Osram macht Tafelsilber zu Geld – Chinesen zahlen 45 Millionen in bar

Von Christian Eckl · 3. September 2024 um 17:12

Der Leuchtmittelhersteller ams Osram hat einen Deal verkündet: Eine chinesische Firma bezahlt 45 Millionen Euro in bar für Forschungsgebäude und geistiges Eigentum. Hintergrund sind Umstrukturierungen des Konzerns. In Regensburg sei dies fast abgeschlossen – mit dem Betriebsrat habe man sich über einen Stellenabbau geeinigt. Nur mit den betroffenen Mitarbeitern müsse man noch sprechen.

Er ist seinem Plan, Osram wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, einen Schritt weitergekommen: ams Osram-Vorstand Aldo Kamper verkündete jetzt, dass Vermögenswerte im Wert von 45 Millionen Euro an das chinesische Unternehmen Focuslight Technologies mit Sitz im chinesischen Xi‘an übergegangen sind. Das Ungewöhnliche bei dem Deal: Die Chinesen zahlten bar.

Wörtlich sagte Kamper: „Ich freue mich, dass der Verkauf relevanter Assets im Bereich der Passiven Optischen Komponenten an Focuslight Technologies genau nach Plan abgeschlossen werden konnte.“ Und weiter: „Der Ausstieg aus dem nicht zum Kern unseres Halbleitergeschäfts gehörenden Portfolios ist ein Schlüsselelement unseres strategischen Effizienzprogramms ‚Re-establish the Base‘.

Bereits bei der Verkündigung der Zahlen für das erste Halbjahr verwies der Konzern auf das Programm. ams Osram war in die Schlagzeilen geraten, weil der Konzern in Malaysia eine Fabrikhalle gebaut hatte, die nun leer steht. Ein Auftrag im Volumen von einer Milliarde Euro im Zukunftsbereich Mikro-LED war geplatzt – angeblich war der Auftraggeber Apple, der seine Pläne in Bezug auf die Apple Watch mit Mikro-LED aufgrund der nach wie vor hohen Produktionskosten in die Tonne trat.

Kamper hatte bei der Vorstellung der Zahlen für das erste Halbjahr auch bekannt gegeben, dass man sich im Regensburger Werk aufgrund des stornierten Auftrags von Leiharbeitern getrennt habe. Das Restrukturierungsprogramm, so sagte Kamper jetzt, laufe gut: „Wir sind voll im Plan, die versprochenen Einsparungen zu erreichen, also, verglichen mit den Ist-Werten von 2023, 75 Millionen Euro bis zum Ende des Geschäftsjahres 2024 und 150 Millionen Euro an laufenden Kosten bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025.“

Dass die chinesische Firma den Betrag von 45 Millionen Euro in bar bezahlte, relativiert ein Sprecher, indem er erklärt, was bar im Wirtschaftsverkehr global bedeutet: „Bei den meisten Transaktionen ist es gang und gäbe, dass diese in bar – per elektronischer Überweisung – beglichen werden. Solche Transaktionen sind zu unterscheiden von solchen, bei denen in Aktien oder in einer Mischung von Aktien und Barmitteln bezahlt wird.“

Die leer stehende Fabrikhalle in Malaysia ist indes noch nicht verkauft. „Wir befinden uns in einem strukturierten Prozess mit interessierten Parteien. Auf Grund der Komplexität des Vorgangs wird er noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt der Osram-Sprecher. Zu den Umstrukturierungen, die nach dem Vertrags-Aus für die Mikro-LEDs auch für das Regensburger Werk angekündigt wurden, sagt der Sprecher, dass diese zwar bereits mit dem Betriebsrat, aber noch nicht mit den betroffenen Mitarbeitern besprochen seien. Dem wolle man „nicht vorgreifen“, so der Sprecher.