Pionier im Forst: Der Oberpfälzer Carl Graf zu Eltz ist „Waldbesitzer des Jahres“

Von Lorenz Nix · 17. Juli 2024 um 05:00

Das Fachmagazin forstpraxis.de hat nach einer Online-Abstimmung den Unternehmer Carl Graf zu Eltz aus Fensterbach im Kreis Schwandorf zum „Waldbesitzer des Jahres 2024“ gekürt. Als einer der ersten hat er damit begonnen, seinen Forst in der Oberpfalz zu einem Mischwald umzubauen. Ausschlaggebend dafür war eine Katastrophe.

Die Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1990 wird Carl Graf zu Eltz wohl nie vergessen. Damals fegte der Orkan Wiebke über Deutschland, 35 Menschen starben. Der Sturm machte außerdem riesige Waldflächen dem Erdboden gleich. Hochrechnungen gehen davon aus, dass deutschlandweit 60 bis 70 Millionen Festmeter, also Kubikmeter, Holz entwurzelt wurden – das doppelte des damaligen Jahreseinschlags.

Auch im Wald von Carl Graf zu Eltz in der Gemeinde Fensterbach im Kreis Schwandorf war die Lage verheerend. 10000 Festmeter Holz knickte Wiebke wie Streichhölzer um – vorrangig im reinen Fichtenbestand. Die etwa 13 Hektar wieder mit dem Flachwurzler aufzuforsten, kam für den heute 58-Jährigen nicht in Frage. Ein stabilerer Bestand musste her. Graf zu Eltz entschied sich seinen Forst rund um das Gut Wolfring in einen Mischwald umzubauen und war damit einer der ersten, der diesen Weg ging. Dafür wurde er nun in Berlin mit dem Deutschen Waldpreis in der Kategorie „Waldbesitzer des Jahres“ ausgezeichnet.

Carl Graf zu Eltz: „Anerkennung für 35 Jahre Waldumbau“

„Das ist eine schöne Anerkennung für 35 Jahre Waldumbau“, sagt Graf zu Eltz wenige Tage nach der Preisverleihung der Mediengruppe Bayern. Tatsächlich steckte das Thema Anfang der 90er Jahre noch in den Kinderschuhen. Heute ist klar, dass die Fichten-Monokulturen, die im Zuge der Industrialisierung in ganz Deutschland entstanden sind, nicht zukunftsfähig sind. Schließlich ist der Flachwurzler nicht nur anfällig für Stürme, sondern auch auf regelmäßige Niederschläge angewiesen. Außerdem findet der Borkenkäfer in den aus den genannten Gründen oft bereits geschwächten Monokulturen ein gefundenes Fressen.

Für Carl Graf zu Eltz hat sich die schrittweise Entnahme der Fichte und die Aufforstung unter anderem mit verschiedenen Laubbäumen sowie der Tanne gelohnt. Auf der insgesamt etwa 278 Hektar großen Forstfläche entstehe und gedeihe ein stabiler Mischwald, freut sich der 58-Jährige. Finanziell habe man damit zwar Einbußen hinnehmen müssen, „aber langfristig zahlt sich das aus“, ist er überzeugt.

Borkenkäfer und Kiefernprachtkäfer haben es schwer

So habe der Betrieb beispielsweise den Borkenkäfer gut im Griff. Jeder Baum, der erste Anzeichen eines Befalls zeige, werde sofort entnommen, erklärt Graf zu Eltz. Dazu setze man unter anderem auf Überwachung mit Drohnen. „Wir machen dem Borkenkäfer das Leben sehr schwer“, sagt der Landwirtschaftsmeister. Gleiches gelte auch für den Kiefernprachtkäfer, dessen Schadenspotenzial in der Oberpfalz lange unterschätzt worden sei.

Aber nicht nur die winzigen Rindenfresser können den Bäumen zum Verhängnis werden. Damit das Rehwild dem Wald nicht zu sehr zusetzt, wird es vom passionierten Jäger Carl Graf zu Eltz und seiner Familie reduziert. Wildschweine werden hingegen – solange sie im Forst bleiben – in Ruhe gelassen. Dort seien sie schließlich „sehr nützlich“, betont der 58-Jährige. Sie würden unter anderem Mäusenester ausgraben und den Boden auflockern.

Politische Ideen als „kräftige Watschn“

Bei der Waldbewirtschaftung mache er alles, was politisch gewünscht ist, sagt Graf zu Eltz. Die Vorschläge für ein neues Bundeswaldgesetz kritisiert er aber scharf. Das sei nicht nötig, ist der Landwirtschaftsmeister überzeugt. Das alte Gesetz aus den 70ern habe sich bewährt und sei ausreichend. Nun sei man dabei, die Waldbesitzer nur noch stärker mit Bürokratie zu belasten. „Die Politik sollte mehr mit uns und nicht immer über uns reden.“ Das gelte sowohl für die Gesetzgebung auf Bundes- als ganz besonders auch auf EU-Ebene.

Im Gespräch schießt Graf zu Eltz besonders gegen Pläne zur Stilllegung, also Nichtbewirtschaftung von Waldgebieten. Wenn Besitzer verpflichtet würden, Teile ihrer Flächen aus der Nutzung zu nehmen, komme das einer Enteignung gleich, ist der Unternehmer überzeugt. Für ihn, der sich auch ohne solche Vorgaben um eine nachhaltige Bewirtschaftung bemühe, sei das eine „kräftige Watschn“.