Stellenabbau bei Osram in Regensburg: CEO spricht von „Fertigungsverbund“ mit Malaysia

Von Lorenz Nix · 7. November 2024 um 16:17

Der Halbleiterhersteller ams-Osram kommt nicht zur Ruhe. Am Donnerstag hat der österreichische Konzern erneut einen Stellenabbau angekündigt. 500 Jobs werden gestrichen – inzwischen ist klar, wie Arbeitsplätze am Standort Regensburg in Gefahr sind.

Zwar sprach Vorstandsvorsitzender Aldo Kamper bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Donnerstag von „soliden Umsätzen“ in einem „zunehmend schwierigen Umfeld“. Man müsse allerdings weiter sparen. Deshalb kündigte der österreichische Konzern erneut einen Stellenabbau an. 500 Jobs sollen insgesamt wegfallen oder verlagert werden. Wieder ist der Standort Regensburg erheblich betroffen.

Konkrete Zahlen nannte Kamper allerdings nicht. „In Regensburg wird eine niedrige dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen abgebaut“, sagte er gegenüber der Mediengruppe Bayern. Wie aus gut informierten Kreisen zu vernehmen war, sind mehr als 140 Jobs betroffen – deutlich mehr als in München, wo demnach 45 Stellen abgebaut werden sollen.

ams-Osram: Fertigungsverbund Malaysia-Regensburg

Dem Unternehmen zufolge sind vor allem Mitarbeiter außerhalb der Produktion betroffen. Auch in Regensburg, wo insgesamt 2850 Menschen beschäftigt sind, soll laut Kamper die Verwaltung verkleinert werden. Zudem sollen im Bereich der Entwicklung Jobs wegfallen oder ins Ausland verlagert werden – vor allem nach Malaysia.

Dort ist der Konzern bereits seit längerem aktiv – und will sein Engagement wohl weiter ausbauen, wie gestern deutlich wurde. Kamper, der lange Jahre Chef bei Osram in Regensburg war, sieht das aber nicht als Nachteil für den Oberpfälzer Standort. Ganz im Gegenteil: „Mit der Kombination Regensburg-Malaysia sehen wir uns gut aufgestellt.“ Er spricht dabei von einem „Fertigungsverbund“. Regensburg soll dabei weiter eine bedeutende Rolle einnehmen.

„Unser größtes Segment sind hier die LED-Technologien“, sagte Kamper. „Die wichtigsten Innovationen in dem Bereich kommen aus Regensburg.“ Dort sollen diese dem Vorstandsvorsitzenden zufolge dann auch produziert werden – zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Sollten dann Produkte unter Druck geraten, weil beispielsweise in Asien produzierende Hersteller auf den Zug aufspringen, sei Regensburg nicht mehr der richtige Standort für die Fertigung großer Stückzahlen, so Kamper. In Malaysia könnte dann günstiger produziert werden.

Das hat dem ams-Osram-Chef zufolge auch Vorteile für den Oberpfälzer Standort: „Malaysia sichert durch den Fertigungsverbund auch den Standort Regensburg.“ Dort würden dann Kapazitäten für die Entwicklung neuer Innovationen sowie die Produktion kleinerer Stückzahlen frei. „Regensburg ist und bleibt ein unglaublich wichtiger Standort“, betonte Aldo Kamper.

„Skandal“: Scharfe Kritik der IG Metall

Kritik kommt naturgemäß von Gewerkschaftsseite. „Für uns ist das ein Skandal“, sagte Olga Redda, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, am Donnerstag. Die Mitarbeitenden müssten „massive Fehlentscheidungen“ aus der Vergangenheit ausbaden – beispielsweise die hohe Verschuldung nach der Übernahme von Osram durch ams sowie das gescheiterte Micro-LED-Werk in Malaysia. Das wurde zur Investitionsruine, weil ein großer Kunde – wohl der US-amerikanische Tech-Konzern Apple − den Auftrag stornierte.

Als das im Februar diesen Jahres bekannt wurde, kündigte ams-Osram einen Abbau von 500 Jobs an – einige in Regensburg. Dem Unternehmen zufolge waren es an dem Standort dann aber weniger als gedacht. Von einer „sehr niedrigen zweistelligen Anzahl“ war am Donnerstag vom Konzern die Rede. Das sei nur durch Zugeständnisse der Arbeitnehmer möglich gewesen, so Olga Redda. Nun werde man erneut darum kämpfen, die Zahl der vom Abbau betroffenen Jobs nach unten zu drücken.

Die Gewerkschafterin zeigte sich auch davon irritiert, dass in Regensburg in der Forschung Jobs wegfallen sollen. „Das ist die Zukunft“, kritisierte Redda.