Ams Osram will Deutschen Zukunftspreis mit intelligenter LED-Technologie gewinnen

Von Franziska Mahler · 9. Oktober 2024 um 05:00

Nur wer Gefahren im Straßenverkehr rechtzeitig erkennt, kann reagieren. Nachts funktioniert das am besten mit Fernlicht. Doch immer wieder kommt es vor, dass man den Gegenverkehr blendet. Ein Team von ams Osram und dem Fraunhofer IZM setzt dem ein Ende. Hinter dem „Digitalen Licht“ steckt aber noch viel mehr als nur Beleuchtung.

Es ist nicht das erste Mal, dass ams Osram auf der Nominiertenliste des Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation steht. Schon 2016 war das der Fall. 2007 gewann ein Team die Auszeichnung. In diesem Jahr wollen Dr. Norwin von Malm und Stefan Grötsch sowie Dr. Hermann Oppermann vom Fraunhofer IZM die Jury überzeugen. Vorgeschlagen wurden sie vom Fraunhofer Institut.

Licht lässt sich präzise und digital steuern

Ihre Scheinwerfer-Technologie (Eviyos-System) ist klein und effizient: „Mit dem Digitalen Licht haben wir eine LED-Lichtquelle entwickelt, deren Licht man präzise und digital steuern kann“, sagt von Malm, Senior Director für neue Technologien bei ams Osram. Das bedeutet: Man kann entscheiden, wo Licht hinfällt. Nachts ist man also mit permanentem Fernlicht unterwegs. Kommt jemand entgegen, wird der Bereich, der den Gegenverkehr blenden würde, automatisch abgeschaltet.

Was einfach klingt, ist technisch sehr aufwändig: Ein LED-Halbleiter-Chip muss dazu in sehr viele kleine Segmente – sogenannte Pixel – unterteilt werden, insgesamt in 25.600. „Deren Größe entspricht gerade einmal dem halben Durchmesser eines menschlichen Haares“, sagt von Malm. Jeder Pixel muss einzeln ansteuerbar sein, um diesen an- und auszuschalten. Dafür braucht es jeweils eine separate Stromquelle. Die Verbindung zwischen LED-Pixel und Elektronik ist jedoch kompliziert, sagt von Malm. Deshalb musste eine spezielle, strukturierte Verbindungsschicht entwickelt werden.

Mehr Sicherheit auf den Straßen

Durch die Technologie wird die Straße komplett ausgeleuchtet. „Wir retten damit Leben“, ist sich von Malm sicher. Außerdem ist es möglich, Symbole auf die Fahrbahn zu projizieren. Fängt es zum Beispiel an zu schneien und die Sensoren des Fahrzeugs erkennen das, erscheint eine Schneeflocke. Möglich sei ebenso eine Geisterfahrer-Warnung, wenn man sich auf der falschen Spur befindet. In Engstellen könne die Fahrzeugbreite mittels Leitlinien dargestellt werden.

Das Eviyos-System ist ein wirtschaftlicher Erfolg für ams Osram. Es ist mittlerweile in über 50 Automodellen eingeplant und bringt dem Unternehmen summiert in den kommenden Jahren einen Umsatz von 450 Millionen Euro ein. „In der Automobilbranche gibt es sehr großes Interesse an der Technologie“, sagt von Malm. Er ist sich sicher, dass die Technologie in den nächsten Jahren „bei fast allen Marken“ genutzt wird.

Jahrelang an Technologie gearbeitet

Hinter diesem Erfolg steckt viel Arbeit. Die Idee, LED als aktives bildgebendes Element zu nutzen, entstand bereits Anfang der 2000er Jahre, erinnert sich Grötsch, der bei ams Osram das Team für Hard- und Softwareentwicklung im System Solution-Engineering des Mobility Bereichs leitet. Mit der Arbeit begonnen habe man 2012. Circa vier Jahre später gab es Grund zu feiern, denn das Bauteil, integriert in einen Scheinwerfer, funktionierte. Aber: Die Pixelanzahl war zu niedrig, um Symbole auf die Fahrbahn zu projizieren, so von Malm. Also wurde die Anzahl von 1000 auf 25.600 erhöht, wodurch die Komplexität des Produkts zunahm.

Die Basistechnologie des „Digitalen Lichts“ bietet noch viele Möglichkeiten, die über Beleuchtung hinaus gehen. „Wir arbeiten in unterschiedlichen Reifegraden an vielen anderen Applikationen.“ Diese könnten „die Schnittstelle zwischen Mensch und Elektronik revolutionieren“, sagt von Malm. Mit der Technologie könne man zum Beispiel Augmented-Reality-Brillen bauen. Diese brauchen einen Bildgeber, der ein digitales Bild erzeugt. Dieses wird der realen Umgebung übergelagert. „Weil niemand große Helme aufsetzen will, muss der Bildgeber sehr klein und energieeffizient sein. Genau das kann man mit der Technologie des Digitalen Lichts erreichen.“ Im KI-Bereich ermöglicht die Technologie einen schnelleren, energieeffizienteren Transfer von großen Datenmengen mittels optischer statt elektrischer Signale.

Weitere Informationen zum Preis

Verleihung: Die finale Entscheidungsrunde und die Verleihung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier findet am 27. November in Berlin statt. „Wir sind sehr gespannt, wie sich die Jury entscheiden wird. Wir hoffen, dass wir gewinnen“, sagt von Malm.

Nominierte: Neben dem Team von ams Osram und dem Fraunhofer IZM sind noch zwei Teams nominiert. Die Themen: „Demokratisierung Generativer KI“ und „Power für die Energiewende – Große Antriebe elektrifizieren mit revolutionären Energiesparchips“.

Wollen den Preis gewinnen: Dr. Norwin von Malm (Mitte), Stefan Grötsch (r.) sowie Dr. Hermann Oppermann.