Osram in Schockstarre: Standort Regensburg von Auftrags-Wegfall in Malaysia betroffen

Von Christian Eckl · 29. Februar 2024 um 14:33

Die Stornierung im MikroLED-Bereich besorgt Mitarbeiter am Standort von AMS Osram in Regensburg. Kein Wunder: Sitzt doch hier die Kapazität für Forschung und Entwicklung von MikroLEDs. Dafür hatte der Konzern in Malaysia ein Werk gebaut. Doch der Kunde stornierte nun den Auftrag. Pikant: 400 Arbeitsplätze wurden geschaffen – auch mit Mitteln der Europäischen Union.

Die Nachricht, dass ein wichtiger Kunde einen Milliarden-Auftrag an AMS Osram storniert hat, schlug am Standort Regensburg ein wie eine Bombe. Dabei geht es um sogenannte MikroLEDs. Der Konzern hatte dafür ein Werk in Malaysia gebaut. Am Standort Regensburg sind allerdings die Bereiche Forschung und Entwicklung für diese MikroLEDs angesiedelt.

Wie ein Sprecher des Konzerns bestätigt, wird der Wegfall des Vertrags dann auch Auswirkungen auf den Standort in Regensburg haben. Welche, ist noch offen. „Wir haben am Mittwochabend sofort die Ad-hoc-Meldung herausgegeben, als bekannt wurde, dass der Kunde den Auftrag storniert hat“, sagte Bernd Hops zur Mediengruppe Bayern. „Wir haben auch kommuniziert, dass die Entscheidung darüber, dass dieses Schlüsselprojekt abgesagt wurde, überraschend kam.“

„Strategie wird überarbeitet“

Jetzt werde man bei AMS Osram „die Strategie überarbeiten und wir sind jetzt im Prozess, zu entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden können“. Dazu werde man sich hinreichend Zeit nehmen. „Ich bitte um Verständnis, dass wir sowohl gegenüber der Öffentlichkeit, als auch gegenüber der Belegschaft aus diesem Grund Maßnahmen noch nicht kommunizieren können“, so Hops.

Vonseiten der Gewerkschaft äußerte sich Olga Redda, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, zur aktuellen Situation beim AMS Osram. „Die Entwicklung bei AMS Osram ist ein Schock“ so Redda. Die Arbeitnehmervertretung habe laut Redda „immer davor gewarnt, die Zukunftsstrategie des Unternehmens auf einen einzelnen, offenbar unsicheren Kunden auszurichten“.

„Völlig verunsichert“: Schwierige Situation für die Mitarbeiter

Die Vertreterin der IG Metall beschreibt eine schwierige Situation für die Mitarbeiter am Standort. „Die Beschäftigten sind jetzt völlig verunsichert. Sie wissen nicht, was das für den Standort Regensburg bedeutet“ und was das „mit ihrer Zukunft, mit ihren Arbeitsplätzen macht“. Redda sprach auch die Probleme für die Mitarbeiter an, die kürzlich erst zu AMS Osram gewechselt sind, weil der Konzern am Standort Regensburg aufbaute, um in Forschung und Entwicklung der MikroLEDs zu investieren. „Ganz davon zu schweigen, dass für das nun offenbar verlorene Projekt viele neue Beschäftigte aufgebaut wurden, die andere, sichere Jobs für die Chance bei AMS Osram verlassen haben“, kommentierte die Gewerkschafterin.

Der Betriebsrat am Standort Regensburg und IG Metall forderten jetzt „schnell Klarheit, volle Transparenz und Gespräche mit uns über die Anpassungen an die neue Situation“.

Der Betriebsrat und die Gewerkschaft fordern nun Mitsprache bei den anstehenden Entscheidungen ein: „Wir erwarten, dass uns das Unternehmen vollumfänglich einbindet“, fordert Redda. „Mitbestimmung schützt nicht nur die Beschäftigten, sie hilft auch dem Unternehmen, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, schloss die Vertreterin der Gewerkschaft.

Investitionen am Standort

Dabei hat das Unternehmen in den letzten Monaten massiv investiert. 400 neue Arbeitsplätze sind seit vergangenem Herbst entstanden. Mit massiven Fördermitteln sollten in den kommenden fünf Jahren 600 Millionen Euro am Standort Regensburg in die Forschung und Entwicklung fließen. Die Europäische Union hatte die Produktion von Mikro-LEDs und Halbleitern in Europa sicherstellen wollen.