Insider: Das Debakel für Osram Regensburg könnte mit der Apple Watch zusammenhängen

Von Mittelbayerische Zeitung · 4. März 2024 um 19:00

Insider berichten, dass der Tech-Riese doch keine Mikro-LED in der Uhr einsetzen will. Ein Unternehmenssprecher sagt, noch ist unklar, was mit den 400 neu geschaffenen Arbeitsplätzen passiert. Auch die Fördergelder der EU stehen im Feuer – es geht um 300 Millionen Euro.

Die Hiobsbotschaft ist noch keine Woche alt, da ist noch völlig offen, welche Auswirkungen das Vertragsstorno eines „wichtigen Kunden“ für den Standort von ams-Osram haben wird. Seit der Konzern die Nachricht verkündete, wird darüber spekuliert, wer der Kunde ist. Die Anzeichen verdichten sich, dass es sich dabei um den Technologiekonzern Apple aus Kalifornien und bei dem maßgeblichen Produkt um die sogenannte Apple Watch handeln soll. Traditionell kommentiert Apple Anfragen zu Lieferanten nicht. Auch Bernd Hops, Sprecher von ams-Osram, sagt dazu: „Das kann ich nicht kommentieren.“

400 Mitarbeiter eingestellt

Das ist geschehen: Wie berichtet, verkündete der österreichische Konzern am 28. Februar, dass „das Schlüsselprojekt der microLED-Strategie“ völlig überraschend storniert wurde. Das Unternehmen muss nach „vorläufigen Schätzungen“ Wertberichtigungen zwischen 600 und 900 Millionen Euro vornehmen. In Malaysia hatte der Konzern bereits eine Fabrik gebaut, Entwicklung und Forschung der microLEDs sollten vom Standort Regensburg aus erfolgen. 400 neue Mitarbeiter hatte Osram eingestellt.

Nach der Osram-Hiobsbotschaft veröffentlichte der Tech-Analyst Ming-Chi Kuo aus Taiwan, der in der Regel äußerst gut über Apple-Interna informiert ist, auf „X“ einen Beitrag. Er schrieb: „Meine letzten Recherchen legen nahe, dass Apple das Projekt mit microLEDs in der Apple Watch gecancelt hat, weil Apple denkt, dass die microLED-Technik keinen zusätzlichen Wert in das Produkt bringt“, so der Analyst. „Die Produktionskosten dafür sind zu hoch, um diese wirtschaftlich darstellbar zu machen.“ Der Taiwanese begründet diese Einschätzung auch. Demnach habe Apple zahlreiche Mitarbeiter aus dem Entwicklerteam für microLEDs entlassen, die am Einsatz der Technik arbeiteten. Die Technik sollte den Bildschirm der Uhr auf ein neues Niveau heben. microLED-Displays bestehen aus einer Anordnung mikroskopisch kleiner roter, grüner und blauer LEDs, jede davon in der Größe eines Pixels, also der kleinsten Auflösungseinheit von Bildschirmen, wie das Online-Portal physikinstrumente.de erklärt.

Geringerer Stromverbrauch und eine um das 30-fach höhere Helligkeit seien zudem Eigenschaften von microLEDs, heißt es weiter. Analyst Ming-Chi Kuo berichtete außerdem, dass Osram der exklusive Lieferant für diese Technologie sei. Die Mitteilung von Osram sei für ihn ein Beleg dafür, dass Apple auf den Einsatz von microLED verzichten würde.

Zweifel gibt es in der Tech-Szene eigentlich nicht daran, dass es sich tatsächlich um den Kunden Apple handelte, der bei Osram abgesprungen ist. Es gebe noch andere Lieferanten für die Technologie, behauptete zwischenzeitlich ein Journalist des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg.

Noch völlig unklar ist, ob die schlechte Nachricht für den Standort Regensburg beispielsweise einen Stellenabbau bedeutet. „Wir haben vergangene Woche nach der Nachricht damit begonnen, unsere microLED-Strategie zu überarbeiten“, sagte der Sprecher von ams-Osram, Bernd Hops. „Welche Maßnahmen damit verbunden sein werden, wird geprüft“, hieß es weiter. Es gebe von Seiten der Konzernleitung noch keine Beschlüsse. 300 Millionen Euro Fördergelder hat Osram „zur Entwicklung besonders innovativer Produkte in Regensburg aus dem europäischen Förderprogramm EU Next Generation“ bewilligt bekommen. Stehen die Fördergelder jetzt im Feuer? Unklar, wie Hops antwortet: „Auch das wird noch geprüft.“

Geld nicht nur für microLED

Die Förderung ziele auf eine Reihe innovativer Technologien, sagt er, nicht nur auf die Entwicklung von microLEDs. „Unter anderem werden wir die Erforschung der nächsten Generation von pixilierten LEDs für Hochleistungsscheinwerfer für Autos oder auch spezieller Laserchips, die für das automatisierte Fahren benötigt werden, vorantreiben“, sagte der Sprecher. Die Förderphase laufe bis ins Jahr 2027, die perspektivische Industrialisierung der daraus resultierenden Produkte sogar bis ins Jahr 2034.