Holz als Schlüssel zum nachhaltigen Bauen: Hemauer Firma baut Bürogebäude in Regensburg

Holzbau liegt im Trend. Die Firma Semmler aus Hemau im Landkreis Regensburg baut an der Regensburger Frankenstraße ein innovatives Bürogebäude in Holzbauweise. Wird bald nur noch mit dem natürlichen Rohstoff gebaut?
Der Ausblick ist selbst für Regensburger nicht alltäglich: Blickt man im dritten Stock des Bauprojekts „Holzgarten“ aus dem Fenster, zeigt sich der Dom in seiner ganzen Pracht. Das Wahrzeichen ist zwar noch ein Stück weg, aber eines wurde beim gestrigen Richtfest des Gebäudes an der Regensburger Frankenstraße klar: Die Mitarbeiter der Malteser bekommen einen Arbeitsplatz mit ganz besonderer Aussicht.
Die Regensburger Hauptzentrale der Hilfsorganisation bezieht die oberen drei Stockwerke des markanten Gebäudes zwischen Toom-Baumarkt und Avia-Tankstelle. Das Erdgeschoss beheimatet zukünftig eine Niederlassung der Firma Würth. Der Neubau ist allerdings kein gewöhnlicher, sondern wird in Holzbauweise errichtet.
Holzbau-Anteil steigt in Bayern kontinuierlich
Daher zeigt das Projekt an der Regensburger Frankenstraße einen bundesweiten Trend im Gebäudebau: In den vergangenen Jahren ging der Holzbau-Anteil nahezu kontinuierlich nach oben. In Bayern wurde 2023 jedes vierte Wohngebäude – 25,8 Prozent – in Holzbauweise errichtet. Bei den Nichtwohngebäuden war die Quote mit 28 Prozent sogar noch ein wenig höher. Der Freistaat lag damit in beiden Kategorien über dem Bundesschnitt von 22 beziehungsweise 23,4 Prozent.
„Holzbau ist in aller Munde“, sagt Maximilian Semmler. Der 35-Jährige leitet gemeinsam mit seinem Vater Thomas das Unternehmen Holzbau Semmler aus Hemau im kreis Regensburg, das das Projekt „Holzgarten“ verantwortet. Den beiden Geschäftsführern zufolge wird die Bedeutung des Holzbaus auch in Zukunft weiter zunehmen. Schließlich habe sich die Politik Nachhaltigkeitsziele gegeben, sagt Maximilian Semmler.
In Häusern verbautes Holz bindet tonnenweise CO2
Tatsächlich will Deutschland bis 2045 CO2-neutral sein. Besonders im Fokus: der Gebäudesektor. Fast 40 Prozent des weltweiten Treibhausgases werden durch die Baubranche verursacht. Dass Holz hier ein Teil der Lösung sein kann, liegt auf der Hand. Schließlich bindet jeder verbaute Kubikmeter des natürlichen Rohstoffes etwa eine Tonne CO2.
Wird also bald nur noch mit Holz gebaut? Das Hemauer Vater-Sohn-Gespann lehnt das ab. Nicht immer sei Holz die beste Lösung, sagt Maximilian Semmler. Dass der Rohstoff in der Baubranche aber immer wichtiger wird, bestätigt die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Bereits 2021 hat die Organisation ein entsprechendes Positionspapier vorgelegt. Darin plädieren die Experten für einen differenzierten Umgang mit Holzbau. Für alle Baustoffe gelte, „nur weil etwas umsetzbar ist, ist es nicht automatisch sinnvoll“, heißt es in dem Positionspapier. Wichtig sei „eine faire, faktenorientierte und materialgerechte Betrachtung der Bauaufgabe, um die individuell beste Lösung zu finden“. Holz sei schließlich nicht per se nachhaltig, schreiben die Experten. Es komme unter anderem darauf an, wo und wie der Rohstoff erwirtschaftet wurde.
Regensburger Projekt „Holzgarten“: Fassade komplett aus der Oberpfalz
Beim Projekt „Holzgarten“ in Regensburg habe man vor allem bei der Fassade besonderen Wert auf eine regionale Wertschöpfungskette gelegt, sagt Maximilian Semmler – „vom Baum in der Oberpfalz über die Veredelung bis hin zur fertigen Verarbeitung“. Insgesamt habe man 947 Kubikmeter Holz und Holzwerkstoffe verbaut. Damit binde man langfristig 974 Tonnen CO2.
Das Thema Nachhaltigkeit ist aber nicht der einzige Grund, warum sich immer mehr Menschen für ein Holzhaus entscheiden: Bei Semmler würden die Kunden am ehesten den Komfort schätzen, den die Bauweise mit sich bringt, glaubt Geschäftsführer Thomas Semmler. Damit meint er nicht die Wohlfühlatmosphäre im fertigen Gebäude, die von Holzbaufans immer wieder angeführt wird. Vielmehr spricht der 59-Jährige von der für die Branche immer wichtiger werdenden Vorfertigung. So haben etwa 35 Prozent der befragten Unternehmen in der aktuellen Konjunkturumfrage des Verbands „Holzbau Deutschland“ angegeben, dass sie bereits jetzt Bauteile vorfertigen. Weitere 25 Prozent sind dabei, ihre Fertigungsweise entsprechend anzupassen.
Fachkräftemangel in der Baubranche: Vorfertigung als Chance
Auch auf dem Gelände der Firma Semmler werden Fassadenelemente in Holzrahmenbauweise produziert und kommen erst dann zur Montage auf die Baustellen. Das führt nicht nur dazu, dass Holzhäuser oft innerhalb kürzester Zeit aufgebaut werden können – beim Projekt „Holzgarten“ dauerte es von der Anlieferung der Teile bis zum regendichten Gebäude nur acht Wochen. Maximilian Semmler sieht in der Vorfertigung auch eine Chance im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Die Denkweise dahinter ist logisch: Je mehr Arbeitsschritte am Firmensitz in Hemau erledigt werden können, desto angenehmer kann das Unternehmen den Arbeitsplatz gestalten und modernen Work-Life-Bedürfnissen gerecht werden.
Insgesamt sei der Fachkräftemangel aber eine der größten Herausforderungen, denen sich die Branche in naher Zukunft zu stellen hat, sagt Maximilian Semmler. Bei dem Familienunternehmen mit seinen über 60 Mitarbeitern und jährlich um die zehn Auszubildenden sieht man sich hier allerdings aktuell gut aufgestellt. Das Besondere in Hemau: Fast 60 Prozent der Angestellten hätten auch ihre Ausbildung bei Holzbau Semmler absolviert, zeigt sich der Geschäftsführer stolz. Das Durchschnittsalter liege bei 35 Jahren mit einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von elf Jahren. Der Branchenschnitt sei 45 und acht Jahre, sagt Maximilian Semmler.

