Osram: Trendwende trotz Micro-LED-Debakel – Milliarden-Fabrik in Malaysia steht zum Verkauf

Die Geschäftsführung von ams-Osram betonte bei der Vorstellung der Quartalszahlen den Erfolg des „Re-establish the Base“-Programms und steuert wieder Richtung Gewinnzone. Trotz schwächelnder Auto-Konjunktur legt man in dem Bereich zu. CEO Kamper sagt über das Regensburger Werk: „Wir geben Gas.“
Für unangenehme Entscheidungen wählen Manager weltweit agierender Konzerne gerne Anglizismen. Das haben sie entweder an den Unis gelernt, oder sie glauben, dass sich die englische Sprache schlicht weicher anhört für die Betroffenen. „Re-establish the Base“-Programm nennt sich eine Umstrukturierung beim LED-Produzenten ams-Osram. Am Freitag präsentierte Osram, das nach einer Übernahme Tochterkonzern des österreichischen Unternehmens ams ist, Zahlen – und die sind erfreulicher als noch vor drei Monaten, auch wegen der Maßnahmen zur Umstrukturierung.
Osram-Vorstandsvorsitzender Aldo Kamper klang optimistisch. „Die Entwicklung ist erfreulich“, sagte der gebürtige Niederländer, der lange Jahre Werkleiter in Regensburg war. Der Umsatz von Osram lag bei 819 Millionen Euro m ersten Halbjahr. Das bereinigte Ergebnis konnte Kamper mit 135 Millionen Euro präsentieren. Die Trendwende sei eingeleitet, so der Tenor.
Dennoch spielt in den Kennzahlen das Debakel um einen geplatzten Auftrag im Bereich Micro-LED eine große Rolle. Wie den Zahlen zu entnehmen ist, führte die Anpassung der Strategie zu Wertminderungs-Aufwendungen in Höhe von 513 Millionen Euro. Weitere Transformations-Kosten beliefen sich demnach auf 119 Millionen Euro.
„Leiharbeitern gekündigt“
Kamper ging nur knapp auf die nach wie vor das ams-Osram-Ergebnis belastenden Umstände ein. „Wir haben die Verträge mit den Leiharbeitern gekündigt“, sagte er beispielsweise. Nach wie vor offen ist, wer die speziell für die Micro-LED-Produktion gebauten Fabrik im malaysischen Kulim übernehmen soll.
Kamper sagte, es gebe viele Interessenten. Nach wie vor nicht klar ist aber, ob die für eine Milliarde Dollar gebaute Fabrik verkauft werden kann – oder ob es einen Interessenten gibt, der die Leasing-Raten dafür übernimmt. Man habe bereits im Februar darauf hingewiesen, dass „dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen wird“, sagte der CEO von ams-Osram. Als bekannt wurde, dass die Fabrik eine Fehlinvestition war, fiel der Aktienkurs beispielsweise an der Börse in Zürich um zeitweise über 40 Prozent.
Micro-LED gilt zwar als Zukunftstechnologie, doch verteuert diese Technik auch Produkte wie Smartphones oder Smartwatches. Der Premium-Hersteller Apple soll der Auftraggeber gewesen sein, der sich schließlich zurückzog und damit die Strategie bei ams-Osram massiv ins Straucheln brachte. Auch Apple-Kunden sind offenbar nur bedingt bereit, Höchstpreise für ihre Geräte zu bezahlen. Überraschend positiv ist nach wie vor die Nachfrage im Bereich Automobilteile. Hier verzeichnete asm-Osram sogar ein strukturelles Wachstum. Ob das so bleibt, ist allerdings eher zweifelhaft. Die Erwartungen für die Automobilbranche wurden jüngst nach unten korrigiert. Dem wird sich wohl auch ams-Osram nicht entziehen können.
Zusammenarbeit mit RoboSense in China
Allerdings setzt Kamper auf Kooperationen in Bereichen, die Wachstum versprechen: Beispielsweise mit dem chinesischen Anbieter RoboSense, der im Bereich des autonomen Fahrens führend ist. Und auch mit VW hat ams-Osram ein Pilotprojekt gestartet, von dem sich die Konzernspitze erhofft, dass es auch auf andere Autohersteller ausgerollt werden kann. „Wir haben hier beste Ausgangssituationen“, sagte Kamper mit Blick auf den Autobereich. „Wir glauben, das ist erst der Anfang.“ Positive Entwicklungen schilderte der Osram-CEO noch in weiteren Segmenten. So entwickelte sich beispielsweise das Geschäft mit der Sensor-Technologie in Smartphones gut. „Wir sind in fast jedem Premiumgerät vertreten“, sagte Kamper. Auch bei professionellen Beleuchtungen sei ams-Osram nach wie vor gut im Geschäft. Das klassische Geschäft mit Leuchtmitteln etwa im Automobilbereich werde nun wieder zurückgehen, das sei aber saisonbedingt: „Die sogenannte dunkle Jahreszeit ist die, in der man in Europa und den USA alte Lampen auswechselt.“ Erfreulich entwickle sich auch das Geschäft mit Pflanzen- und Gewächshäuser-Beleuchtung.
Gewächshaus-Beleuchtung hat Konjunktur
Zusammenfassend lässt sich feststellen angesichts der vorgelegten Zahlen, dass sich trotz der hohen Transformationskosten für den Konzern die durch aufgegebene Projekte notwendig gewordene Umstrukturierung langsam auszahlt. Langfristige Wachstumsaussichten sind klar gegeben. Kamper brachte das auch so auf den Punkt: „Wir sind auf dem richtigen Weg und rechnen mit steigenden Umsätzen und einer verbesserten Rentabilität.“
„Regensburg gibt Gas“
Auf die Situation im Regensburger Werk angesprochen, sagte der ams-Osram-Chef: „Wir haben im wesentlichen die Entwicklungsressourcen umgewidmet im Kernportfolio und wir geben noch mehr Gas.“
