-Osram hieß es Anfang des Jahres, dass 500 Jobs wegfallen sollen. Grund dafür war ein gescheitertes Micro-LED-Werk in Malaysia. Das wurde zur Investitionsruine, weil ein großer Kunde – wohl der US-amerikanische Tech-Konzern Apple − den Auftrag stornierte. Vom folgenden Stellenabbau war auch Regensburg betroffen, allerdings nur in geringem Ausmaß. Zur Ruhe kam der Konzern aber nicht, im Herbst gab es die nächste Hiobsbotschaft: Erneut sprach das Unternehmen davon, 500 Jobs zu streichen oder zu verlagern. Dieses Mal ist der Standort Regensburg wohl massiv betroffen: 142 Jobs stehen in der Oberpfalz im Feuer. Für Verwunderung sorgt bei manchen, dass auch in der Forschung Arbeitsplätze wegfallen sollen – dabei hat ein Team des Osram-Standorts Regensburg für eine innovative LED-Technologie erst im November den Zukunftspreis des Bundespräsidenten gewonnen.
Zahlreiche Oberpfälzer geehrt
Der Zukunftspreis war aber bei Weitem nicht die einzige Auszeichnung, die 2024 in die Region ging. Zwei weitere Beispiele: Der Forstunternehmer Carl Graf zu Eltz aus Fensterbach im Kreis Schwandorf wurde von den Lesern eines Fachmagazins zum „Waldbesitzer des Jahres“ gekürt. Der Oberpfälzer zeigt, wie nachhaltige Waldbewirtschaftung funktioniert. Freuen durften sich auch zwei Regensburger Unternehmer: Das Gründer-Duo des mittlerweile in München ansässigen Start-ups Anybill, Lea Frank und Tobias Gubo, hat es auf die europäische „30 unter 30“-Liste der renommierten Wirtschaftszeitschrift „Forbes“ geschafft.
Neuer Rekord bei BMW in Regensburg
Auch eine ganze Fabrik aus der Region durfte sich 2024 über eine Auszeichnung freuen: Die Unternehmensberatung Kearney kürte das Regensburger BMW-Werk zur „Fabrik des Jahres“ in der Kategorie „Hervorragende Serienfertigung“. Das Werk sei „vorbildlich und eine Inspiration für die erfolgreiche Produktion am Standort Deutschland“, hieß es. Und tatsächlich kann der Standort auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: Der Autobauer erreichte im Dezember die „Rekordmarke“ von 100 000 gefertigten vollelektrischen Fahrzeugen seit Jahresbeginn. Auch insgesamt zeigte sich Werkschef Armin Ebner vor wenigen Wochen mehr als zufrieden: „Den Vorjahreswert von insgesamt 238 301 gebauten BMW-Automobilen aus Regensburg werden wir 2024 massiv übertreffen – und bei einer Jahresproduktion von deutlich über 330 000 Fahrzeugen landen.“
Werkschließung, sinkender Kurs und ein Neuanfang
In der Region gab es aber – wie überall in Deutschland – auch schlechte Nachrichten aus der Autoindustrie: Der Zulieferer Magna gab im Herbst bekannt, bis Ende 2026 sein komplettes Werk in Neumarkt mit etwa 110 Mitarbeitern schließen zu wollen. Auch bei der Grammer AG aus Ursensollen (Lkr. Amberg-Sulzbach) lief es nicht richtig rund: Der Aktienkurs rauschte innerhalb eines Jahres von fast elf auf etwa fünf Euro ab. Turbulent ging es zudem bei Continental zu: Mehrere Sparprogramme laufen aktuell bei dem Konzern aus Hannover. In Regensburg strich das Unternehmen in diesem Jahr 350 Stellen. Nun will Continental seinen schwächelnde Autozulieferer-Bereich, zu dem auch der Oberpfälzer Standort gehört, abspalten und als selbstständiges Unternehmen an die Börse bringen. Ob das der erhoffte Befreiungsschlag für die strauchelnde Sparte sein wird, bleibt abzuwarten.
Zwei große Herausforderungen
Einen Neuanfang versprechen sich viele Unternehmer aus der Region auch von der Bundestagswahl im Februar. Schließlich hat die bisherige Regierung in den Augen vieler Wirtschaftsvertreter 2024 vor allem zwei Dinge nicht auf die Reihe bekommen – die Energiepreise zu senken und die Bürokratie abzubauen. Vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum großen Industrieunternehmen: Fragte man dieses Jahr nach den aktuell größten Herausforderungen, wurde fast immer mindestens eines der beiden Themen genannt − eine große Aufgabe für die nächste Bundesregierung.