Wie die Cannabis-Teillegalisierung für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgt

Seit dem 1. April gilt das neue Cannabisgesetz. Dadurch fällt es nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Das hat auch wirtschaftliche Auswirkungen auf die Branche. Dabei ist der Cannabismarkt in drei Sparten zu unterteilen. Es wird zwischen Genusscannabis, medizinischem Cannabis und Industriehanf unterschieden.
Kilian Bohn, Geschäftsführer von Hanf im Glück in Regensburg und Straubing, erklärt, dass in seinen Läden die Nachfrage seit der Teillegalisierung gestiegen sei. „Man merkt, dass das Thema aus der Illegalität herausgetreten ist“, sagt Bohn. Vor allem nach Cannabissamen und Anbauzubehör fragen die Kunden bei ihm. „Für die Ausrüstung, die man für einen erfolgreichen Eigenanbau benötigt, sollte man mindestens 500Euro kalkulieren“, sagt er.
Equipment für Anbauvereine
Er selbst ist gerade dabei einen Anbauverein, einen sogenannten Cannabis Social Club, zu gründen, die ab dem 1. Juli eine Genehmigung beantragen dürfen. „Auch die Anbauvereine wirken sich auf die Wirtschaft aus. Sie brauchen entsprechendes Equipment für einen ganzjährigen Anbau und geeignete Lokalitäten“, sagt Jürgen Neumeyer, Geschäftsführer des Branchenverbands Cannabiswirtschaft. Es bestehe die Möglichkeit, dass sich mehrere Vereine in einer sogenannten „Growhub“ zusammenschließen. Dort können sich die Vereine Anbauflächen mieten.
Doch Bohn befürchtet, dass sich der Starttermin nach hinten verschieben werde. „Ein tatsächlicher Start des Anbaus erscheint gerade an den bayerischen Standorten vor dem ersten Quartal 2025 beinahe schon unrealistisch“, sagt er. Bis jetzt ist noch nicht klar, welche Behörde für die Genehmigung der Anbauvereine zuständig ist.
Nutzhanf ist vielseitiger Rohstoff
Ein hoher wirtschaftlicher Aufschwung sei im Bereich Industriehanf zu erwarten, so Neumeyer. Denn Hanf ist ein sehr schnell nachwachsender Rohstoff, der vielseitig verarbeitet werden kann. „Ob als Faserverbundstoff in der Automobilindustrie, Dämmstoff und Hanfbeton auf dem Bau oder biologisch abbaubares Plastik – die nachhaltigen Potenziale sind vielfältig und könnten einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduktion in Deutschland beitragen“, sagt Marijn Roersch van der Hoogte, Vize-Präsident des Branchenverband Cannabiswirtschaft.
Debatte über „Rauschklausel“ bei Hanfanbau
Aktuell wird auch wegen der Teillegalisierung über die Streichung der sogenannten „Rauschklausel“ diskutiert. Diese Sonderregel führt dazu, dass selbst ein niedriger THC-Gehalt zu Streitigkeiten, Razzien und der Vernichtung der Ernte führen kann. Wegen dieser Klausel in Verbindung mit bürokratischen Hürden sei der Einsatz und die Weiterverarbeitung von Industriehanf verhindert, teilt der Branchenverband Cannabiswirtschaft mit. Durch die Abschaffung der Klausel, sollen zudem die Bedingungen für den Indoor-Anbau erleichter werden.
„Diese sinnlose Rauschklausel führte in den letzten Jahren zunehmend zu wirtschaftlichen Schäden und Insolvenzen. Die Abschaffung ist dringend erforderlich und freut uns dementsprechend sehr. Dies ist ein wichtiger Schritt für eine Neuetablierung der deutschen Industriehanfbranche“, sagt Jürgen Neumeyer, Geschäftsführer des Branchenverband Cannabiswirtschaft. Hanffasern finden in verschiedenen Branchen Anwendung – auch in der Modewelt. Die Chamer Firma MAC arbeitet und experimentiert viel mit nachhaltigen Fasern. Sie verwenden für ihre Jeans auch Stoffe aus Hanf, denn er hat Vorteile gegenüber Baumwolle.
Geringer Wasserverbrauch
So können pro Hektar Anbaufläche drei Tonnen Nutzhanf gewonnen werden, während je Hektar nur circa 1,35 Tonnen Baumwolle gewonnen werden. Zudem ist der Wasserverbrauch je Kilogramm bei Hanffasern mit 2123 Litern geringer als bei Baumwolle. Sie braucht 9758Liter Wasser je Kilogramm, teilt der Branchenverband Cannabiswirtschaft mit. Demnach ist für ein Kilogramm Faserhanf der Wasserverbrauch um 75 Prozent geringer als für Baumwolle.
Cannabis ist ein sehr wirksamer medizinischer Rohstoff. Medizinisches Cannabis wird vor allem in der Schmerztherapie eingesetzt. Der Anwendungsbereich hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Die Teillegalisierung vereinfacht das Rezept ausstellen für Ärzte, denn Cannabis gilt nicht mehr als Betäubungsmittel.
Anbau von medizinischem Cannabis erleichtert
Zudem habe die Teillegalisierung die Vorschriften für den Anbau und die Verarbeitung von medizinischem Cannabis erleichtert. In Unterfranken verarbeitet das Unternehmen Cantourage seit Kurzem etwa 250 Kilogramm medizinisches Cannabis pro Monat. Pflanzenplantagen gebe es vor Ort jedoch nicht. Für den Anbau seien die Auflagen in Deutschland derzeit zu hoch, sagte der Sprecher.
Während die Cannabis- und Hanfbranche einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, ist zu erwarten, dass die Kosten der Justiz und der Strafverfolgung sinken. Während es laut Statista im Jahr 2023 knapp 180000 polizeilich erfasste Verstöße mit Cannabis gab, ist zu erwarten, dass vor allem die Zahl der Konsumdelikte zurückgeht. Da der Konsum von Cannabis in der Öffentlichkeit nur noch in ausgewählten Bereichen strafbar ist.