Keine Micro-LEDs für Apple: Osram baut 500 Jobs ab – zum Teil in Regensburg

Von Christian Eckl · 26. April 2024 um 14:44

Das Unternehmen verlagerte nach Stornierung eines Auftrags mit Apple Ressourcen in die Automobilindustrie. CEO Aldo Kamper bekennt sich zum Standort Regensburg, sagt aber nicht, wie viele Jobs am Standort wegfallen.

Das Unternehmen ams-Osram hat seine Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Eine wesentliche Rolle spielte dabei aber der überraschend stornierte Großauftrag, der ausgerechnet den Innovationsbereich Micro-LED betraf. Diese Bildschirmtechnologie basiert auf Leuchtioden. Spekuliert wird, dass der Tech-Gigant Apple der Konzern war, der den Auftrag stornierte – bereits vor einem Jahr hatte Apple selbst die Entwicklung dieser Technologie für die Apple Watch eingestellt. Traditionell gilt das Unternehmen aber als sehr verschwiegen. Und auch am Freitag bei der Vorstellungen der ams-Osram-Zahlen schwieg man sich über die Hintergründe aus. Dabei trug Aldo Kamper, Vorstandsvorsitzender der ams Osram, am Freitag selbst eine Apple Watch. Auf Nachfrage schmunzelte Kamper, er würde sich auch eine längere Akkulaufzeit des Geräts wünschen. Micro-LED wäre hierzu eine Lösung, doch Apple hat andere Pläne.

Gespräch mit Sozialpartnern

500 Arbeitsplätze werden aufgrund des geplatzten Deals abgebaut – an den Standorten Regensburg sowie in Kulim in Malaysia, wo eine eigens für die Produktion der Micro-LED gebaute Fabrik geschlossen wurde. Was das für den Standort Regensburg konkret bedeutet, sagte Kamper bei der Vorstellung der Zahlen nicht. „Wir sind im Gespräch mit den Sozialpartnern“, so der Mann, der einmal selbst den Standort noch unter der alten Marke Osram Semiconductors leitete. „Der größere Teil wird aber am Standort Kulim in Malaysia sein.“

Dort bauten die früheren Entscheider eine Fabrik, extra für die Micro-LED-Produktion. Diese Fabrik wurde inzwischen verkauft und zurückgemietet. „Wir suchen jetzt jemanden, der für uns in den Vertrag einsteigt“, sagte Finanzvorstand Rainer Irle zum weiteren Vorgehen. Kamper bestätigte: „Das Interesse an dem Standort ist groß, denn Grundstücke sind dort sehr knapp.“ Man sei zuversichtlich, in absehbarer Zeit einen neuen Mieter zu finden. Das Equipment, das dort für die Produktion von Micro-LED angeschafft wurde, müsse aus der Produktionsstätte dann geräumt werden. „Es kann sein, dass ein Teil davon auch wieder in Regensburg eingesetzt wird“, sagte Kamper. Denn auch weiterhin wird es einen kleinen Bereich Micro-LED geben am Standort Regensburg. „Wir sind im Gespräch mit mehreren Kunden, die bei uns angeklopft haben nach der Stornierung des Auftrags“, so der Vorstandsvorsitzende.

„Wir haben die Hoffnung, dass sich hier gemeinsam auch etwas umsetzen lässt.“ Gleichzeitig erwarte man aber auch ein finanzielles Engagement der möglichen neuen Kunden, wenn sie mit ams Osram in Sachen Micro-LED ins Geschäft kommen wollen. „Es gab nur ein Schlüsselprojekt dieser Technologie, das mit diesem Timing angegangen wurde“, so Kamper. Alle anderen Bereiche, in denen Micro-LED eingesetzt werden könnten wie etwa Smart Glasses oder VR-Brillen hätten jeweils ein viel kleineres Volumen auf den Märkten. Aber Kamper sagte auch: „Wir haben in dem Bereich viel gelernt und die Technologie ist eine sehr anspruchsvolle Entwicklung.“ Überraschend ist allerdings, wohin die Ressourcen bei ams Osram, die ursprünglich für Forschung und Entwicklung dieser Technologie eingesetzt werden, auch eingesetzt werden könnten: Für Innovationen im Automobil Bereich. ams Osram hat dort weltweit einen Marktanteil von rund 40 Prozent im Bereich LED und ist damit faktisch bei allen namhaften Herstellern vertreten. „Auch die chinesischen Hersteller setzen auf uns“, so der CEO.

Die Agenturen tickerten nach der Telefonkonferenz mit den beiden ams Osram-Vorständen, dass der Konzern den Bereich Micro-LED weitgehend einstellen würde. Aber kann es nicht sein, dass dieser Sektor plötzlich wieder wichtig wird? „Die Technologie, die zugrunde liegt, ist sehr breit einsetzbar“, so der Mann, der das LED-Geschäft seit Jahrzehnten aus dem Effeff kennt. „Wir können damit neuartige Scheinwerfer entwickeln oder damit die Aktivität eines Fahrers vor Ermüdung überwachen.“ Rund 700 Millionen Euro kostete der stornierte Auftrag ams Osram fordergründig. Doch am Ende seien es 100 Millionen, die Cash-wirksam würden, so Finanzvorstand Irle. Abfindungen mit eingerechnet. Smartphones bleiben ein wichtiger Sektor für ams Osram. Der Konzern ist vor allem in Android-Handys führend. Sensoren sind beispielsweise in Kameras verbaut, um die von vielen, die mit ihren Smartphones fotografieren, geschätzte Lichtregulierung zu steuern. Sowohl auf dem chinesischen Handy-Markt als auch beim Marktführer Samsung sei man hier auf der Zuliefererliste.

Ergebnis von 124 Millionen

710 Millionen Euro Nettoverlust verzeichnete Osram wegen des geplatzten Vertrages für das erste Quartal. Im Vorjahr waren es 134 Millionen. Bereinigt beläuft sich das operative Ergebnis aber noch immer auf 124 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 151 Millionen Euro Gewinn. Übrigens sorgt sich ams Osram nicht um die Fördergelder, die gezahlt wurden. Die Entwicklung von Micro-LED sei nur einer von mehreren Sektoren gewesen, für die Geld vom Staat floss. „Aber den anteiligen Mitteln stehen auch bereist hohe Ausgaben für die Entwicklung entgegen, die wir schon ausgegeben haben“, so Kamper abschließend.