Schock in Regensburg: Schaeffler will 734 Stellen abbauen – Auto-Standort massiv unter Druck

Von Christian Eckl · 5. November 2024 um 10:43

Nach der Ankündigung von Schaeffler, trotz satten Gewinnen im dreistelligen Bereich europaweit 4700 und deutschlandweit 2800 Stellen abzubauen, ist nun klar: Auch Regensburg ist massiv vom Aderlass betroffen. Betriebsrat und IG Metall sind schockiert über die massiven Einsparmaßnahmen.

Am Dienstag ging es Schlag auf Schlag. Um kurz vor 8 Uhr versendete Schaeffler seine Quartalszahlen. Demnach sank der Gewinn vor Steuern wegen des rückläufigen China-Geschäfts von 964 auf 713 Millionen Euro in den ersten neun Monaten des Jahres. Dann kam die Ankündigung, in Europa Tausende von Stellen abzubauen. Um 8.30 Uhr informierte der Konzern auch den Betriebsrat von Schaeffler in Regensburg, dem Standort, der vor wenigen Wochen noch eigenständig war und Vitesco hieß. Das Resultat: 734 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Die IG Metall machte klar, dass sie den Kahlschlag nicht akzeptieren will. „Mit einem derart radikalen Schlag konnte niemand rechnen“, sagte Rico Irmischer, der erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Regensburg. „Wir haben die Übernahme durch Schaeffler jetzt ein Jahr lang sehr positiv und wohlwollend begleitet, die Beschäftigten immer beruhigt, statt sie mit vielleicht drohenden Gefahren einer Fusion zu verunsichern.“ Nur fünf Wochen nach der Übernahme habe das Unternehmen „jetzt keine bessere Idee als einen hektischen, konzeptlosen Arbeitsplatzabbau anzukündigen“.

Das sei ein Schock für die Beschäftigten. „Als Dank für die besonderen Anstrengungen des letzten Jahres, sowohl in der Administration als auch in der Technologie, bekommen die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen einen Schlag in die Magengrube und die Aussicht auf Arbeitsplatzverlust“, so Irmischer weiter. Das sei „unanständig, unverantwortlich und brandgefährlich für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“.

Carsten Bruns, Betriebsratsvorsitzender von Vitesco in Regensburg, stellt klar: „Wir akzeptieren nicht, dass an unserem Standort 734 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren sollen.“ Bisher wurden keine Verhandlungen mit dem Betriebsrat oder der IG Metall zu tragfähigen Lösungen für Regensburg oder den gesamten Konzern geführt, hieß es von Bruns. Und weiter: „Mir fehlt jegliches Verständnis für diesen massiven Personalabbau!“ In Regensburg muss nun jeder vierte Beschäftigte bei dem früheren Konzern Vitesco um seinen Job bangen. „Betriebsrat und IG Metall werden sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass dieses Schreckensszenario nicht eintreten wird“, schloss der Betriebsrat.

Oberbürgermeisterin entsetzt über Ankündigung

Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer reagierte auf Anfrage der Mediengruppe Bayern am Dienstag so: „Das ist eine bittere Nachricht. Ich bin bestürzt über den geplanten Stellenabbau bei der Vitesco Technologies Group AG.“ Wenn Arbeitsplätze verloren gehen, „betrifft uns das alle – nicht nur die Beschäftigten und deren Familien“, so die SPD-Politikerin weiter. „Leider hat sich unsere Befürchtung, dass die schwächelnde Automobilbranche auch Auswirkungen auf Unternehmen in Regensburg hat, heute bewahrheitet.“

Schaeffler äußert sich offiziell nicht zu Zahl der Stellen

Der Konzern selbst äußerte sich offiziell nicht zu dieser Zahl. „Es ist Schaeffler ein Anliegen, den Abbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, hieß es lediglich auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Das solle mit einem Mix aus „Fluktuation, Freiwilligenprogrammen, Altersteilzeit und internen Versetzungen erreicht werden“, so ein Sprecher weiter. „Da diese Maßnahmen in großen Teilen auf Freiwilligkeit beruhen, können wir aktuell noch keine genaueren Angaben zum Umfang in bestimmten Bereichen oder zu betroffenen Mitarbeitenden machen.“ Bei allen Maßnahmen in Deutschland gelte die Zukunftsvereinbarung der Schaeffler Gruppe weiterhin.