Trotz Zukunftspreis: Bei Osram sollen auch Jobs in der Forschung wegfallen – Wie passt das zusammen?

Von Franziska Mahler · 10. Dezember 2024 um 05:00

Ende November verkündete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Forscherteam von ams Osram und dem Fraunhofer IZM als die Gewinner des Deutschen Zukunftspreises. Doch während die Freude über die Auszeichnung zurecht groß ist, wächst die Verunsicherung bei der Belegschaft in Regensburg.

Zum Hintergrund: Mit dem „Digitalen Licht“ hat ams Osram eine LED-Lichtquelle entwickelt, deren Licht man präzise und digital steuern kann. Nachts ist man mit permanentem Fernlicht unterwegs. Kommt jemand entgegen, wird der Bereich, der den Gegenverkehr blenden würde, automatisch abgeschaltet. Außerdem ist es möglich, Symbole auf die Fahrbahn zu projizieren – zum Beispiel eine Schneeflocke bei Frostgefahr.

Die Umsetzung war jedoch sehr aufwändig und bedeutete jahrelange Arbeit. Denn für den Scheinwerfer ist ein LED-Halbleiter-Chip nötig, der in 25.600 Pixel unterteilt ist. Jeder davon ist einzeln ansteuerbar, um diesen an- und auszuschalten.

Scheinwerfer-Technologie ist ein wirtschaftlicher Erfolg

Nicht nur wegen des Preises hat sich die Arbeit gelohnt: Die Scheinwerfer-Technologie (Eviyos-System) ist mittlerweile in vielen Automodellen verbaut – zum Beispiel im Volkswagen Tiguan oder Touareg. „Weltweit sind viele weitere Automobilhersteller interessiert“, sagt Pressesprecher Volker Gieritz. Insgesamt soll das System Osram in den kommenden Jahren einen Umsatz von 450 Millionen Euro einbringen, hieß es im Oktober.

Derzeit liege der Fokus darauf, die Einführung in weiteren Modellen voranzutreiben. Die Energie-Effizienz soll gesteigert werden, so Gieritz. Doch die Basistechnologie des „Digitalen Lichts“ eröffnet auch weitere Anwendungsfelder – zum Beispiel im Augmented-Reality-Bereich oder bei der optischen Datenkommunikation zwischen Computerchips, etwa in Datenzentren für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. „Diese Anwendungsbereiche zeigen das enorme Potenzial des digitalen Lichts, um die Schnittstelle von Menschen und Elektronik zu revolutionieren“, so Gieritz. Aus Wettbewerbsgründen könne man sich jedoch nicht zum genaueren Stand der Forschung äußern.

Welche Folgen hat der Stellenabbau für den Innovationsstandort?

Osram war bereits 2016 für den Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert, 2007 gewann ein Team die Auszeichnung. „Forschung und Entwicklung waren und sind ein essenzieller Bestandteil unserer DNA. “ Doch der Erfolg wird überschattet: Im November wurde klar, dass beim Halbleiterhersteller 500 Jobs gestrichen werden sollen. In Regensburg, wo insgesamt 2850 Menschen beschäftigt sind, spricht Osram von einer niedrigen dreistelligen Zahl – vor allem im verwaltungsnahen Bereich, so Gieritz. Auch im Bereich der Entwicklung sollen dem Unternehmen zufolge Jobs wegfallen oder ins Ausland verlagert werden – vor allem nach Malaysia.

Konkret sind nach Informationen der Mediengruppe Bayern in Regensburg 142 Stellen betroffen. Auch in der Forschung und IT sollen Jobs wegfallen. „Wir können das nicht nachvollziehen“, sagt Olga Redda, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg. Gerade jetzt, wo man durch den Zukunftspreis wieder einmal die Innovation bewiesen hat, die von diesem Standort ausgeht, könne man nicht genau in diesem Bereich Einschnitte vornehmen.

Verhandlungen ziehen sich noch

Den Fortschritt am Standort sieht sie dadurch in Gefahr.„Der Zukunftspreis zeigt, dass man innovativ auf dem richtigen Weg ist, aber diesen Weg verlässt Osram.“ Die Belegschaft sei verunsichert, so Redda. Die Verhandlungen werden sich aber wohl noch bis nach Weihnachten hinziehen.

„Regensburg bleibt der Innovationsstandort für optische Emitter bei ams Osram und der wichtigste Forschungs- und Entwicklungsstandort für optoelektronische Halbleiter in Europa. Wir werden auch künftig die Entwicklung innovativer LED-Technologien, die mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet wurden, von Regensburg aus vorantreiben“, sagt Sprecher Volker Gieritz.