Conti akzeptiert 100-Millionen-Buße – Verfahren gegen Regensburger Ingenieure laufen weiter

Von Christian Eckl · 26. April 2024 um 10:59

Das Unternehmen zieht einen Schlussstrich unter das Ermittlungsverfahren. Betroffen sind weiterhin mehr als 40 Regensburger Ingenieure. Die meisten wechselten nach der Abspaltung von Continental zu Vitesco. Trotz Rekord-Gewinn baut Conti 350 Jobs in Regensburg ab.

Der Autozulieferer Continental hat ein Bußgeld über 100 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Schummelsoftware angenommen. Das sagte Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle bei der Hauptversammlung der Aktionäre am Freitag in Hannover. Gegen zahlreiche Regensburger Ingenieure wird derzeit noch ermittelt (die Mediengruppe Bayern berichtete). Es geht bei den Ermittlungen um die Entwicklung von Software für den VW-Konzern, mit dem Prüftstands-Abgastests manipuliert wurden.

„Conti hat den Bescheid akzeptiert und die die Einlegung von Rechtsmitteln verzichtet“, sagte Reitzle. „Das liegt im Unternehmensinteresse und das Verfahren ist damit beendet“, so Reitzle weiter.

Reitzle verwies auch darauf, dass die Sparte Power Train von den Ermittlungen betroffen war, die bekanntlich vor drei Jahren abgespalten wurde und nun als Vitesco in der direkten Nachbarschaft in Regensburg seinen Sitz hat. Diese Woche wurde die Übernahme von Vitesco durch Schaeffler besiegelt. Von den Ermittlungen sind zahlreiche Ingenieure betroffen, die entweder noch bei Conti, zumeist aber bei Vitesco arbeiten. „Die Ermittlungen dauern weiterhin an.

Das Verfahren richtet sich derzeit noch gegen 33 Beschuldigte“, sagte der für die Ermittlungen in Hannover verantwortliche Erste Staatsanwalt auf Anfrage. Laut Ersten Staatsanwalt Oliver Eisenhauer versucht seine Behörde derzeit, Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage einzustellen, „, weil hierdurch das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung beseitigt werden kann und die Schwere der Schuld dem nicht entgegensteht“, so Eisenhauer. „Gegen Geldauflage eingestellt wurden bislang Verfahren gegen drei Mitarbeiter auf unteren Ebenen, die unter anderem am Standort in Regensburg tätig waren“, teilte Eisenhauer noch im Februar mit. Fraglich ist in dem Verfahren, inwieweit Software-Entwickler für den Missbrauch ihrer Entwicklung strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können.

Am Standort Regensburg will Conti 350 der insgesamt 4500 Mitarbeiter abbauen. „Effizienz steigern, Kosten senken, Wert schaffen“ – so fasste Reitzle die Strategie des Konzerns zusammen. Nicolai Setzer Vorstandsvorsitzender von Conti, lenkte den Blick auf das Thema Autonome Fahren. Ab 2027 sollen in den USA selbst fahrende Lastwagen auf die Straßen kommen.

Der Konzernabschluss wies für 2023 ein bereinigtes Ergebnis aus von 2,5 Milliarden Euro aus. Damit stieg das Ergebnis um 31,6 Prozent. Allerdings rutschte der Konzern im ersten Quartal 2024 in die roten Zahlen.