Keine konkreten Zahlen: Infineon hält sich zum Stellenabbau in Regensburg bedeckt

Der bayerische Chiphersteller Infineon streicht 1400 Stellen und verlagert die gleiche Anzahl an Jobs in Länder mit geringeren Lohnkosten. Das hat der Konzern am Montag mitgeteilt. Dass der Standort Regensburg vor allem im Bereich der Fertigung davon erheblich betroffen sein wird, war bereits vorher bekannt. Dazu, wie viele Mitarbeiter in der Oberpfalz genau gehen müssen, hält sich das Unternehmen allerdings bedeckt.
Am Montag sprach das Unternehmen weiterhin nur von einer „mittleren dreistelligen Zahl“. Bereits am Morgen hatte Infineon-Vorstandsvorsitzender Jochen Hanebeck betont, dass man erst die Mitarbeiter informieren wolle, bevor man die das konkrete Ausmaß des Stellenabbaus für einzelne Standorte nennen wolle. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern ist das in Regensburg am Dienstagvormittag geschehen. Auf eine neuerliche Anfrage, teilte Infineon-Sprecher Andre Tauber allerdings mit, dass man entschieden habe vorerst keine konkreten Zahlen für einzelne Standorte zu nennen.
Wieso Infineon diese Strategie fährt, ist unklar. Tauber erklärte am Dienstag nur, dass die Hälfte der Stellen, die in Deutschland wegfallen beziehungsweise verlagert werden sollen, in Regensburg angesiedelt sind. Das hat allerdings nur eine geringe Aussagekraft: Es ist unklar, in welchem Ausmaß beispielsweise Standorte in den USA von den Sparmaßnahmen betroffen sind. Einzig für Infineon Österreich drang am Montag eine Zahl nach außen: 380 der 6000 Stellen sollen dort Medienberichten zufolge in den nächsten zwei Jahren wegfallen.
Betriebsratsvorsitzender Dechant: Großer Schock im Mai
In Regensburg beschäftigt der Halbleiter-Hersteller aktuell noch rund 3100 Mitarbeiter. Als diese im Mai erstmals über den Stellenabbau informiert wurden, sei das ein großer Schock gewesen, sagte gestern Johann Dechant, sowohl Vorsitzender des Konzernbetriebsrats als auch des Betriebsrats Regensburg. Er nannte ebenfalls keine Details zum Stellenabbau in der Oberpfalz. Er befinde sich aktuell inmitten von Gesprächen mit dem Arbeitgeber, sagte der Gewerkschafter. Die Betriebsräte versuchten aktuell alles, um die Zahl der von Jobabbau oder -verlagerung betroffenen Mitarbeiter zu reduzieren oder sogar ganz auf Null zu bringen. Dazu wurden sogar externe Berater ins Boot geholt. Alle von Infineon angekündigten Maßnahmen gelte es nun betriebswirtschaftlich zu prüfen und zu hinterfragen, um dem Unternehmen Alternativen aufzuzeigen, sagte Dechant.
Infineon-Sprecher Tauber betonte gestern erneut, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde. „Die natürliche Fluktuation und die Altersteilzeit werden genutzt.“ Außerdem wolle man betroffenen Mitarbeitern „Angebote zur einvernehmlichen und freiwilligen Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse“ machen, erklärte Tauber. Er bekräftigte auch die bedeutende Rolle, die der Standort Regensburg im Konzern einnimmt. Es handele sich um einen wichtigen Innovationsstandort, sagte Tauber. Auch Vorstandsvorsitzender Jochen Hanebeck bekannte sich am Montagmorgen zu Regensburg: „Es geht darum, den Standort fit für die Zukunft zu machen.“ Man richte ihn stärker auf Innovation aus. Damit sei er „für viele Jahre gesichert“. Unter den Mitarbeitern sorgte das Dechant zufolge zumindest für teilweise Erleichterung.