Schaeffler verkündet Kahlschlag und baut 2800 Stellen in Deutschland ab – Angst in Regensburg

Von Christian Eckl · 5. November 2024 um 08:08

Hiobsbotschaft kurz nach Vitesco-Übernahme für Regensburger Beschäftigte: Der Autozulieferer Schaeffler will deutschlandweit 2800 Stellen abbauen. Informierte Kreise rechnen damit, dass auch am früheren Vitesco-Standort mehrere hundert Arbeitsplätze gefährdet sind.

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Die Eruptionen auf dem deutschen Automobilsektor erreichen nun direkt Regensburg. Und das mit voller Wucht. Am Dienstag wurde bekannt, dass der fränkische Automobilzulieferer Schaeffler (Standorte unter anderem in Ingolstadt und Nürnberg) mit Sitz in Herzogenaurach 2800 Stellen deutschlandweit abbauen will. Das Problem: Erst vor wenigen Wochen hat Schaeffler offiziell den bis dahin selbstständigen Regensburger Konzern Vitesco geschluckt. Insider rechnen damit, dass auch am Standort Regensburg mehrere hundert Stellen betroffen sein werden.

Der Konzern verkündete am Dienstagmorgen folgendes: Die Maßnahmen sehen einen Bruttoabbau von rund 4700 Stellen vor, von denen zirka 2800 auf Deutschland entfallen. Verlagerungen reduzieren den Nettoabbau auf rund 3700 Stellen. Dies entspricht in etwa 3,1 Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl nach dem Zusammenschluss, die sich seit Oktober 2024 um rund 35.000 auf rund 120.000 Beschäftigte erhöht hat, hieß es am Dienstag vom Konzern.

Schaeffler: Zehn Standorte in Deutschland betroffen

Von den Abbaumaßnahmen sind in Deutschland zehn Standorte betroffen. Daneben sind fünf weitere Standorte in Europa betroffen, von denen zwei geschlossen werden sollen. Weitere Informationen zu diesen Standorten werden bis Ende des Jahres bekannt gegeben. Die Umsetzung der Maßnahmen soll mehrheitlich zwischen 2025 und 2027 erfolgen.

Die Maßnahmen führen ab 2029 zu einem jährlichen Einsparpotenzial von rund 290 Millionen Euro. Davon entfallen rund 75 Millionen Euro auf Kostensynergien aus dem Zusammenschluss mit Vitesco, die in dem bei Ankündigung der Transaktion genannten Zielwert von 600 Millionen Euro pro Jahr enthalten sind. Die Umsetzung der heute angekündigten Maßnahmen erfordert einen Einmalaufwand in Höhe von rund 580 Millionen Euro, der sich maßgeblich aus Rückstellungen und Verlagerungskosten zusammensetzt.

Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, sagte: „Mit den heute angekündigten Maßnahmen packen wir drei Dinge an: Wir bringen unser Lager- und Industriegeschäft zurück auf Kurs. Zweitens realisieren wir Kostensynergien aus dem Zusammenschluss mit Vitesco Technologies. Und drittens setzen wir die Transformation der Sparten Powertrain & Chassis und E-Mobility weiter fort. Das Programm ist in der aktuellen Umfeldlage notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schaeffler Gruppe langfristig zu sichern. Wir werden es sozialverträglich und mit Augenmaß umsetzen.“

Regensburg wird Sitz einer Sparte, verliert aber Mitarbeiter

Auch zum Standort Regensburg äußerte sich der Konzern: Schaeffler und Vitesco haben im Zuge der Integration eine Größenordnung von 600 Millionen Euro pro Jahr an Synergien vereinbart, die im Jahr 2029 vor allem durch Wachstum sowie Skaleneffekte im Einkauf erreicht werden sollen. Ein nachgeordneter Teil der Synergien soll wie bereits angekündigt auch durch Personalabbaumaßnahmen realisiert werden. Davon sind insbesondere die Funktionsbereiche und die Zentralabteilungen an den Hauptsitzen Regensburg und Herzogenaurach betroffen, aber auch der Bereich Forschung & Entwicklung.

Einen geringen Trost gibt es für die früheren Vitesco-Mitarbeiter: Regensburg wird zukünftig Sitz des Unternehmensbereichs Powertrain Solutions der Sparte Powertrain & Chassis von Schaeffler. Sitz der neuen Sparte E-Mobility von Schaeffler wird Herzogenaurach, das zugleich Sitz der Konzernzentrale bleibt.

Im Ergebnis führen die Anpassungen zum Abbau von zirka 600 Stellen, die auf Deutschland und hier maßgeblich auf die beiden genannten Standorte entfallen. Zu diesen Zahlen tragen die beiden Unternehmen etwa im gleichen Verhältnis bei. Am Standort Regensburg dürften aber insgesamt einige Stellen mehr betroffen sein.

Dabei hatte Schaeffler am Dienstag zeitgleich mit der Ankündigung des Stellenabbaus auch Zahlen vorgelegt. Zwar ging der Gewinn aufgrund der Entwicklung in China zurück, der Umsatz lag aber mit 12,2 Milliarden Euro sogar knapp über dem Vorjahreszeitraum. Und auch der Gewinn vor Steuern lässt sich sehen: In den ersten neun Monaten des Jahres lag dieser bei 713 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es allerdings 964 Millionen.

Auf und Ab am Standort Regensburg

Der Standort Regensburg erlebte mit Vitesco bereits ein Auf und Ab. Eigentlich feierte man im Herbst 2021 Richtfest für ein nigelnagelneues Gebäude, das als Vitesco-Zentrale dienen sollte. Zum Richtfest war unter anderem die Regensburger Oberbürgermeisterin gekommen, auch zahlreiche Wirtschaftsvertreter machten dem Konzern ihre Aufwartung. 1000 Mitarbeiter hätten umziehen sollen. Doch dann kam die Absage: „Nachdem der Mietvertragspartner die vertraglichen Verpflichtungen nicht zeitgerecht und vollständig erfüllt hatte, hat Vitesco Technologies nach gründlicher Abwägung die Entscheidung getroffen, dass das mit besagter Immobilie verbundene Risiko für Vitesco Technologies zu groß gewesen wäre“, hieß es im Juni 2023. Bis heute suchen die Investoren noch nach Mietern, zumindest markiert ein prominent angebrachtes Plakat an dem Gebäude dies.